Titel: Ueber den Niederschlag, den Cyankalium in Eisenoxydulsalzlösungen hervorbringt, von R. Fresenius.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 5 (S. 398–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi05_5

Ueber den Niederschlag, den Cyankalium in Eisenoxydulsalzlösungen hervorbringt, von R. Fresenius.

Beim Vermischen einer Eisenoxydulsalzlösung mit Cyankalium fällt bekanntlich ein gelbrother stockiger Niederschlag. Schon in der 1842 erschienenen Abhandlung von Haidlen und Fresenius ist angegeben, daß dieser Niederschlag sehr viel überschüssiges Cyankalium zu seiner Lösung erfordert, bei Zusatz von Kalilauge aber leicht und schnell zu Ferrocyankalium gelöst wird. Gmelin hat die Vermuthung ausgesprochen, daß derselbe vielleicht das wahre Einfach-Cyaneisen (FeC₂N) seyn möge.

|399|

Nach einer Untersuchung dieses Niederschlages, die der Verf. kürzlich vollendet hat, besteht dieser Niederschlag in Eisencyanür FeCy, dem aber stets Cyankalium, und zwar in veränderlichen Mengen beigemengt ist.

In einer Wasserstoffatmosphäre und bei 0° C. dargestellt, erscheint der flockige Niederschlag im ersten Augenblick roth, später gelb-orangeroth. Stellt man ihn dagegen in lauwarmer Flüssigkeit dar, so erscheint er blaßgelb. Läßt man auf den Niederschlag, ohne ihn aus der Wasserstoffatmosphäre zu bringen, reine Cyankaliumlösung einwirken, so nimmt man in der Kälte keine merkliche Lösung wahr, beim Erwärmen der Flüssigkeit löst sich derselbe dagegen auf, sobald auf 1 Aeq. FeCy mindestens 2 Aeq. KCy hinzugesetzt worden sind. Auf Zusatz von Kalilauge löst sich der Niederschlag leichter, die Lösung enthält dann Ferrocyankalium.

Der in der Wasserstoffatmosphäre ausgewaschene Niederschlag wird an der Luft rasch schön blau. Der so veränderte Niederschlag ist Eisenferrocyanid + Eisenoxydhydrat und enthält noch immer Kalium. Die Umwandlung wird durch folgendes Schema dargestellt:

9 FeCy + 3O = Fe₂O₃ + Fe₇Cy₉ = Fe₂O₃ + Fe₄Cy₃.

Läßt man bei Luftabschluß aus den ausgewaschenen Niederschlag luftfreie verdünnte Kalilauge wirken, so löst er sich unter Ausscheidung von Eisenoxydulhydrat zu Ferrocyankalium

(3 FeCy + 2 KO = 2 FeO + Cy₃Fe, 2 K).

Läßt man auf diesen Niederschlag verdünnte ausgekochte Schwefelsäure bei Luftabschluß einwirken, so wird er blau. (Annalen der Chemie und Pharmacie, Bd. CVI S. 210.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: