Titel: Ueber die Bereitung von schwefelsaurer Thonerde und Wasserglas aus Passauer Thon; von Christ. Bergeat in Passau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 150/Miszelle 3 (S. 394–395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj150/mi150mi05_3

Ueber die Bereitung von schwefelsaurer Thonerde und Wasserglas aus Passauer Thon; von Christ. Bergeat in Passau.

In der Passauer Gegend finden sich große Lager eines Kaolins, der sich durch seine ungemein leichte Zersetzbarkeit mit Schwefelsäure auszeichnet, wobei sämmtliche Kieselsäure im löslichen Zustande abgeschieden wird. Hierdurch empfiehlt sich dieser, zugleich ziemlich eisenfreie Thon als ein vortreffliches Material zur Bereitung schwefelsaurer Thonerde und eines zu vielen Anwendungen geeigneten Wasserglases. |395| Die überraschende Leichtigkeit, mit welcher Schwefelsäure aus diesem Kaolin die Thonerde sich aneignet, kann aber leicht übersehen werden, denn wendet man die Säure in der Meinung, ihre Reaction nicht zu schwächen, im concentrirten Zustande und den Kaolin als Pulver an, so erfolgt die erwartete Zersetzung nicht, sondern es wird nur so viel schwefelsaure Thonerde gebildet, als der Quantität Wasser angemessen ist, welche dieses Salz bei seiner Entstehung mit in Verbindung nehmen kann. Die besseren Stücke dieses Kaolins, aus einem feuchten Magazin genommen, enthalten mit Weglassung der hier nichtssagenden Bruchtheile 31 Proc. in Schwefelsäure lösliche Thonerde nebst wenig Eisen, 34 Proc. in Natronlauge auflösliche Kieselsäure, 8 Proc. Unlösliches, 27 Proc. Wasser. Wird das Pulver solcher Stücke mit gleichviel concentrirter Schwefelsäure behandelt, welche durch die vorhandene Thonerde mehr als gesättigt werden könnte, so bleibt auch nach längerem Erhitzen das Gemisch äußerst sauer; fügt man aber gleichzeitig auch eben so viel Wasser hinzu oder wird der pulverförmige Koalin zuerst mit Wasser zu einem Brei angemacht, so ist, durch Erwärmung unterstützt, schon nach einigen Minuten die Zersetzung vollendet. Die anfangs sehr flüssige Masse quillt auf, wird süß und seifenartig fest und liefert nach dem Auslaugen und Abdampfen 240 Proc. Waare, die nahe 12 Proc. reine Thonerde enthält und sich in Wasser ohne Trübung oder Färbung wieder vollständig auflöst. Erst nach mehrmonatlicher Aufbewahrung dieses Salzes, wobei, wenn das Local trocken ist, so viel Wasser verdunstet, daß eine circa 14 Proc. Thonerde enthaltende Waare zurückbleibt, zeigt die Auflösung eine geringe flockige Trübung, die wahrscheinlich von Kieselsäure herrührt, vielleicht aber nichts anderes als eine Spur organischer Materie ist.

Bei einem Versuch im Großen, der 142 Pfund englische Schwefelsäure in Anspruch nahm, wurde die Zersetzung in einem hölzernen Bottich vorgenommen und der von gröberen Beimengungen befreite zu einem Brei angerührte Thon mit der Säure vermengt. Die hierbei sich entwickelnde Wärme war mehr als hinreichend, die Reaction zu vollenden, und das Gemisch, welches sich indessen auffallend ausgedehnt hatte, konnte schon nach 18 Stunden ausgelaugt werden. Aus dem erhaltenen Rückstand ließ sich das Feinere von dem sandigen Theil durch Abschlämmen sehr leicht trennen und bis auf einen kleinen Rest unzersetzter Erde in Natronlauge zu einer Wasserglasflüssigkeit lösen.

Bei dieser Gelegenheit dürfte eine Eigenthümlichkeit des erwähnten leicht zersetzbaren Koalins nennenswerth seyn, welche andere hier vorkommende weiße Thone nicht zeigen. Setzt man nämlich kleine Stückchen dieses Kaolins, welche im wasserfreien Zustande 43 Proc. Thonerde nebst Eisen, 47 Proc. Kieselsäure und 10 Proc. Unlösliches enthalten, auch Monate lang der directen Sonnenwärme im Sommer d.h. einer bei 40° R. sich haltenden Temperatur, aus, so verlieren diese beim Glühen noch 17 bis 18 Proc. Wasser. Erst bei anhaltender Einwirkung einer Temperatur von 80° R. findet eine solche Austrocknung statt, daß beim Glühen nur noch 12 bis 13 Proc. Wasser ausgetrieben werden. Die anderen Thone, welche gleichzeitig der Sonnenwärme ausgesetzt worden waren, erlitten bei 80° keinen namhaften Wasserverlust mehr und die zurückbehaltene Quantität erhob sich bei weitem nicht auf 17 Proc. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1858, Nr. 16.)

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