Titel: Ueber den Einfluß des Messingstaubes und des Schweinfurtergrüns auf die Gesundheit der Arbeiter; von P. de Pietra Santa.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 4 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi06_4

Ueber den Einfluß des Messingstaubes und des Schweinfurtergrüns auf die Gesundheit der Arbeiter; von P. de Pietra Santa.

Als Arzt im Besserungshaus der Magdalenerinnen in Paris hatte ich die beste Gelegenheit die Frage zu studiren, ob der Messingstaub schädlich ist. Im Erdgeschosse dieser Anstalt befindet sich nämlich eine wenig geräumige Werkstatt, worin durchschnittlich zwölf Arbeiter mit dem Abdrehen, Schleifen und Poliren messingener Handelsartikel, wie kleiner Schlösser, Nachtriegel, Thürknöpfe etc. beschäftigt sind. Beim Eintreten in diese Werkstatt wird man sogleich gewahr, daß feine und leichte Messingtheilchen herumflattern, welche glänzend aufsteigen und in einem leuchtenden Bogen niedersinken.

Ich unternahm zwei Reihen von Versuchen; die erste umfaßte die drei Jahre von 1852 bis 1854; die zweite erstreckte sich vom Juli 1855 bis zum Juli 1856. Die Details derselben sind in meiner der Akademie der Wissenschaften eingereichten Abhandlung enthalten. Diese Untersuchungen haben mich zu folgenden Schlüssen geführt:

1) der Mensch kann in einer mit Messingstaub beladenen Atmosphäre leben, ohne daß seine Gesundheit merklich leidet;

2) die Messing- oder Kupferkolik, wie sie von den Aerzten des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts beschrieben wurde, existirt nicht;

3) die prophylaktischen Mittel bestehen hauptsächlich darin, die Nahrungsmittel gegen den Messingstaub zu verwahren, sich vor der Mahlzeit sorgfältig die Hände zu waschen, und so oft als möglich Bäder zu nehmen.

Schweinfurtergrün. – In einem geräumigen und vollkommen gelüfteten Saal der erwähnten Anstalt sind beiläufig sechzig Arbeiter beschäftigt Papier mit Schweinfurtergrün zu färben, welches für kleine Laternen etc. in den Handel gebracht wird. Der Vorarbeiter reibt das Schweinfurtergrün in einer Schale mit Wasser an; ein Arbeiter trägt die Farbe mit einem groben Pinsel auf das Blatt weißen Papiers auf; ein anderer hängt dieses dann im Trockenzimmer auf; am folgenden Tage ertheilt ein Arbeiter mittelst der Pressung einer starken hölzernen Walze dem Papier den erforderlichen Glanz etc.

Ich habe diese Arbeiten während zweier Jahre mit Aufmerksamkeit verfolgt und die Kranken Tag für Tag untersucht. Meine Beobachtungen, welche in der von |465| mir der Akademie eingereichten Abhandlung zusammengestellt sind, haben mich zu folgenden Schlüssen geführt:

1) die Arbeiter welche das Papier mit Schweinfurtergrün überziehen oder bedrucken, sind einer eigenthümlichen Krankheit ausgesetzt;

2) diese Krankheit charakterisirt sich durch das Erscheinen von Bläschen, Pusteln und Geschwüren auf denjenigen Theilen, welche mit dem Farbstoff unmittelbar in Berührung kommen (Fingern und Zehen, Geschlechtstheilen und insbesondere dem Hodensack);

3) die Zufälle sind local und erstrecken sich nicht auf den Organismus, die Circulir- und Assimilirsysteme werden nicht gestört;

4) die erwähnten Wirkungen sind gar nicht gefährlich. Ihre Entwicklung kann durch prophylaktische Mittel gehemmt werden (häufige Waschungen, Bader, lederne Handschuhe, Theilung der Arbeit). Nachdem sich die Pusteln etc. eingestellt haben, kann man sie schnell durch eine specifische Behandlung bekämpfen (Abwaschen der kranken Theile mit Salzwasser, worauf man sie unmittelbar mit Calomel bestreut);

5) die erwähnten prophylaktischen Mittel, deren Wirksamkeit die Erfahrung erwiesen hat, müssen von den mit Schweinfurtergrün beschäftigten Arbeitern täglich angewendet werden. (Comptes rendus, August 1858, Nr. 8.)

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