Titel: Anfertigung von Blättern aus Oelfarbe zur Benutzung als Unterlagen für Oelmalerei und Oeldruck; nach Pierre Poisson in Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 6 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi05_6

Anfertigung von Blättern aus Oelfarbe zur Benutzung als Unterlagen für Oelmalerei und Oeldruck; nach Pierre Poisson in Paris.

Der Genannte ließ sich am 6. Februar 1857 in England ein Verfahren patentiren, durch Trocknen von Oelfarben in dünnen Schichten Blätter oder Häute anzufertigen, die dazu bestimmt sind, nachher bemalt oder bedruckt und sodann an Mauern, Zimmerwänden etc. befestigt zu werden. Daß solche übertragbare Malerei unter Umständen vortheilhafte Anwendung finden kann, hat Dr. Beeg bereits in einem auch im polytechn. Journ. Bd. CXLV S. 140 mitgetheilten Aufsatz auseinandergesetzt. Nach Poisson geschieht die Anfertigung der Oelfarbeblätter folgendermaßen:

Man benutzt dabei eine Vorrichtung, welche im Wesentlichen aus einer horizontal liegenden Walze und einem darüber angebrachten nach Unten sich verjüngenden Troge besteht. Letzterer hat am unteren Ende eine spaltförmige, nach Bedarf enger oder weiter zu machende Oeffnung und kann höher oder niedriger gestellt werden. Mittelst eines Haspels wird ein Stück Gewebe straff ausgespannt über der Walze weggezogen, während aus der spaltförmigen Oeffnung des Troges die Masse, mit welcher das Gewebe überzogen werden soll, ausfließt, und durch eine hinter dem Troge angebrachte, ebenfalls der Höhe nach zu verstellende messerartige Klinge diese Masse auf dem Gewebe ausgebreitet und der Ueberschuß derselben zurückgehalten wird. Zuerst läßt man in dieser Weise eine Leimauslösung auf das Tuch fließen, so daß es davon durchdrungen wird. Es wird darauf durch Aushängen an die Luft getrocknet und sodann wieder unter dem Troge weggezogen, während eine aus Copal (?) und Wasser gemachte Flüssigkeit, welcher auch Eiweiß zugesetzt werden kann, aus demselben ausfließt. Nachdem es wieder getrocknet ist, läßt man es zum drittenmal unter einem andern Troge weggehen, welcher Oelfarbe enthält. Es wird dabei mit einer mehr oder weniger dicken Schicht von Oelfarbe überzogen, die man sodann trocknen läßt. Das in solcher Art mit einem Oelfarbeblatt überzogene Tuch breitet man auf einem Tische aus und klebt mittelst Kleister ein Stück Mousselin oder ungeleimtes Papier darauf, und zwar auf die mit der Oelfarbe überzogene Seite. Wenn der Kleister vollkommen getrocknet ist, kehrt man das Ganze um, so daß das Tuch nach oben zu liegen kommt, sprengt Wasser darauf und bewirkt durch |400| Reiben mit einem Schwamme, daß dasselbe das Tuch überall durchnäßt. In Folge dessen verliert dasselbe seinen festen Zusammenhang mit der Oelfarbeschicht, so daß diese sich nun davon abziehen läßt, zu welchem Zwecke man das Ganze zunächst wieder umkehrt. Das Oelfarbeblatt sitzt nun an dem Papier oder dem Mousselin fest und wird in diesem Zustand dem Maler übergeben. Während dieser sein Gemälde darauf anbringt, ist es ausgespannt, indem das Mousselin die Rückseite bildet und dem Blatt den nöthigen Halt gibt. Wenn das Gemälde fertig und vollkommen getrocknet ist, überklebt man die bemalte Seite mit Mousselin, macht dann die Rückseite mit einem Schwämme naß und zieht das Mousselin oder Papier von derselben ab. Die Farbehaut wird nun durch das an der vorderen Seite befindliche Mousselin gehalten und in diesem Zustande an dem Orte, welcher damit verziert werden soll, angebracht, indem man sie entweder an der betreffenden Wand, Mauer etc. mittelst eines Anstrichs von geeigneter Oelfarbe, den man derselben vorher gibt, festklebt oder auch mittelst eines Rahmens ausgespannt an derselben anbringt. Nachdem sie an ihrem Bestimmungsort befestigt ist, entfernt man das Mousselin welches sie an der vordern Seite überzieht, nachdem man dasselbe zuvor mittelst eines nassen Schwammes genügend befeuchtet hat.

Die in beschriebener Art hergestellten Farbeblätter eignen sich nach dem Patentträger auch sehr gut zum Bedrucken mit Oelfarbe, indem es bei ihrer Anwendung namentlich sehr leicht ist Rapport zu halten, so das selbst die Anwendung von 15 verschiedenen Farben beim Bedrucken keine wesentliche Schwierigkeit darbietet. Als Unterlage für diese Blätter hat man in diesem Falle nicht Mousselin, sondern Papier anzuwenden, welches nachher in der beschriebenen Weise wieder entfernt wird. Die bedruckten Oelfarbeblätter werden ebenfalls in der vorbeschriebenen Weise an Mauern etc. angebracht. (Repertory of Patent-Inventions, Januar 1858, durch polytechnisches Centralblatt, 1858 S. 894.)

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