Titel: Nischwitz's Vorrichtung zum Gießen von Rädern für Eisenbahnwagen mit harten Reifen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 150, Nr. V. (S. 11–13)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj150/ar150005

V. H. Nischwitz's Vorrichtung zum Gießen von Rädern für Eisenbahnwagen mit harten Reifen.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Es sind sehr häufig und meist verfehlte Versuche gemacht worden, die Räder für Eisenbahnwagen so zu gießen, daß die Reife gleichmäßig hart sind, und je härter die Reife gemacht werden können, desto besser. Daß Eisenguß, wenn er schnell abgekühlt wird, vollkommen hart wird, ist allbekannt, es ist aber nie gelungen, den Reif eines Rades gleichmäßig hart herzustellen, ohne dessen Haltbarkeit zu beeinträchtigen und ohne die Härte auch auf die Nabe auszudehnen, welche der Arbeit wegen, die damit vorgenommen werden muß, nicht hart seyn darf. Und wenn der Reif bloß an einzelnen Stellen hart, an andern dagegen wieder weicher ist, so ist nichts gewonnen, weil sich die weichen Stellen früher ausnützen als die harten, wodurch das Rad ganz unrund wird. Bis zu einem gewissen Grad hängt die Härte des Eisens auch von dem Gehalt an Kohlenstoff ab, und es kann daher auch durch die Auswahl der richtigen Mischung etwas gewonnen werden.

Die in unseren Abbildungen gegebene Vorrichtung besteht darin, die Gußform auf eine drehbare, verticale Achse zu stecken, so jedoch daß die Achse, während sie gedreht wird, zugleich geneigt werden kann, so daß ein gegossenes Metall gegen den Rand hingetrieben wird. Dieß bietet den Vortheil, daß der Radreif aus härterer Mischung gegossen werden kann, |12| als der innere Theil des Rades, und daß sich dieser Reif schneller abkühlt, als wenn die ganze Masse des Eisens auf einmal eingegossen wird.

Fig. 24 stellt eine Seitenansicht der Vorrichtung theilweise im Durchschnitt dar.

Fig. 25 ist eine vordere Ansicht derselben, mit der Gußform im Durchschnitt.

Gleiche Buchstaben in beiden Figuren beziehen sich auf dieselben Theile der Maschine.

In einem hölzernen Gestell A von gehöriger Höhe und Stärke ist eine verticale Achse B so angebracht, daß sie vermittelst eines Räderwerkes C, C und einer horizontalen Achse D, welche letztere durch irgend eine Kraft in Bewegung gesetzt wird, gedreht werden kann. Diese Achse B trägt eine Plattform E, welche vermittelst einer an der Achse festen Scheibe a durch Schrauben fest damit verbunden ist, und auf dieser Plattform wird die Gußform F durch die Haken b, b, b befestigt. Die Gußform ist auf gewöhnliche Art eingerichtet, und besteht aus zwei eisernen Rahmen, welche durch in einander passende Ränder und Anschläge sicher zusammenpassen und gerade groß genug sind, um das zu gießende Modell aufzunehmen. Der obere Rahmen ist mit dem Mundstück G versehen, durch welches das geschmolzene Metall eingegossen wird.

Der untere Theil der Achse B ist durch einen Stift c geführt, um welchen sie sich nach einer Richtung hin drehen kann, wie dieß in Fig. 25 vorgestellt ist. Dieser Stift liegt genau in der Drehungsachse der horizontalen Achse D, so daß durch eine Neigung der Achse B der Eingriff des Räderwerkes C, C nicht gestört wird. Weiter oben bei d ist die Achse eingedreht, und durch ein Lager H geführt, welches sich in einer vom Mittelpunkt des Stiftes c beschriebenen, kreisförmigen Bahn I verschiebt und führt. Die obere Seite dieser Bahn ist mit Hähnen versehen, in welche ein kleines Zahnrad J eingreift, welches sich auf einer mit dem Lager H fest verbundenen Achse e dreht. Eine Rolle K steckt auf derselben Achse und ein Seil L ist von dieser Rolle über zwei andere Rollen M, M geschlungen, welche am Gestelle A fest sind. Das Drehen der Achse e, welche zu diesem Zweck mit einer Kurbel versehen ist, hat ein Anspannen des Seils und ein entsprechendes Neigen der Achse B zufolge.

Die Operation geschieht folgendermaßen:

Das Modell wird in der Form abgedruckt, so lange dieselbe von der Achse entfernt ist, so daß dabei nichts außergewöhnliches zu beobachten ist, und um das Hin- und Hertragen derselben zu erleichtern, ruht der untere Theil der Form auf einer besondern mit Vorsprüngen versehenen Unterlage. Wenn nun Alles in Richtigkeit ist, wird die Form mit sammt |13| der Unterlage auf der Plattform E befestigt und das flüssige Metall eingegossen, und zwar wird zuerst nur wenig von der harten Mischung eingegossen, gerade genug um den Reif zu bilden, wobei die Form in fortwährender Drehung erhalten und die Neigung der Achse beständig verändert wird. Die Praxis muß lehren, wie lange diese Operation fortgesetzt werden muß, um den Reif vollständig zu bilden. Ist dieß geschehen, so wird das weichere Metall eingegossen, wobei die Form in horizontaler Stellung erhalten wird und kein Drehen der Achse mehr nöthig ist, da durch die Bewegung das Abkühlen des Eisens beschleunigt wird. Diese Vorrichtung ist die Erfindung des Hrn. Heinrich Nischwitz in New-York und wurde im December vorigen Jahres in den Vereinigten Staaten patentirt.

W. Hauff in New-York.

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