Titel: Wilder, über verbesserte Güterzug-Locomotiven.
Autor: Wilder, R. A.
Fundstelle: 1858, Band 150, Nr. I. (S. 1–3)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj150/ar150001

I. Beschreibung der mit Steinkohlen gefeuerten Güterzug-Locomotiven, welche auf der Mine-Hill- und Schuylkill Haven-Eisenbahn in den Vereinigten Staaten benutzt werden; verbessert von R. A. Wilder, Oberingenieur der genannten Bahn, und ausgeführt von W. Baldwin und Comp.

Von Hrn. Wilder aus dem Journal of the Franklin Institute mitgetheilt.

Mit einer Abbildung auf Tab. I.

A, Fig. 8, ist ein Apparat zum Reinigen des Rostes der Steinkohlenfeuerung durch die Kraft der im Betriebe befindlichen Locomotive. Derselbe ist unter den Roststäben so angebracht, daß die Enden seiner Zähne oder Finger stets zwischen jenen Stäben stehen, aber nie in das Feuer hineinreichen. Haben sich Cinders und Asche auf dem Rost so angehäuft, daß der Zug gehemmt wird, so zieht der Heizer den Hebel a in den Einschnitt zurück, wodurch die Zähne des Apparates in die Roststäbe gehoben werden, und zu gleicher Zeit wird derselbe in Betrieb gesetzt, in dem man ihn mit einem Excentricum verbindet, welches auf einer der Treibachsen der Maschine angebracht ist. Ist der Rost nach dieser, nur wenig Zeit erheischenden Operation gereinigt, so wird der Hebel wieder frei gemacht und der Reinigungsapparat sinkt in seine frühere Stellung zurück.

Diese Verbesserung setzt den Heizer in den Stand, ohne alle Anstrengung den Rost frei von Cinders und Asche zu halten, so daß die Maschine nicht angehalten zu werden braucht um das Feuer neu herzurichten, was bisher bei der Anwendung von Anthracitkohlen der Fall war.

B ist eine einfache Vorrichtung zum Reguliren der in den Kessel zu bringenden Speisewassermenge, was durch einen Zweiweghahn und eine Ueberfließröhre bewirkt wird. Die Speisepumpe arbeitet immer, wenn die Maschine in Bewegung ist; bei der in der Abbildung angegebenen Stellung des Hebelarms, welcher den Hahn bewegt, strömt das Wasser in den Kessel. Dadurch, daß man die Stange b zurückzieht, wird die |2| Ueberfließröhre geöffnet, und in Folge des Dampfdruckes im Kessel muß das Wasser in den Tenderkasten zurücktreten. In dem man nun den Hahn in einer Stellung zwischen den beiden angegebenen wirken läßt, kann man den Kessel mit einem beliebigen Theil des Wassers speisen, und der Rest geht durch die Ueberfließröhre in den Tender zurück. Mittelst dieser Anordnung läßt sich eine sehr gleichförmige Kesselspeisung unterhalten, und bei kalter Witterung wird das Einfrieren der Pumpe verhindert.

C ist ein Speisewasser-Erwärmer und Funkenaufhalter für die Locomotive; er besteht aus einem äußern Gehäuse, welches die Basis der Esse bildet, aus einem Wasserkessel, welcher 15 bis 20 Gallons enthält, und aus einem Netz von grobem Draht, welche sämmtlich concentrisch, jedoch weit genug von einander angebracht sind, um einen starken Zug zu sichern. Die parallelen punktirten Linien bezeichnen das Wassergefäß, dessen senkrechter Theil in den Rauchkasten hinabreicht. Die punktirten Linien innerhalb zeigen den Funkenaufhalter, der an einer gewölbten Platte befestigt ist, welche über dem Wassergefäß angebracht ist und den äußern Zug mit dem innern verbindet. Der enge Theil des Funkenaufhalters ist auf solche Weise über dem Ausblaserohr angebracht, daß die Funken aufgehalten werden, der ausgeblasene Dampf aber durch die offene Esse in die freie Luft gelangen kann. Diese Verbesserung ist einfach und dauerhaft, denn sie erfordert nur wenig Reparaturen, bloß die Drahtgaze muß beiläufig einmal jährlich erneuert werden.

D ist eine Vorrichtung zur beliebigen Steigerung und Verminderung der Wirkung des ausgeblasenen Dampfes. Sie besteht aus einer kurzen geraden Röhre, welche bleibend am obern Ende der Heizkammer befestigt ist und aus einer andern, gleich langen Röhre, welche darüber verschoben werden kann. An einer Seite dieser Vorrichtung ist ein leichter eiserner Ständer angebracht, hoch genug, um die äußere Röhre hinreichend aufwärts zu schieben. Dieser Ständer ist oben und unten mit einer Rolle versehen; an dem untern Ende der äußern Röhre ist ein dünnes Drahtseil befestigt, welches zuerst über die obere und dann über die untere Rolle geht und von da zu einer kleinen Winde am vordern Ende des Kessels, die dem Heizer leicht zugänglich ist. Die äußere Röhre ist dem Drahtseil gegenüber mit einer Frictionsrolle versehen, um ihr Schwanken beim Aufziehen zu verhindern. Soll der Zug verstärkt werden, so zieht der Heizer die Röhre durch Drehen der Winde in die Höhe und befestigt sie durch eine Sperrklinke, damit sie nicht wieder niedergehen kann, bis die Kohle vollkommen in Gluth ist. Nachdem die Dampferzeugung eine genügende und die Feuerung im guten Zuge ist, wird die Röhre in ihre frühere |3| Stellung niedergelassen. Man ersteht hieraus, daß man der Röhre oder Esse jede beliebige Stellung zwischen der niedrigsten und höchsten geben und den Zug nach Erforderniß des Betriebes reguliren kann.

Diese Einrichtung ist vortheilhafter als die gewöhnliche, wobei die Oeffnung des Ausblaserohres zur Regulirung des Zuges vergrößert oder verkleinert wird; die neue Vorrichtung hat nämlich keinen Einfluß auf die Wirkung des Cylinders, und eben so wenig auf den senkrechten Abfluß des entweichenden Dampfes, überdieß kann sie nicht in Unordnung kommen und läßt sich leicht repariren oder erneuern.

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