Titel: Verfahren um scharfe Siegelabdrücke zu erhalten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 5 (S. 237–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi03_5

Verfahren um scharfe Siegelabdrücke zu erhalten.

Zur Erreichung dieses Zweckes gibt der rühmlich bekannte Graveux L. Piltz folgende Vorschrift:

Die Meisten sind gewohnt, das Pettschaft beim Siegeln etwas zu befeuchten, aus Furcht, es möchte beim Erkalten ankleben. Diese Besorgniß ist indessen völlig |238| ungegründet. Das Pettschaft muß vielmehr ganz trocken angewendet, ja sogar noch etwas erwärmt werden, und in dieser Erwärmung liegt gerade der Hauptvortheil zur Erhaltung schöner Abdrücke, daher wir uns hier insbesondere über die richtige Erwärmung genauer auslassen müssen.

Das Pettschaft darf durchschnittlich nur lauwarm, weder zu stark noch zu schwach erwärmt werden. Man hält dasselbe unter langsamem Umdrehen schief auswärts mit der Kante etwa 1/2 Zoll über die kurz geputzte ruhige Lichtstamme, aber ja bei zufällig eintretendem Luftzug so, daß die Flamme die gravirte Fläche nicht berührt, weil sich dieselbe dann unfehlbar berußt. Siegelringe werden demnach mehr von Innen erwärmt. Wenn man die Kante des Pettschafts befühlt, muß sie die Wärme der Hand haben Die Erwärmung muß jedoch bei sehr dünnen Pettschaften oder bei weichem Siegellack schwächer seyn, und umgekehrt bei sehr starken, massiven Pettschaften oder hartem Siegellack weit stärker. Für das Erstemal erfährt man den richtigen Temperaturgrad so: Man erwärmt nur wenig. Erhält nun bei starkem Aufdrücken das Siegel nicht denselben Glanz, den das Pettschaft besitzt, so muß letzteres noch ein Paar Grade stärker erwärmt werden, bis dieser Glanz erzielt ist, was auch in der Regel beweist, daß der Abdruck gut gerathen ist. Erwärmt man zu stark, so hat dieß den Nachtheil, daß die Fläche des Siegels löcherig wird, und bei übermäßiger Erhitzung könnte natürlich das Siegellack auch aus Pettschaft ankleben. Man muß es dann mit einer messingenen Stecknadel aus den Vertiefungen herausstoßen, oder mittelst Spiritus, den man einige Minuten darauf läßt, mit Hülfe einer stumpfen, aber weichen Zahnbürste beseitigen.

Starke Pettschafte schwitzen in der Regel bei anfangendem Erwärmen. Stählerne ziehen dabei leicht Rost. Man erwärmt daher hier nicht anhaltend, sondern zieht öfter zurück, bis der Schweiß verschwindet.

Um das Siegellack aufzutragen, erwärmt man gleichfalls unter Umdrehen der Stange so viel, als man zu gebrauchen gedenkt, läßt es dann erst anbrennen, trägt es nun aufs Papier, rührt hierauf fleißig in der Größe des zu erzielenden Siegels um, damit sich die schwarzen Theile zerrühren, setzt nun das Pettschaft ruhig (d.h. ohne Wanken), aber mit aller Kraft auf, und selbst diese genügt nur für Pettschafte von der Größe eines Zwölfkreuzerstückes. Sind dieselben größer und besonders tief gravirt, dann ist eine Presse unentbehrlich, welche überhaupt in allen Fällen die schärfsten und sichersten Abdrücke liefert. Man hat daher beim Kaufen von Galanteriepettschaften vorzugsweise darauf zu sehen, daß dieselben nicht zu schwach sind. Mit dem Drucke darf nicht eher nachgelassen werden, als bis das Siegellack außen herum erhärten will, sonst erscheint der Abdruck durch kleine Bläschen entstellt.

Bei dieser Behandlung sitzt das Pettschaft gewöhnlich ziemlich fest am Siegel und muß nun vorsichtig abgelöst werden, d.h. man ergreift das Papier dicht am Pettschaft zwischen Daumen und Zeigefinger und lüftet es damit allmählich ringsherum, bis es endlich ganz losgeht.

Eine Hauptbedingung zur Erzielung eines scharfen Abdruckes ist nun noch die Unterlage. Diese darf bei seicht gravirten Siegeln lediglich aus einem Bogen weichen Druckpapiers bestehen, welcher etwa zwölffach zusammengelegt ist, oder besser aus sehr weichem Pappdeckel. Namentlich ist dieß bei Oblaten von Wichtigkeit Auch darf bei letzteren nur ein Schlag geführt werden. Die Unterlage muß auf hartem Holz, am besten (namentlich bei Anwendung der Presse) auf eiserner Fläche ruhen Bei tieferen Gravirungen muß die Unterlage noch ein halbmal, wohl auch doppelt so stark seyn, als oben angegeben wurde. Selbst tief gravirte Pettschafte lassen sich in Oblaten abdrücken, allein dann dürfen sie keine zu grellen Vertiefungen haben, weil in solchen Fällen das Papier durchreißt.

Soll ein Abdruck ohne Anwendung von Siegellack und Oblate auf bloßes Papier gemacht werden, so gelingt dieß nur mit Hülfe der Presse. Die Unterlage muß hier noch dünner seyn, und besteht am besten aus einem Gummiblättchen.

Jedenfalls werden rücksichtlich der richtigen Stärke der Unterlage einige Versuche unerläßlich seyn.

Bisweilen drückt sich bei größeren Siegeln bloß die Schrift im Umkreise aus, während die mittleren Theile ausbleiben. Dieß rührt daher, daß die Unterlage zu dick, oder das Holz etc. worauf sie ruht, nicht mehr eben, sondern durch den längeren Gebrauch hohl gedrückt ist.

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Sind mehrere Briefe, oder Briefe und Packete zu siegeln, so erwärmt sich das Pettschaft allmählich von selbst, und man wird die Briefe und von diesen diejenigen, bei denen der Siegelabdruck am schärfsten werden soll, bis zuletzt aufheben. (Würzburger gemeinnützige Wochenschrift, 1858 S. 267)

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