Titel: Ueber das chinesische Grün.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151, Nr. LXXIV. (S. 288–296)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/ar151074

LXXIV. Ueber das chinesische Grün

Aus der schweizerischen polytechnischen Zeitschrift, 1858, Bd. III S. 161.

Die Literatur über das chinesische Grün (Vert de Chine, Lo-Kao) hat einen sehr werthvollen Beitrag erhalten durch eine von der Handelskammer zu Lyon veröffentlichte Druckschrift von 207 Seiten, die auf deren Veranlassung verfaßt ist von 1) Hrn. Natalis Rondot, der über die Abstammung dieses Farbstoffes und über dessen Fabrication und Verwendung in China berichtet; 2) von Professor J. Persoz, der die Untersuchung der chemischen Eigenschaften und des Verhaltens gegen Spinnfasern liefert, und 3) von A. F. Michel in Lyon, der seine Versuche mit inländischen das chinesische Grün ersetzenden Farbmaterialien mittheilt. Wir geben einen gedrängten Auszug aus dieser Schrift. Historisches über das chinesische Grün sowie die Berichte über andere gelbe, blaue und grüne Farben, deren man sich in China bedienen soll, übergehen wir und halten uns an das was über diesen interessanten Farbstoff selbst und seine Rolle in der chinesischen Färberei berichtet wird.

Es scheint nach dem sehr ins Einzelne gehenden Bericht von Hrn. Rondot, daß die Erkenntniß, aus welchen Pflanzengattungen und Specien das chinesische Grün gezogen werde, dem französischen Consul de Montigny in Changhäc und dem Professor Decaisne in Paris verdankt werden müsse, und als unzweifelhaft ist zu betrachten, daß es Rhamnusarten seyen, die diesen Farbstoff liefern. Decaisne beschreibt besonders zwei Specien, die aus China nach Europa gebracht werden; in China heißen diese Pflanzen Lo-Chou; Decaisne benennt die eine Rhamnus utilis, die andere Rhamnus chlorophorus.52) Die verschiedensten Organe dieser beiden Pflanzen scheinen das chinesische Grün zu liefern. Wenigstens wird dieß zuversichtlich von der Rinde der Zweige und derjenigen der Wurzel behauptet, auch die Blüthe soll diese Farbe enthalten; über die Beeren jedoch herrscht Widerspruch unter den Berichterstattern, da die einen angeben sie fänden keine Verwendung, während die anderen das Lo-Kao daraus hergestellt betrachten. In China ist das Astholz der genannten Sträucher sowohl als die Rinde derselben Handelsartikel. Man bezahlt |289| für den Doppelcentner der erstern an den verschiedenen Handelsplätzen 6–9 Fr., für letztere 11–50 Fr., je nachdem die eine oder andere der beiden Pflanzen diese Substanzen lieferte. Das Lo-Kao – wir wollen es vorläufig als einen Farblack bezeichnen – das aus den genannten Rhamnusarten gewonnen wird, ist von verschiedenen französischen und englischen Käufern an Ort und Stelle bezahlt worden mit Preisen, die zwischen 224 und 430 Fr. für das Kilogramm variiren. Zu Lyon wurde es zu 750 Fr. im höchsten und zu 250 Fr. im niedersten Preis, durchschnittlich zu 400–500 Fr. das Kilogramm verkauft.

Diese Substanzen sollen nach mehrseitigen Berichten in China in folgender Weise gebraucht werden.

