Titel: Ueber die Färbung der Glascylinder für Lampen, um von Oel- und Gasflammen ein weißes Licht zu erhalten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 6 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi06_6

Ueber die Färbung der Glascylinder für Lampen, um von Oel- und Gasflammen ein weißes Licht zu erhalten.

Die Glasfabrikanten nehmen zu Glascylindern für Lampen gewöhnlich reines weißes Glas. Das ist am geeignetsten, das Licht vollständig durchgehen zu lassen, und für schönes weißes Licht würden daher diese Gläser auch die geeignetsten seyn; allein die wenigsten Flammen von Oel und Leuchtgas geben ein weißes Licht, das meiste ist gelblich, grünlich und dergl., und dieser Umstand trägt nicht wenig bei, den Glasflammen und Oelflammen den Eingang überall zu versperren, wo man auf weißem Licht besteht.

Wir brauchen hier nur Andeutungen zu geben, um die Leser sogleich alle Folgerungen aus der Anwendung von gefärbten Flammen ziehen zu lassen.

Ein Tanzsaal, Concertsaal, ein Theater, jeder ähnliche Saal für größere Versammlungen gewinnt nach der verschiedenen Beleuchtung ein verschiedenes Ansehen. Die Farben der Kleider wechseln; was gelb oder grünlich war, wird scheinbar weiß) helle Farben dunkeln; grelle Farben werden mild; matte Farben schmutzig; alle weiße Wäsche verliert ihren Glanz und was das ärgste ist, die Hautfarbe verliert ihr wahres Aussehen, so daß in einem Saal mit mißfarbigem Lampenlichte die ganze Versammlung krank aussehen kann. Wir sehen das an unseren Schauspielern, die sich färben und schminken müssen, wollen sie leidlich aussehen, und so zum Opfer schlechten Lichtes werden.

Und doch gibt es ein einfaches Mittel, das mißfarbige Lampenlicht zu verbessern – das liegt in der Anwendung geeigneter Glascylinder und Glaskugeln, in welche man die Flammen einschließt.

Ein bläulicher Glascylinder aus England, den wir dieser Tage in einer interessanten Sammlung des Hrn. Dr. Pohl am Polytechnicum in Wien gefunden haben, veranlaßt uns im allgemeinen Interesse aller, welche sich nicht der weißen Wachsflammen bedienen können, darauf aufmerksam zu machen und in besonderem Interesse der Glasfabrikanten, diese daran zu mahnen, die völlig farblosen Glascylinder bei Seite zu lassen und Cylinder und Glaskugeln von bläulicher111) oder solcher Farbe einzuführen, welche eine gefärbte, Flamme, wohin fast alle Oel- und Gasflammen gehören, in ein weißes Licht verwandeln.

|467|

Die Leuchtgasanstalten, die man ihres farbigen Lichtes wegen oft hart angreift, werden in vielen Städten die Einwohner am ehesten zufrieden stellen, wenn sie auf diesen Kunstgriff achten, um dessen willen man ihnen oft eine schwächere Flamme weniger übler anrechnen wird.112) Die Engländer haben auch oft schlechtes Leuchtgas, aber besseres Laternenglas und nach dem Gesetz der Farbenlehre zubereitete Glascylinder, die unseren Fabrikanten zum Vorbilde dienen können. (Stamm's illustrirte Wochenschrift, 1858 S. 125; Böttger's polytechn. Notizblatt, 1858, Nr. 11)

|466|

Da Violett die Complementärfarbe von Gelb ist und in fast allen unseren Oel- und Gasflammen meist nur das Gelb oder Röthlichgelb vorherrscht, so dürfte zur Ergänzung dieser letzteren Farben zu Weiß die Anwendung von bläulich oder schwach violett gefärbten Lampencylindern vorzugsweise zu empfehlen seyn. Böttger.

|467|

In Schmuck- und Kleiderläden dürften bläulich oder violett gefärbte Lampencylinder besonders einen guten Effect hervorbringen. Böttger.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: