Titel: Taylor's Thorglocke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151, Nr. XLIV. (S. 186–188)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/ar151044

XLIV. A. E. Taylor's Thorglocke.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Es wird wohl wenige Leute geben, die nicht schon in Verlegenheit gekommen sind, wenn sie irgendwo an der Glocke eines fremden Hauses zogen, und dieselbe gab entweder gar keinen hörbaren Laut, oder verursachte ein solches Geräusch, daß man unwillkürlich aus Sturmläuten erinnert wird; – aber auch die Bewohner des Hauses haben unter dieser Unbequemlichkeit zu leiden, denn im ersten Falle muß der vielleicht willkommene Besucher lange an der Thüre stehen und warten, und im zweiten Fall wird Jedermann im Hause durch das Geläute erschreckt.

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Die hier zu beschreibende Vorrichtung hat den Zweck, diese Schwierigkeit zu überwinden und eine Thorglocke darzubieten, welche immer und ganz sicher den gewünschten Laut von. sich gibt, wobei es ganz in der Macht des Läutenden steht, den Laut zu verstärken oder zu verlängern. Das Läuten geschieht durch Drehen einer Kurbel, und die Erfindung besteht darin, daß eine mit Hebedaumen versehene Platte auf einen Anker wirkt, welcher mit zwei unter einer Glocke angebrachten Hämmern so in Verbindung gesetzt ist, daß durch Umdrehen der Scheibe die Hämmer gehoben und durch passend angebrachte Federn gegen die Glocke getrieben werden.

Fig. 27 ist ein verticaler Durchschnitt dieser Vorrichtung, wobei die Linie xx in Fig. 28 die Richtung des Schnittes andeutet; Fig. 28 ist ein verticaler Durchschnitt derselben nach der Linie yy in Fig. 27.

Die gleichen Buchstaben bezeichnen in beiden Figuren dieselben Theile der Vorrichtung.

A ist eine Metallplatte von Messing oder Eisenguß mit einem Ständer B in der Mitte, auf welchem mittelst einer Schraubenmutter a eine Glocke C befestigt werden kann. Ein Anker D liegt flach auf der Platte und ist um den Zapfen b drehbar. Das untere Ende des Ankers ist abgebogen und erstreckt sich über eine Platte F, welche auf einer durch den Untertheil der Platte sich erstreckenden, in ein Viereck auslaufenden Achse E steckt. Die Platte A wird an einem passenden Platze im Innern des Hauses mittelst der Schrauben K, K, K, K an einem Pfosten H befestigt und die Achse E erstreckt sich durch den Pfosten nach Außen und trägt dort eine Kurbel G. Auf der Oberfläche der Platte F ist eine Anzahl Hebedaumen j, j, j befestigt, welche beim Drehen der Platte auf das untere Ende des Ankers wirken. Das obere Ende des Ankers läuft in zwei Enden c, c aus und die um Zapfen e, e drehbaren Arme d, d werden durch eine flache Feder h, h abwärts gedrückt und durch Stellstifte i, i in solcher Stellung gehalten, daß sie mit ihrem Ende gerade oder den Vorsprüngen c, c des Ankers stehen. Die Arme d, d laufen in flache gebogene Federn f, f aus, welche an den Enden die Hämmer g, g tragen; die Federn f, f sind so gebogen, daß im Ruhestand die Hämmer g, g von dem innern Umfang der Glocke abstehen; wenn aber die Arme d, d gehoben und schnell herabgelassen werden, so werden die Hämmer gegen die Glocke getrieben und geben je einen scharfen Laut. Sobald daher die Scheibe F mittelst der Kurbel G in einer oder der andern Richtung gedreht wird, wird das untere Ende des Ankers D durch einen der Hebedaumen j, j, j nach einer oder der andern Seite hin getrieben, und einer der Vorsprünge c hebt den einen Arm d auf und zieht dadurch den entsprechenden |188| Hammer g zurück. Bei fortgesetzter Drehung der Platte F wird das untere Ende des Ankers wieder von dem Hebedaumen frei, und der Arm d wird durch die Wirkung der Feder h mit ziemlicher Gewalt herabgetrieben, so daß der entsprechende Hammer g gegen die Glocke schlägt, und einen Laut von sich gibt.

Es ist leicht einzusehen, wie durch das Drehen in einer Richtung der eine, und durch das Drehen in der andern Richtung der andere Hammer in Thätigkeit gesetzt wird, und da die Drehung der Platte F nach beiden Seiten mit gleicher Leichtigkeit geschieht, so wird durch diese Vorrichtung auch der mit mechanischen Vorrichtungen gänzlich Unbekannte nicht in Verlegenheit kommen, wenn er nur weiß daß er drehen und nicht ziehen muß.

Die Anzahl der Schläge hängt von der Dauer der Drehung und von der Anzahl der auf der Platte F angebrachten Hebedaumen ab, und es wäre ein Leichtes, durch die Anzahl der Schläge den Bewohnern der verschiedenen Stockwerke eines Hauses anzuzeigen, wer einen Besuch zu erwarten hat, und wenn es gewünscht würde die Glocke von der Hausthüre entfernt anzubringen, so kann man die Vorsprünge c, c durch Drähte mit den Armen d, d in Verbindung setzen, wobei es jedoch nöthig wäre, passend angebrachte Winkelhebel auf die Arme wirken zu lassen, so daß ein Sinken des Vorsprungs c dennoch ein Heben des entsprechenden Armes d zur Folge hätte. Im Allgemeinen jedoch wird der Ton einer Glocke, wie sie in der Zeichnung angedeutet ist, laut genug seyn, um durchs ganze Haus gehört zu werden, namentlich da die Größe der Glocke ganz willkürlich ist, vorausgesetzt, daß sie zu der hier beschriebenen Einrichtung paßt.

Diese Art von Thorglocken ist die Erfindung des Hrn. N. E. Taylor von Troy im Staate New-York und wurde demselben in den Vereinigten Staaten patentirt.

W. Hauff in New-York.

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