a. Baumwollenfärberei. – Die Rinde wird nach dem einen Berichterstatter mit heißem Wasser ausgezogen und die Stoffe ohne Beize in dem Auszug gefärbt. Diese werden über Nacht auf den Rasen gelegt und gegen Morgen, ehe die Sonne sie beschien, hat die nach Oben gekehrte Seite die grüne Farbe angenommen. Nach dem zweiten, dem Jesuiten Pater Helot, soll in Azè auf folgende Weise gefärbt werden: Die frische Rinde von Rhamnus utilis wird mit heißem Wasser ausgekocht und die Flüssigkeit zwei Tage über der Rinde stehen gelassen. Die Rinde von Rh. chlorophorus wird ebenso behandelt, doch läßt man 10 Tage stehen. Man färbt nun in der ersten Abkochung siebenmal, in der andern dreimal und läßt nach jeder Passage trocknen, und breitet immer Abends auf dem Rasen aus und läßt bis zum Sonnenaufgang liegen; nur die nach Oben gekehrte Seite erscheint grün gefärbt. An einem anderen Orte soll nach dem gleichen Berichterstatter die Abkochung durch eine schwache Potaschelauge bereitet, im Uebrigen aber verfahren werden wie eben angegeben worden.

Ein dritter Beobachter, Sinclair, erzählt: die Rinde werde eine halbe Stunde lang mit heißem Wasser gekocht, dann etwas Alaun und Potasche der Abkochung zugesetzt und von dem Bodensatz abgegossen. In der klaren Flüssigkeit werde gefärbt, dieß müsse vielemal nach einander geschehen und die Stücke häufig auf dem Rasen ausgebreitet werden, um zu einer tiefern Nüance zu gelangen.

Bei allen Widersprüchen in obigen Berichten scheint es gewiß, daß die Rinde zum Baumwollfärben dient und daß die Intensität der Farbe durch Lichteinfluß wesentlich erhöht, daher das häufige Auslegen auf den Rasen nöthig werde. Mercer in Oakenskaw bei Manchester, sowie Persoz sprachen früher unabhängig von einander die Meinung aus, daß der Farbstoff auf einer Seite des Gewebes mechanisch aufgetragen werde, |290| was sie aus dem Ansehen ächter in China gefärbter Stücke schlossen. Diese Ansicht hat sich jedoch jetzt als förmlich irrthümlich erwiesen, und es ist anzunehmen, daß obige Berichte in der Hauptsache richtig seyen.

b. Bereitung des Lo-Kao. – Es ist etwas überraschend zu vernehmen, auf welche mühevolle und irrationelle Weise das Farbmaterial in China dargestellt wird, das so viel in unserer Seidenfärberei von sich reden machte, und doch stimmen mehrere Augenzeugen in ihren Berichten über die Lo-Kao-Fabrication überein. Es soll in folgender Weise geschehen: Die Baumwollzeugstücke werden, wie wir gesehen haben, vielmal durch die Farbeflotten geführt und nach jeder Färbung getrocknet, sie kommen also bis sie ganz fertig sind, niemals in ein Waschwasser. Man wascht sie zuletzt erst, nachdem sie sich eigentlich mit Farbstoff überladen haben, in kaltem Wasser, bringt dieß in einem Kessel zum Kochen und legt zugleich in den Kessel und zwar zunächst der Oberfläche der Flüssigkeit eine Lage Baumwollgarn. Beim Kochen der Flüssigkeit setzt sich der Farbstoff an das Garn ab, man wechselt die gefärbte Flüssigkeit so oft, bis das Garn ganz stark mit Farbstoff bedeckt ist und wascht zuletzt in wenig kaltem Wasser unter starkem Schlagen und Auswinden das Garn aus. Der Farbstoff setzt sich in dem Wasser ab und die Paste wird auf Papierblätter, die über einer Lage Asche liegen, ausgebreitet und an der Sonne getrocknet.

Aus diesen Berichten lernt man, daß die Lo-Chou-Färberei in China eine mächtige Ausdehnung haben müsse, denn die Erzeugung von 800–900 Kilogram. Lo-Kao setzt voraus, daß wenigstens 1 Million Stücke in der Rindenabkochung gefärbt werden, und in Frankreich allein hat man im Jahre 1857 über 500 Kilogr. dieser Farbdrogue eingeführt.

