Titel: Ueber mineralische Kerzen und Oele, von John Barlow.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 8 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi04_8

Ueber mineralische Kerzen und Oele, von John Barlow.

John Barlow hielt in der Royal institution zu London einen Vortrag über die mineralischen Kerzen und die flüssigen mineralischen Kohlenwasserstoffe, welche in den großen Fabriken von Price's Candle-Company in Belmont und Sherwood unter der Leitung von Georg Wilson und nach dem Verfahren von Warren de la Rue fabricirt werden. Aus diesem Vortrage ist das Nachstehende am unten citirten Orte mitgetheilt.

Die Neuheit dieser Producte besteht in dem Rohmaterial, in dem Verfahren der Abscheidung aus demselben und in ihrer chemischen Zusammensetzung. Das Rohmaterial ist eine halbflüssige Naphtha, welche man aus in der Nähe des Flusses Irrawaddy in Birma gegrabenen Quellen gewinnt. Die Eingebornen von Birma verwenden diese Substanz zur Beleuchtung, zum Schutze des Holzes gegen Insecten, in der Medicin etc. In der Fabrik zu Belmont destillirt man zunächst die rohe Naphtha mittelst Dampf bei 100° C.; dabei geht ungefähr ein Viertel der Substanz über, welches aus einem Gemenge verschiedener Kohlenwasserstoffe besteht, die sehr schwer von einander zu trennen sind. Man unterwirft, um diese Trennung einigermaßen zu bewirken, das Destillat einer wiederholten 2- oder 3maligen Destillation und gewinnt dadurch verschiedene flüssige Kohlenwasserstoffe, deren Dichtigkeit von 0,627 bis 0,860 und deren Siedepunkt von 26,7 bis 200° variirt. Es sind sämmtlich farblose Flüssigkeiten, welche bei keiner Temperatur fest werden und den Kautschuk auflösen. Der Dampf des flüchtigsten derselben ist ein kräftiges anästhetisches Mittel; der leichteste dieser Kohlenwasserstoffe, welcher im Handel Oel von Sherwood heißt, hat ein kräftiges Reinigungsvermögen, indem er fettige Flecken aus Seide etc. wegnimmt, ohne selbst die zartesten Farben zu beschädigen; die schweren Kohlenwasserstoffe dienen zum Brennen in Lampen, wobei sie eine sehr glänzende weiße Flamme geben.

Der Rückstand von der Destillation des Rohmaterials, welcher etwa drei Viertel vom Gewicht desselben ausmacht, wird geschmolzen und durch Behandlung mit Schwefelsäure gereinigt. Die fremdartigen Stoffe setzen sich dabei als ein schwarzer Niederschlag zu Boden. Man zapft die Flüssigkeit von demselben ab, bringt sie in eine Blase und destillirt sie mittelst überhitzten Wasserdampfes, indem die Temperatur auf 150 bis 300° erhöht wird. Die bei dieser Destillation oberhalb der Temperatur von 220° erhaltenen Producte enthalten eine feste Substanz, welche dem Paraffin ähnlich ist und den Namen Belmontin erhalten hat. Diese Substanz dient zur Fabrication von Kerzen, welche sehr hell brennen, so daß eine solche Kerze, von denen 8 auf 1 Pfd. gehen, ein Licht von derselben Helligkeit gibt, wie eine Wallrath- oder Stearinkerze von 6 auf 1 Pfd. Die bei der Destillation gewonnenen flüssigen Producte eignen sich sehr gut zu Maschinenschmiere.

Was die chemische Constitution dieser Producte anbetrifft, so sind die Hauptbestandtheile Radicale der Aethyl- und zum kleinen Theile Radicale der Benzolreihe, |320| wogegen Kohlenwasserstoffe von der Zusammensetzung des ölbildenden Gases unter diesen Producten nicht vorhanden sind. (Cosmos, vol. XII p. 513, durch polytechnisches Centralblatt, 1858 S. 1033.)

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