Titel: Gebläsemaschinen mit Taucherkolben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 150/Miszelle 2 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj150/mi150mi01_2

Gebläsemaschinen mit Taucherkolben.

Nach den Annales des mines, 3. Lieferung von 1857, macht man jetzt vielfach von Gebläsemaschinen Gebrauch, welche sich durch einen Taucherkolben (ähnlich dem Plunger bei den Druckpumpen) von den gewöhnlichen Cylindergebläsen unterscheiden und den Vorzug gewähren, daß der Cylinder nicht ausgebohrt zu seyn braucht, daß man nur einer einzigen Liderung bedarf, während die Cylindergebläse mit Balancier deren zwei, solche mit horizontalen Cylindern aber sogar drei Liderungen nöthig haben, daß man ferner diese Liderung ganz unter den Augen hat, und bequem nachstellen und schmieren kann, endlich, daß man bedeutend an Betriebskraft gewinnt. Diese Gebläsemaschinen sind in der Hauptsache nichts Anderes, als einfach wirkende Druckpumpen, von denen mehrere zugleich von einer darüber liegenden Welle aus mittelst Excentrics bewegt werden. Im Boden der Cylinder befinden sich die Saugventile und die nach der Windleitung führenden Austrittsventile. Ein Regulator kann erspart werden, wenn man drei oder vier Gebläsecylinder anwendet. In Haraucourt hat jeder Plungerkolben 0,64 Meter Durchmesser und 0,5 Meter Hub, so daß bei 60 Spielen pro Minute 10 Kubikmeter Luft comprimirt werden. Später erhöhte man die Zahl der Cylinder auf 6 und verringerte dagegen die Zahl der Spiele auf 40 pro Minute. Bei 4 Cylindern ist die Luftpressung so constant, daß das Quecksilbermanometer fast gar keine Schwankungen zeigt, auch ist die Bewegung so regelmäßig, daß man keines Schwungrades bedarf. Die vermehrte Anzahl der Cylinder und der Umstand, daß sie unabhängig von einander sind, gewährt noch den Vortheil, daß beim Unbrauchbarwerden eines Cylinders keine so |74| große Störung eintritt, als wenn man bloß einen oder zwei Cylinder hat. Hält man übrigens einige Wechselstücke, so kann man alle Reparaturen sehr verkürzen. Unsere Quelle enthält keine genaue Bestimmung des Wirkungsgrades, doch läßt sich aus folgenden Angaben aus einen Nutzeffect von 75 Proc. schließen. Die Dampfmaschine, welche das Gebläse treibt, arbeitet nämlich angeblich mit 6. 22 Pferdekräften; das Gebläse liefert dann Wind genug für einen Hohofen durch 2 Düsen von 4 Centimeter Weite, unter 5 Centimeter Quecksilbersäule und bei 300° C. Wärme, ferner kalten Wind für einen Cupolofen durch 2 Düsen von 3,5 Centimeter Weite und unter gleicher Pressung. Nun berechnet sich nach der d'Aubuisson'schen Formel Q = 4,546,800 d²hh, worin der Durchmesser d und die Manometerhöhe h in Metern gemessen sind, die Leistung des Gebläses zu 4,7 Pferdekräften, was 75 Proc. der Betriebskraft ist, während die besten Cylindergebläse nur 50 Proc. Nutzeffect geben. Ebenso vortheilhaft wird sich diese neue Gebläsemaschine zur Ventilation von Gruben verwenden lassen. (Aus dem „Civilingenieur,“ 1858, Bd. IV.)

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