c. Lo-Kao zum Färben von Baumwollstoffen. – Zwei Augenzeugen berichten die auffallende Thatsache, daß man mit dem so theuern Material Baumwollstoffe färbe, und es soll der Färberlohn nicht höher zu stehen kommen, als derjenige für das Färben mit der Lo-Chou-Rinde. Es diene aber das Lo-Kao nur zu hellen Nüancen, und zwar so, daß man es in Potaschelösung löse, die Stücke hineinbringe, ausringe und nochmals passire, wasche und trockne. Es soll ein Gewicht von etwa 38 Gram., also etwa 2 Loth hinreichen, um 10 bis sogar 30 Stück Baumwollezeug zu färben.

d. Lo-Kao zum Färben der Seide und der Seidenstoffe. – Während der Pater Helot berichtet, das Lo-Kao könne in der Seidenfärberei nicht dienen, ist es constatirt, daß die ersten nach Europa gekommenen Proben dieser Drogue bei chinesischen Seidefabrikanten |291| und Seidefärbern gekauft worden sind. Es liegen ferner mehrere Berichte vor, in welchen die Versicherung gegeben wird, das Lo-Kao diene auch in der Seidenfärberei und zwar seyen die damit gefärbten Seidenstoffe höher geschätzt als die mit der Rinde gefärbten; richtig sey zwar, daß diese Substanz sich am besten auf ganz glatte Böden eigne, wie feine Baumwollstoffe und grass cloth (eine Art Nesseltuch, das aus Indien und China namentlich für Taschentücher in Europa importirt wird). Mag dem seyn wie ihm will, man kennt das Auflösungsmittel nicht, dessen sich die Chinesen für diese Substanz bedienen, indessen ist sicher, daß man in Europa, wenigstens in Lyon, recht gut weiß mit Lo-Kao zu färben. Im Jahre 1853 schon, und zwar fast ganz gleichzeitig, haben die HHrn. Michel und Guinon ein Verfahren aufgefunden, mittelst dessen man das Lo-Kao-Grün auf Seide färben kann. Ersterer hat sein Verfahren publicirt (s. unten), letzterer, der schon auf die Ausstellung von 1855 Proben von Seidensammet damit gefärbt gesandt hat, hielt seinen Proceß bisher noch geheim. Das Haus Guinon hatte im Jahr 1855–1856 1500, im Jahr 1856–57 aber mehr als 3500 Kilogramme Seide mit chinesischem Grün gefärbt.

Die chemischen und physikalischen Eigenschaften des Lo-Kao nach Persoz. – Das chinesische Grün stellt flache, etwas gebogene Scheibchen von 1–4 Millimeter Dicke und verschiedener Größe dar, je nachdem es durch den Transport mehr oder weniger zerbröckelt worden. Die Farbe desselben ist blau mit gleichzeitig violettem und grünem Schimmer; auf Papier gerieben gibt es einen meergrünen Strich. Es ist leicht zerbrechlich, aber dennoch schwer zu pulvern, weil es sich an die Keule und an den Mörser fest anklebt.

Beim Einäschern liefert es einen zwischen 21,5 und 33 Proc. betragenden Rückstand. Persoz fand:

61,9 Procent Farbstoff,
28,8 Asche,
9,3 Wasser.
–––––––––––
100,053)
|292|

Die Asche fand Prof. Bleekrode zusammengesetzt aus:

Thon 52,58
Kalk 31,16
phosphorsaurem Kalk und Eisenoxyd 12,45
Thonerde 2,58
phosphorsaurem Kali und Natron 1,23
––––––
100,00

Es gelang in keiner Weise, den Farbstoff durch Sublimation von den mineralischen Beimengungen zu trennen.

Flüchtige Oele, Alkohol und Aether, Aceton, Schwefelkohlenstoff sind ohne Wirkung auf das Lo-Kao.

In Wasser vertheilt sich dieser Farbstoff sehr fein, ohne sich darin völlig zu lösen; es geht zwar durch das Filter eine grüne Flüssigkeit, ein größerer Theil des Farbstoffs bleibt aber auf dem Filter zurück. Hat man eine concentrirte wässerige Lösung oder vielmehr Suspension des Farbstoffes im destillirten Wasser und setzt derselben noch Wasser zu, so fällt der Farbstoff bald nieder.

