Titel: Zur Geschichte der fabrikmäßigen Bereitung und Anwendung des Schwefelkohlenstoffes; von Dr. L. C. Marquart in Bonn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 2 (S. 316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi04_2

Zur Geschichte der fabrikmäßigen Bereitung und Anwendung des Schwefelkohlenstoffes; von Dr. L. C. Marquart in Bonn.

Nach dem, aus den Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereins im polytechnischen Journal Bd. CXLVIII S. 268 aufgenommenen Patent des Hrn. Dr. Seyferth in Langensalza, hat es den Anschein, daß es demselben zuerst gelungen sey den Schwefelkohlenstoff in großen Mengen und zu so billigem Preise zu liefern, daß dieser Körper industrielle Anwendungen gestattet.

Ich erlaube mir daher zu bemerken, daß meine Fabrik diesen Artikel schon im J. 1850 in größter Menge und zu den billigsten Preisen zu liefern im Stande war und seitdem fortwährend geliefert hat. Schon in jenem Jahre konnte ich täglich 1200 Pfund liefern. Die Jury der Londoner Weltausstellung im Jahre 1851 hat dieß ehrenvoll erwähnt und in den Reports of the Juries pag. 38 heißt es: Among the newest of Chemical manufactures is that of sulphuret of carbon, represented by Dr. L. C. Marquart of Prussia.“

Was nun die Verwendung des Schwefelkohlenstoffs als bewegende Kraft betrifft, so ist Hr. John C. F. Salomon, Professor in Baltimore, schon seit mehreren Jahren mit derselben beschäftigt gewesen und zu glücklichen Resultaten gelangt, wie aus einem Briefwechsel hervorgeht, welchen ich mit demselben führte, und aus folgender Anzeige in dem zu Baltimore erscheinenden deutschen Correspondenten vom 20. Juni 1857:

Eine neue Bewegungskraft. Mit besonderem Vergnügen machen wir unseren Lesern die Mittheilung, daß es dem Genie eines Deutschen, nämlich dem hier wohnenden Professor der Mathematik und der Ingenieurkunst, Hrn. John C. F. Salomon, gelungen ist einen neuen Motor zu erfinden; er hat für seine Maschine bereits ein Patent gelöst, da ihre praktische Anwendbarkeit durch Versuche hinreichend constatirt ist. Das Modell oder die Experimental-Maschine wurde von ihm in einem Hause in Cypreß-Alley, zwischen Pratt- und Lombard-Street, aufgestellt, wo sie seit mehreren Tagen ununterbrochen arbeitet; natürlich ist dieselbe als bloßes Modell noch nicht als vollkommen zu betrachten, sie arbeitet jedoch mit großer Regelmäßigkeit. Diese Maschine ist für vier Pferdekräfte berechnet, und der Form nach eine gewöhnliche, alternirend wirkende Dampfmaschine. Das Eigenthümliche derselben besteht in der Ersetzung des Dampfes als Motor durch eine Mischung von Schwefelkohlenstoff, Steinkohlentheer und flüchtigem Oele, welche mittelst Wärme in gas- oder dampfförmigen Zustand versetzt wird. Das zum Betriebe der Maschine verwendete Fluidum, dessen Kosten 10 Cents per Gallon betragen, wird nach seiner jedesmaligen Verdichtung mit kaum wahrnehmbarem Verlust immer wieder benutzt.“

„Der große Vortheil dieses Motors besteht in der mittelst desselben erzielten Ersparniß und Sicherheit. Eine Anzahl wissenschaftlich gebildeter Industriellen und praktischer Mechaniker war bei den Versuchen mit dieser Maschine anwesend, und diese Herren bezweifeln deren Erfolg gar nicht.“

Die Handelskrisis des vorigen Jahres, welche so manches Unternehmen scheitern machte, hat auch die Erfolge Salomon's ins Stocken gebracht. Jetzt ist derselbe nach New-York übersiedelt und mit Capitalisten in Verbindung getreten, um seine Erfindung in die Praxis einzuführen.

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