Titel: Neue Methode zur Herstellung von erhabenen Holzornamenten; von Amies.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 2 (S. 463)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi06_2

Neue Methode zur Herstellung von erhabenen Holzornamenten; von Amies.

Das neue Verfahren zur Erreichung des in der Ueberschrift angedeuteten Zweckes ist im Wesentlichen folgendes: Man bringe die zu diesem Behufe eigens hergerichteten Furnüre von gewöhnlichem oder Lurusholz zwischen zwei Metallplatten (Matrizen), deren eine die Figur, welche man zu erlangen wünscht, in Relief darstellt, während die andere dieselbe Figur vertieft zeigt. Nachdem diese beiden Platten einer gelinden Wärme ausgesetzt werden, wird das Furnür zwischen denselben einer starken Pressung unterworfen, so daß es aus der Form genommen, auf einer seiner Flächen die Figur in erhabener Arbeit präsentirt und von einer wirklichen Sculptur in Holz kaum zu unterscheiden ist. Die Vertiefungen auf der anderen Fläche des Furnürs werden alsdann mit irgend einer plastischen Masse, wie z.B. Cement, Papiermache, ausgefüllt, und sobald dieselbe getrocknet und hinreichend geschliffen ist, braucht man das Furnür nur auf Möbel oder andere damit zu verzierende Gegenstände aufzuleimen.

In Nachfolgendem geben wir eine detaillirte Beschreibung des ganzen Verfahrens. Gesetzt, es würden 20 Sculptur-Imitationen aus Holz verlangt, alle nach demselben Modell, so nimmt man 20 Furnüre von der gewünschten Dimension, polirt sie auf der einen Seite, um alle Spuren der Sage oder sonstige Unvollkommenheiten zu beseitigen, und schleift die andere Seite mit Glaspapier. Nachdem dieß geschehen, bestreicht man die Rückseite jedes einzelnen Furnürs mit Leim, worauf ein Blatt Papier geklebt wird, und wartet alsdann, bis die Feuchtigkeit des Leims theilweise von dem Holze absorbirt worden ist. Während die Blätter noch feucht sind, bringt man sie einzeln zwischen die zwei Seiten der erwärmten Matrizen und unterwirft sie, wie bereits erwähnt, der Einwirkung einer Presse. In Folge der dem Holze durch den Leim mitgetheilten Feuchtigkeit macht die Hitze, wenn die Reliefpartie mit dem Papier in Berührung kommt, das Furnür zu einer bildsamen Masse, welche dem Drucke der erhabenen Platte leicht nachgibt und so allmählich die entsprechenden Vertiefungen der anderen ausfüllt. Man läßt das Furnür so lange Zeit zwischen den Matrizen, als nothwendig ist, um das Holz, den Leim und das Papier unter dem trocknenden Einflusse der Hitze der Matrizen vollkommen erhärten zu lassen. Alsdann herausgenommen, zeigt die polirte Fläche des Furnürs genau das Bild des Modells. Die übrigen Furnüre werden successive ganz in derselben Weise behandelt. Wenn die vertieften Theile noch mit irgend einem Kitt ausgefüllt worden, schreitet man zur Politur, worauf diese Sculptur-Imitationen zur Ornamentation auf Möbeln oder in anderer beliebiger Art verwendet werden können.

Schließlich sey noch bemerkt, daß der Leim und das Papier einem doppelten Zwecke dienen: Der erste besteht darin, die Furnüre in Folge der Einwirkung der Wärme in eine plastische Masse umzubilden, die sich den zu erlangenden verschiedenen Gestaltungen fügt, ohne zu spalten oder zu springen. Der zweite Zweck ist, auf der Rückseite der Furnüre eine diesen adhärirende und durch die Hitze erhärtende Substanz zu bilden, um jede Veränderung, wenn der Druck der Presse aufhört, zu verhindern. Die Erfahrung hat gelehrt, daß der gewöhnliche Mehlkleister sich am besten eignet, und daß ein Papier von der Dicke eines feinen Briefpapiers den Vorzug verdient. (Aus Armengaud's Génie industriel, durch die Würzburger Wochenschrift, 1858 S. 266.)

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