Titel: Ueber das Rhamnoxantin, den Farbstoff des Faulbaums; von T. L. Phipson.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 150/Miszelle 10 (S. 435)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj150/mi150mi06_10

Ueber das Rhamnoxantin, den Farbstoff des Faulbaums; von T. L. Phipson.

Der Verf. hat den früher bereits von Buchner in der Wurzelrinde des Faulbaums (Rhammus frangula) aufgefundenen, mit dem Namen Rhamnoxantin belegten Farbstoff (s. polyt. Journal Bd. CXXX S. 77) auch in den Zweigen des Faulbaums, und zwar in dem Bast und den Gefäßen der Markhülle, aufgefunden und in reinerem Zustande dargestellt. Um ihn ganz rein zu erhalten, bringt man die Faulbaumzweige in Schwefelkohlenstoff und läßt sie 3 bis 4 Tage lang darin verweilen, wobei der Schwefelkohlenstoff den Farbstoff auflöst. Man läßt nachher den Schwefelkohlenstoff von der Flüssigkeit abdunsten, und behandelt den Rückstand mit kaltem Alkohol, welcher den Farbstoff auflöst und ein braunes Fett zurückläßt. Der Alkohol wird wieder verdunstet und der Rückstand in Aether aufgelöst, den man sodann freiwillig wieder verdunsten läßt, wobei man das Rhamnoxantin in kleinen glänzenden goldgelben Krystallen erhält. Es ist, wie Buchner bereits angegeben hat, flüchtig und kann auch durch Sublimiren aus dem mit Weingeist oder Schwefelkohlenstoff bereiteten Extract der Faulbaumzweige gewonnen werden. Es verwandelt sich beim Erhitzen in einen gelblichen Dampf von angenehmem Geruch, welcher sich beim Erkalten zu Krystallen verdichtet. Es ist unlöslich in Wasser und den meisten Säuren und Salzen, löslich dagegen in Alkalien, Aether, Alkohol und Schwefelkohlenstoff. Aus der Lösung in den drei letztgenannten Stoffen wird es durch Wasser niedergeschlagen. Ammoniak löst es zu einer prächtig Purpurroth gefärbten Flüssigkeit auf; Kali und Natron verhalten sich fast ebenso. Die Verbindungen des Rhamnoxantins mit den Alkalien sind in Wasser, Alkohol und Aether löslich, aber unlöslich in Schwefelkohlenstoff. Säuren zersetzen dieselben und stellen den ursprünglich gelben Farbstoff wieder her, Gießt man auf Rhamnoxantin concentrirte Schwefelsäure, so nimmt es eine schöne smaragdgrüne Farbe an, welche aber bei längerer Einwirkung der Schwefelsäure sich weiter verändert; es entsteht dabei ein sehr beständiger grüner Körper, welcher, wie der Verfasser meint, dem sogenannten chinesischen Grün ähnlich oder gleich sehn könnte. Mit unlöslichen Basen kann das Rhamnoxantin sich verbinden und damit rothe, braune oder gelbe Lackfarben bilden. Es verbindet sich leichter mit Seide und Wolle als mit Baumwolle; auf Seide erhält man ein schönes Goldgelb, indem man dieselbe in einem aus Faulbaumzweigen mit ammoniakalischem Wasser bereiteten und darauf mit Citronensäure angesäuerten Auszug färbt. Auf Wolle erhält man mit dem Rhamnoxantin leicht eine braunrothe oder gelbe Farbe, ohne daß eine Beize angewendet wird. (Comptes rendus, t. XLVII p. 153, durch das polytechn. Centralblatt, 1858 S. 1515.)

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