Titel: Dritter Bericht über die photograpyisch-chemische Lehranstalt zu Jena.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 5 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi06_5

Dritter Bericht über die photograpyisch-chemische Lehranstalt zu Jena.

Dem photographischen Publicum und meinen zahlreichen wissenschaftlichen Freunden gegenüber halte ich es für meine Pflicht, von Zeit zu Zeit einen öffentlichen wahrheitsgetreuen Bericht über die fortschreitende Wirksamkeit meiner Lehranstalt zu geben. Der zweite Bericht erschien im vorigen Jahre in der dritten Auflage des weitverbreiteten, trefflichen Werkes von J. Krüger: „Vademecum des Photographen.“

Die Zahl der seit Gründung der Anstalt im Mai 1855 persönlich unterrichteten Photographen beträgt bis heute 29, worunter mehrere Ausländer (aus Rußland, Schweden und Norwegen). Weit größer ist die Zahl solcher, welche sich im Wege der (Correspondenz theils Belehrung erbaten, theils photographische Präparate (im engeren Sinn) geliefert erhielten.

Der ursprüngliche Zweck der Anstalt, daß sich womöglich junge Männer bei Erwählung ihres Lebensberufes der Photographie widmen und dieselbe nebst ihren Hülfswissenschaften gründlich studiren möchten, ist leider unausführbar geblieben und vielleicht erst der Zukunft vorbehalten. Die Ansprüche der in die Anstalt Eintretenden, welche, meist in reiferem Lebensalter, bisher einem anderen Berufe vorstanden, waren die, in möglichst kurzer Zeit eine oder mehrere photographische Methoden so weit praktisch gründlich zu erlernen, daß sie sofort ein Geschäft damit eröffnen konnten. Unter diesen Umständen betrug die Dauer des Unterrichtes 3–6 Wochen. Der Erfolg war trotz der oft heterogenen Individualität der Schüler doch stets ein solcher, daß sie den nöthigen sicheren Blick zum selbstständigen Weiterschreiten auf der goldenen Bahn der Praxis sich aneigneten und schon während ihres Unterrichtes anerkennenswerthe Proben ihrer Kunst ablegten. Das meist auch nach dem Austritt aus der Anstalt fortdauernde freundschaftliche oder Geschäftsverhältniß der Schüler mit Unterzeichnetem ist wohl ein ferneres Zeugniß für den Geist der Anstalt.

Von den in den letzten Jahren neu hinzugekommenen Unterrichtsgegenständen verdient besonders die Panotypie hervorgehoben zu werden, eine eben so interessante als schwierige Kunst, welche die Daguerréotypie in Europa fast vollständig verdrängt hat. Es sind nach meiner Anweisung darin schöne und sichere Resultate zu erreichen.

Die Taupenot'sche Methode auf trockenen Albumin-Collodium-Platten erfreute sich starker Nachfrage, weßhalb dieselbe tüchtig eingeübt wurde. Sie ist noch das sicherste von allen bis jetzt bekannten sogenannten „trocknen“ Verfahren, und deßhalb schon längst von mir ausschließlich angewendet. Ihre gebotenen Vortheile sind besonders auf photographischen Reisen ungemein groß, und die Sicherheit wie Schönheit der damit erzeugten Resultate läßt bei sorgfältiger Ausführung der Präparation |466| nichts zu wünschen übrig. Mir wurde bezüglich des dießjährigen Jubelfestes unserer Universität die Gelegenheit, in Kurzem gegen 20 verschiedene landschaftliche und architektonische Aufnahmen nach dieser Methode zu machen, deren Copien im Buchhandel zu haben sind. (Jena, F. Frommann.) Die präparirten Platten lassen sich leicht versenden.

Auch die allgemein gewordene Photographie auf feuchtem Collodium für Porträts erfuhr in meiner Anstalt mehrfache Verbesserung, namentlich durch die Combination verschiedener Hervorrufungsmittel, so daß die Copien der damit erhaltenen Negativs selten der Retouche und nur eines feinen Firnißüberzuges bedürfen. – So schließe ich denn meinen dießmaligen Bericht mit dem Wunsch, daß meine Unterrichtsanstalt – das erste, obgleich jetzt vielfach nachgeahmte Unternehmen dieser Art in Deutschland – sich des ferneren Vertrauens des photographischen Publicums zu erfreuen haben möge.

Jena, im September 1858.

Dr. J. Schnauß.

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