Mit saurer Zinnsalzlösung läßt sich eine Auflösung des Farbstoffes herstellen, die sich einige Zeit lang hält, durch Hinzufügen von Wasser aber scheidet sich ein flockiger Niederschlag von Ponceaufarbe daraus ab.

Die Lösungen der kohlensauren, borsauren und phosphorsauren Alkalien können ebenfalls als Lösungsmittel für Lo-Kao dienen, sobald man aber die Auflösungen verdünnt, fällt der Farbstoff wieder nieder und zwar in reinerem Zustande als er sich vorher befand.

Bemerkenswerth ist ferner, daß eine Lösung oder Suspension des Lo-Kao in Wasser sich bald wesentlich verändert, die Farbe desselben wird blutroth und es zeigt sich ein etwas hepatischer Geruch; dieß ist ein bis jetzt noch nicht erklärter Vorgang, ähnlich dem, welchen man bei andern Farbstofflösungen, z.B. der Alkannalösung bemerkt. Das roth gewordene Lo-Kao löst sich in Lösung von essigsaurem Kalk auf, während das grüne darin kaum löslich ist.

Essigsäure ist eines der Mittel, das die Löslichkeit des Lo-Kao fördert, vielleicht durch Bildung essigsaurer Salze aus den Basen in dem Lo-Kao. Verdünnte Salzsäure, Schwefelsäure und Weinsäure können ähnlich wirken, doch darf ihre Berührung mit dem Farbstoff nicht zu lange währen und die Lösung nicht gekocht werden.

Wird das Lo-Kao mit verdünnter Salzsäure gekocht oder mit concentrirter in gewöhnlicher Temperatur zusammengebracht, so ändert sich die Farbe bald, es scheidet sich ein eisengrauer Niederschlag ab und bildet sich über demselben eine gelbe Lösung, die gegen Säure ziemlich beständig |293| ist, durch Alkalien aber in Orange übergeht. Der eisengraue Niederschlag enthält sehr schwer entfernbare erdige Bestandtheile. Mit Ammoniak wird er blau oder blauviolett, mit Schwefelammonium purpurroth, mit Zinnchlorür lachsfarben, in kochender Seifelösung wird er mit grüner Farbe gelöst, die durch Schwefelammonium in Roth, durch Zinnsalzlösung in Rosa umgewandelt wird.

Die reducirend wirkenden Säuren, wie die phosphorige, arsenige, schweflige, die Ameisensäure etc. wirken sehr schnell, theils schon bei gewöhnlicher Temperatur, theils erhitzt auf das Lo-Kao, indem sie einen blutrothen Niederschlag in dessen Lösung erzeugen. Schwefelwasserstoff färbt die Lösung blutroth, doch verschwindet diese Farbe wieder, wenn nicht ein Ueberschuß von Schwefelwasserstoff in der Lösung bleibt.

Oxydirend wirkende Säuren, wie Salpetersäure, Chlorsäure, unterchlorige Säure, Chromsäure etc. wirken sämmtlich auf den Farbstoff verändernd ein, derselbe durchläuft verschiedene Farbenänderungen und wird zuletzt rosenroth. Dieses Roth ist jedoch nicht das nämliche, was durch reducirende Säuren hervorgebracht wird, denn während sich aus diesem wieder ein Grün herstellen läßt, ist dieß bei jenem nicht möglich. Die ätzenden Alkalien, auch das Kalkwasser wirken zerstörend auf den grünen Farbstoff ein, er wird (durch letzteres nur nach dem Kochen) in eine braune Lösung umgewandelt, mit der sich Baumwolle, die mit Alaun- oder Zinnbeize versehen ist, leicht färben läßt. Die Lösungen kohlensaurer Alkalien wirken in höherer Temperatur eben so, deßgleichen die Schwefelalkalien. Das Schwefelammonium jedoch ist eines der kräftigsten Reductions- und Lösungsmittel und kann deßhalb als Reagens sowohl auf Lo-Kao als in der Färberei dienen.

