Titel: Chemische Zündhölzer ohne Phosphor, deren Masse keine giftige Substanz enthält; von Hrn. Canouil.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 7 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi03_7
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Chemische Zündhölzer ohne Phosphor, deren Masse keine giftige Substanz enthält; von Hrn. Canouil.

Meine neuen Zündhölzer enthalten gar keinen Phosphor, weder weißen (gewöhnlichen), noch rothen (amorphen). Man kann mit denselben keine Vergiftung hervorbringen, und sie lassen sich so darstellen, daß sie sich durchaus nicht von selbst entzünden. Sie bestehen im Wesentlichen aus chlorsaurem Kali, mit Zusatz einer kleinen Menge von einem Superoxyd, zweifach-chromsaurem Salz oder Oxysulfür eines Metalles, wenn man sie leichter entzündbar machen will. Ich habe das Mittel gefunden, um das chlorsaure Kali, sogar trocken, zu zerreiben, ohne daß eine Explosion oder Verbrennung erfolgen kann.

Die Masse, welche das Ende des Zündhölzchens bildet, ist durchaus nicht giftig; ein Hund kann davon mehr als ein Kilogramm verschlucken, ohne andere nachtheilige Folge, als einen etwas heftigen Durst.

Die neuen Zündhölzer verbreiten gar keinen Geruch, weder bei der Fabrication, noch in Magazinen, welche Tausende damit gefüllter Büchsen enthalten, noch beim Gebrauch. Sie entzünden sich ohne Explosion und ohne daß von ihrer Masse etwas weggeschleudert wird. (Comptes rendus, Juni 1858, Nr. 26.)

Nachschrift. Die französische Akademie der Wissenschaften hat die Abhandlung des Hrn. Canouil, von welcher Vorstehendes ein Auszug ist, nach dem Wunsch des Verfassers der Commission überwiesen, welche über die hinsichtlich der „ungesunden Gewerbe“ zu ertheilenden Preise zu entscheiden hat.

Zur Erzielung von Zündhölzern, welche frei von den Uebelständen der Phosphorzündhölzchen sind, verfolgt man jetzt in Frankreich ernstlich den Weg, welcher zuerst in einem „Berichte der k. württembergischen Centralstelle für Gewerbe und Handel“ (polytechn. Journal Bd. CXLVI S. 399) als der geeignete bezeichnet wurde. Es heißt daselbst: „Die Chemie lehrt, daß Phosphor, Arsen und Antimon drei in vielfacher Beziehung sehr ähnliche Körper sind; man hat auch schon zu den Zündmassen der sogenannten Zündnadelgewehre Arsen oder Antimon statt Phosphor genommen. Auch als Zündkraut bei Sprengungen dient ein Gemenge von chlorsaurem Kali mit Schwefelantimon. Bei der Anwendung von Arsen oder einer Arsenikverbindung statt Phosphors wäre natürlich in sanitätspolizeilicher Beziehung nichts gewonnen, vielmehr der Uebelstand vergrößert. Man muß sich daher zum Antimon wenden, und namentlich sind die Verbindungen des Antimons mit Schwefel zu berücksichtigen; statt Antimon lassen sich vielleicht auch Wismuth- oder Eisenverbindungen anwenden.“

Seitdem wurde in Armengaud's Génie industriel (daraus im polytechn. Journal Bd. CXLVIII S. 79) eine derartige, in Frankreich Hrn. Hochstätter patentirte Composition für Zündhölzchen ohne Phosphor veröffentlicht, bestehend aus chlorsaurem Kali, mit Zusatz von zweifach-chromsaurem Kali, Bleisuperoxyd und rothem Schwefelantimon (sulfure rouge d'antimoine). Letzterer Verbindung haben wir in unserer Uebersetzung die Bezeichnung Kermes beigefügt, wozu die Redaction des württembergischen Gewerbeblatts bei der Aufnahme des Artikels bemerkte: „wird Goldschwefel heißen sollen; Kermes ist das braune Schwefelantimon.“ Diese Bemerkung gieng dann in das bayerische Kunst- und Gewerbeblatt und andere technische Zeitschriften über. Wir zweifeln aber nicht, den Terminus der Originalvorschrift richtig erläutert zu haben, weil der Kermes (Antimon-Oxysulfür) den officinellen Namen rother Spießglanzschwefel (Sulphuretum Stibii rubeum, Sulphur stibiatum rubeum) führt.

Die Redaction d. P. J.

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