Titel: Verfahren zur Anfertigung künstlichen Leders, nach W. E. Newton.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 150/Miszelle 7 (S. 432–433)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj150/mi150mi06_7

Verfahren zur Anfertigung künstlichen Leders, nach W. E. Newton.

W. E. Newton ließ sich am 26. Januar 1858 als Mittheilung ein Verfahren in England patentiren, künstliches Leder anzufertigen, d.h. ein Fabricat welches zu Sohlen für Schuhe und Stiefel, zu Kofferdecken, Reisetaschen, Mützenschirmen, |433| Kutschdecken, Pferdegeschirr, Treibriemen etc. benutzt werden kann. Dieses Fabricat wird im Wesentlichen dadurch erzeugt, daß man Baumwolle oder einen andern Faserstoff im gewebten oder nicht gewebten Zustand mit einer aus Leinöl bereiteten Masse imprägnirt und bedeckt. Um diese Masse herzustellen, bringt man Leinöl in einen Kessel, erhitzt es zum Kochen und setzt dann unter Umrühren pulverförmig gebrannte Umbra, von welcher man auf 1 Gallon des Oels etwa 3 Pfund verwendet, hinzu. Man läßt die Mischung dann, indem man sie dabei häufig umrührt, um die Umbra mit dem Oel gemischt zu erhalten und das Anbrennen des Oels zu verhüten, ferner kochen. Das Kochen wird möglichst gelinde 12 bis 24 Stunden lang oder überhaupt so lange fortgesetzt bis eine herausgenommene Probe der Masse nach dem Erkalten sich zwischen den Händen oder zwischen dem Daumen und einem Finger ausrollen läßt, ohne sich anzuhangen oder sich klebrig anzufühlen. Wenn die Masse diesen Zustand angenommen hat, kann sie entweder sofort auf dem Faserstoff angebracht oder auch erkalten gelassen werden, in welchem letzteren Falle man sie bei der Anwendung wieder erhitzen muß.

Um künstliches Leder anzufertigen, legt man ein Stück Kattun oder sonstiges geeignetes Gewebe auf eine hohle eiserne Platte, die durch hineingeleiteten Dampf erhitzt wird, trägt mittelst einer Kelle oder eines andern geeigneten Werkzeugs die Leinölmasse darauf und breitet sie gleichmäßig über der ganzen Fläche des Zeugs aus, erst auf der einen und dann auf der andern Seite desselben. Ist auf diese Weise der Zweck, das Zeug mit der Leinölmasse, die durch die Hitze der eisernen Platte weicher wird, zu imprägniren, erreicht, so läßt man, während dasselbe noch auf der Eisenplatte liegt, eine schwere Metallwalze darüber hingehen, oder nimmt es von der Platte weg und läßt es zwischen zwei Walzen hindurch passiren, so daß es möglichst glatt wird. Das so erzeugte Fabricat wird 24 Stunden lang in einen auf 100 bis 130º F. (30 bis 44º Reaumur) erhitzten Raum gebracht; es ist dann zur Anwendung fertig, kann aber nach Umständen auch noch lackirt werden.

Statt des Gewebes kann man für manche Zwecke, die keine so große Festigkeit erfordern, auch bloß eine Schicht von geschlagener Baumwolle mit der Leinölmasse imprägniren. Zur Anfertigung von Treibriemen nimmt man mehrere Streifen von starkem Kattun oder Leinwand, imprägnirt und bedeckt jeden derselben nach dem vorstehend angegebenen Verfahren mit der Leinölmasse und verbindet sie sodann mit einander, indem man sie im heißen Zustande auf einander legt und durch ein Walzwerk gehen läßt (Repertory of Patent-Inventions, October 1858, durch das polytechnische Centralblatt, 1858 S. 1592.)

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