Zink- und Magnesiasalze wandeln die grüne Lösung des Lo-Kao rasch in Blau um. Färbt man in einer mit Zinkchlorid versetzten Lo-Kao-Lösung Baumwolle, so wird diese blau, beinahe wie Küpenblau.

Alaunlösung fördert die Löslichkeit des Lo-Kao, die Lösung geht dabei in Blau über.

Eigenthümlich ist das Verhalten des Lo-Kao gegen Zinnchlorid und Zinnchlorür und andere Metallsalze, die durch Schwefelwasserstoff zerlegt werden. Erzeugt man den oben angegebenen rothen Niederschlag durch Verdünnen einer sauren Lösung von Lo-Kao und Zinnsalz, vertheilt ihn, nachdem er gut ausgewaschen worden, in Wasser und leitet Schwefelwasserstoff ein, so sollte man erwarten, der Farbstoff löse sich mit der durch Schwefelwasserstoff bewirkten Farbenänderung und es bilde sich Schwefelzinn; dieß ist aber keineswegs der Fall, die Flüssigkeit bleibt |294| farblos, der Niederschlag aber wird nur orangefarben ohne daß sich Schwefelzinn bildet.

Anwendungen. – Persoz erklärt sich consequent für die Annahme, das Färben mit Lo-Kao werde am besten auf gebeizten Zeugen bewirkt; das rohe Lo-Kao färbe zwar vermöge seines eigenen Gehaltes an erdigen Bestandtheilen auch auf ungeheizten Stellen, das gereinigte aber, welches für den Färber immerhin den Vorzug verdiene, färbe nur auf gebeizten Fasern.

Reinigung des Lo-Kao. – Diese läßt sich auf zweierlei Art bewerkstelligen. Man macht eine concentrirte Lösung davon, entweder in Auflösung von kohlensaurem Kali oder in Essigsäure; durch Verdünnen der einen wie der andern fällt bald der Farbstoff (freilich nicht vollkommen frei von erdigen Theilen) in lockeren Flocken nieder, die zum Färben dienen können.

Eigentliche Farblacke aus chinesischem Grün. – Ein Alaunerdelack kann auf dreierlei Weise erzeugt werden; man macht eine Lösung von Lo-Kao mit Alaunlösung und fällt den grünen Lack daraus durch Sodalösung, oder man stellt eine Lösung von Lo-Kao in einem kohlensauren Alkali dar und fällt mit Alaunlösung, oder man mischt zu einer wässerigen Lo-Kao-Lösung (Suspension) Lösung von basischem Alaun und kocht diese. Der Niederschlag wird gesammelt und feucht aufbewahrt, er kann zum Färben und Drucken dienen.

Zinnlack. Wenn in eine wässerige oder essigsaure Lösung von Lo-Kao eine Lösung von Zinnsalz und Salmiak gegossen und sodann etwas essigsaures Natron zugesetzt wird, so bildet sich ein schöner blauer Niederschlag.

Kalklack. Wird eine einige Zeit stehen gelassene oder eine mit einer reducirenden Säure behandelte Lösung des Lo-Kao, in welcher die oben besprochene Farbenänderung vor sich ging, mit einer Lösung von essigsaurem Kalk versetzt, so erhält man einen Niederschlag von tiefblauer, etwas ins Violette ziehenden Farbe.

Die genannten drei Lacke können Anwendung in Färberei oder Zeugdruck finden.

Färben mit Lo-Kao.

