Titel: Das Kanonenbohrwerk des k. k. Eisengußwerkes nächst Maria Zell.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 1 (S. 314–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi04_1

Das Kanonenbohrwerk des k. k. Eisengußwerkes nächst Maria Zell.

Das Kanonenbohrwerk an der Salza ist circa 600 Klafter nördlich vom Gußwerk an der Straße nach Maria Zell gelegen; es hat lediglich die Bestimmung die einlaufenden Militärbestellungen auf Marine- oder Festungs-Geschützröhre zu effectuiren. Bei allfälligem Mangel an Militärbestellungen wird dasselbe wohl auch zur Anfertigung von Civilwaare, vorzüglich zum Abdrehen größerer Stücke, besonders schwerer Walzen, verwendet. Das Bohrwerk ist vermöge seiner Einrichtung in der Lage, jährlich 500–600 Stück Geschütze anzufertigen und bezieht sein Aufschlagwasser vom Salzaflusse, das in einem offenen Fluder einer ebenfalls offenen 70pferdigen Jonval'schen Turbine mit 5 Fuß 3 Zoll Durchmesser zugeführt wird, welche ihre Kraft von der aufrechten Welle mit conischen Rädern auf eine schmiedeiserne Transmissionsachse und von derselben mittelst Riemenbewegung auf die einzelnen Arbeitsmaschinen überträgt. Durch Oeffnen oder Schließen der Turbinenzellen kann die Leistung vermehrt oder vermindert werden.

Arbeit.

Die aus den Flammöfen gegossenen Kanonen werden auf der Achse ganz roh vom Gusse zum Bohrwerke geführt, dort wird auf den dazu bestimmten Drehbänken |315| der Aufguß oder verlorene Kopf abgestochen, das Abdrehen und Ausbohren des Rohres, sowie das Abdrehen der Schildzapfen, das Bohren der Zündlöcher etc. bewerkstelliget.

Alle Flächen, welche ein Abdrehen auf den Bänken nicht zulassen, werden mit dem Meißel und der Feile appretirt, und erst im vollkommen ausgefertigten Zustande von dem hier stationirten k. k. Geschütz-Uebernahms-Commando aus die Richtigkeit der Ausfertigung visitirt, beschossen, nach dem Tormentiren abermals visitirt, dann erst übernommen.

Zum Behufe dieser Arbeiten steht im Kanonenbohrwerk eine eigene doppelte Schildzapfendrehbank, mittelst welcher beide Schildzapfen gleichzeitig abgedreht werden können. 16 andere Bohr- und Drehbänke, 2 Hobelmaschinen und 1 verticale Bohrmaschine, 2 Schmiedfeuer werden von einem kleinen 1 Fuß im Durchmesser haltenden Ventilator bei 1200 Umdrehungen per Minute mit Wind versehen.

Für den leichteren Transport dieser größtentheils schweren Körper ist durch einen Schienenweg gesorgt, der durch das ganze Bohrwerksgebäude parallel zur Längenfront läuft, das Ueberheben der Last geschieht mit Krahnen.

Leistung.

Im Jahre 1857 wurden 84 Stück Kanonen von verschiedenem Kaliber im Gesammtgewichte von 4419 Centner ausgefertiget.

Heizung.

Die Beheizung der mechanischen Werkstätte sowohl als des Kanonenbohrwerks geschieht mit Dampf, erstere bezieht denselben aus den mit den Hohofengasen geheizten, zwischen den Gichten eingemauerten Dampfkesseln; für das letztere ist ein separater Kessel mit Holzfeuerung außerhalb des Bohrwerks-Gebäudes eingemauert.

Personalstand.

Im Bohrwerke sind mit Drehen, Bohren, Stemmen etc. 38 Arbeiter, und zwar:

Schlosser 6
Eisendreher 14
Hobler 2
Schmiede 2
Gehülfen 2
Stemmer 2
Maschinenwärter 1
Lehrjunge 1
Interims-Arbeiter 8
–––––––––
Zusammen 38 Köpfe

beschäftigt.

Die Aufsicht ist einem Dreh- und Bohrmeister anvertraut.

Betriebsresultate.

Das Manipulations-Ergebniß im Militärjahre 1857 bei beiden Werkstätten war Folgendes:

Aus 18,370 Centner Rohgußwaare und 328 Centner roher Schmiedeisenwaare wurden erzeugt:

appretirte fertige Gußwaare 13,101 Ctr.
Abfälle 3602 „
und appretirte Schmiedeisenwaare 286 „
Schmiedeisen-Abfälle 15 „

woraus sich auf 100 Centner der Erzeugung ergibt:

fertige Gußwaare 79 Procent,
Abfälle 21 „
fertige Schmiedeisenwaare 95 „
Abfälle 5 „
und bei der Gußwaare ein Calo von 10 „
bei der Schmiedeisenwaare ein Calo von 8 1/2 „
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Durchschnittspreise.

Die abfallenden Bohr- und Drehspäne werden gegenwärtig durch Verkauf an Private mit 45 kr. per Centner verwerthet. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1858, Nr. 32.)

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