Titel: Ueber den Farbstoff des Weins, von Glénard.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 150/Miszelle 7 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj150/mi150mi03_7

Ueber den Farbstoff des Weins, von Glénard.

Um den Farbstoff des Weins abzusondern, vermischt man den Wein mit einer Lösung von basisch-essigsaurem Bleioxyd, welche darin einen blauen Niederschlag hervorbringt, den man mit destillirtem Wasser wäscht. Man trocknet den Niederschlag bei 100 bis 110° C., zerreibt ihn zu Pulver und behandelt dieses in einem Verdrängungsapparat mit wasserfreiem Aether, welcher mit trockenem Salzsäuregas gesättigt wurde. Beim Zusammenkommen mit dieser Flüssigkeit verwandelt der Niederschlag seine blaue Farbe in Roth. Man nimmt von dem sauren Aether nicht mehr als nöthig ist, damit die darin enthaltene Salzsäure das Bleioxyd des Niederschlages in Chlorblei verwandle Der abfließende Aether hat eine braungelbe Farbe und eine saure Reaction. Man wäscht mit reinem Aether, bis derselbe ohne saure Reaction abfließt. Dieses Waschen muß vollständig zu Ende geführt werden, wenn die Darstellung des Farbstoffes gelingen soll. Durch Verdunsten der ätherischen Flüssigkeit kann man verschiedene Substanzen, namentlich Weinsteinsäure, Gerbsäure, eine krystallisirbare und schmelzbare und ohne Zersetzung flüchtige Säure, eine braune fettige und eine wachsartige Substanz erhalten, auf welche der Verf. in seiner Abhandlung nicht näher eingeht.

Der mit Aether gewaschene Niederschlag wird an der Luft getrocknet und sodann in einem Kolben mit Alkohol bei 36° C. digerirt. Der Alkohol nimmt dabei alsbald eine intensive und schöne rothe Farbe an, während der unlösliche Theil die Farbe verliert. Man filtrirt denselben ab, bringt die Flüssigkeit in eine Retorte, und destillirt im Wasserbade, bis nur noch ganz wenig Flüssigkeit übrig ist. worauf man erkalten läßt und den Rückstand aus der Retorte mit seinem 24 bis 25fachen Volum destillirtem Wasser vermischt. Wenn das Waschen mit Aether in der Art geschah, |236| daß die Säuren vollständig entfernt wurden, so scheidet der Farbstoff sich hierbei fast vollständig als rother stockiger Niederschlag ab, da er in Wasser kaum löslich ist. Wenn aber noch Sauren vorhanden sind, so bleibt ein Theil des Farbstoffes aufgelöst und färbt die Flüssigkeit mehr oder weniger dunkelroth. Man sammelt den ausgeschiedenen Farbstoff auf einem Filter und wäscht ihn mit destillirtem Wasser, wodurch nur wenig verloren geht, da das Wasser kaum sich schwach röthlich färbt.

Der so erhaltene Farbstoff des Weines ist im feuchten Zustande, dunkelbraunroth und erscheint noch dem Trocknen in Masse fast schwarz. Zerreibt man ihn aber zu Pulver, so zeigt er eine schöne violettrothe Farbe; trocknet man ihn bei 100 bis 120° C aus. so ist er nachher braunroth. In kaltem Wasser ist er kaum, in warmem Wasser etwas mehr und in Alkohol ziemlich leicht löslich. Durch eine verhältnißmäßig sehr geringe Menge des Farbstoffs kann man dem Alkohol eine schöne carmoisinrothe Farbe ertheilen. Dieser Farbstoff, welchen der Verf. Oenolin nennt, hat die Zusammensetzung C₂₀ H₁₀ O₁₀. Er verbindet sich mit Basen, namentlich mit Bleioxyd, wobei 1 Atom Wasser austritt, so daß die Bleiverbindung aus PbO, C₂₀ H₉ O₉ besteht. (Comptes rendus, t. XLVII p. 268.)

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