Seidefärben. – Das Verfahren des Lyoner Färbers Michel besteht darin, daß durch eine mit etwas Alaun versetzte Lösung des Lo-Kao, die etwas erwärmt worden, die entschälte Seide mehreremale hindurchgezogen wird. Es kann dazu sowohl das rohe Lo-Kao als das gereinigte oder dessen Alaunerdelack dienen.

|295|

Ein anderes Verfahren, das Persoz lobt, obschon er dasjenige von Michel für ganz tadelfrei hält, ist folgendes: Man führt die zu färbende Seide durch ein Bad aus Lo-Kao und Zinnsalz mit etwas Säurezusatz bei gewöhnlicher Temperatur. Dieselbe färbt sich bloß lachsfarben, nach dem Herausnehmen zieht man sie noch durch ein mit Ammoniak oder Potaschelösung versetztes alkalisches Bad, oder durch ein solches, worin etwas essigsaurer Kalk mit Ueberschuß von etwas Kalkwasser sich gelöst befindet. Hierdurch geht das Blaßroth in Purpurroth und zuletzt in Blau über. Nach dem kalten Waschen und Ausringen passirt man noch durch eine Abkochung von persischen Beeren, um ein harmonisches Grün herzustellen. Eigenthümlich ist bei diesem Verfahren, daß wenn das Blau ins Violette sticht, alsdann das Grün bei künstlicher Beleuchtung nicht mehr brillant erscheint. Auch kann man Seide alaunen und sie durch eine Lo-Kao-Lösung in Schwefelammonium hindurchnehmen, nach jedem Bade aber die Seide an der Luft hängen lassen, bis das Roth in Grün übergegangen ist.

Endlich kann man das Lo-Kao in zinnsaurem Natron lösen und die Seide darin färben, nach dem Herausnehmen aus dem Bade ist sie ziemlich satt blaugrün geworden.

Baumwolle. – Man macht eine Suspension von Lo-Kao in Wasser, dem man alkalische Salze, als kohlensaures Natron, oder etwas Alaun oder Magnesia oder endlich Zinksalzlösung zugesetzt hat. Man erwärmt auf 40–60° C. und erhält bei Zusatz eines Zinksalzes eine mehr blaue, bei Zusatz der kohlensauren oder borsauren Alkalien eine mehr grünliche Nüance. Das beste Verfahren möchte aber das folgende seyn: Man löst in 10 Litern Wasser 50–60 Gramme weiße Seife und vertheilt darin eine passende Menge gereinigtes oder aufgequollenes Lo-Kao. Man erwärmt das Bad und es reicht einfaches Eintauchen hin, um die Baumwolle sofort zu färben.

Zum Bedrucken hat man nur das Lo-Kao oder den Alaunlack desselben in Gummischleim zu vertheilen und etwas essigsaure Alaunerde oder Alaun hinzuzufügen. Es können aber letztere auch wegbleiben.

Wolle. – Die Lo-Kao-Färberei auf Wolle ist schwieriger als die beiden vorangehenden; mit dem folgenden Verfahren geht sie indessen leicht von statten. Man vertheilt den oben angegebenen Zinnlack in Wasser, erwärmt das Bad unter allmählichem Hinzufügen einiger Tropfen Kleesäure und es färbt sich auf diese Weise die hineingetauchte Wolle ganz vollkommen.

Die Versuche von Hrn. Michel über das Vermögen der europäischen Rhamnusarten eine dem Lo-Kao analoge Farbe zu liefern, sind zwar |296| bis jetzt nicht von einem Erfolg gekrönt gewesen, mit dem die Sache als abgeschlossen betrachtet werden kann, aber sie erheben doch selbst nach dem Urtheil von Persoz die Angelegenheit über alle Zweifel, die hinsichtlich des Verfahrens der Chinesen walten mochten. Es ist keine Rede mehr davon, daß die chinesischen grüngefärbten Baumwollstoffe auf der einen Seite mit einem Anstrich versehen seyen. Hr. Michel spricht die Hoffnung aus, daß mit der Rinde von vornehmlich drei inländischen Rhamnusarten, dem Rhamnus catharticus, der das längst bekannte Blattgrün liefert, dem Rhamnus infectorius, von dem die Avignonkörner kommen, und dem Rhamnus saxatilis von welchem die eigentlichen persischen Beeren abstammen, also drei Specien stachlicher Rhamnussträucher, wohl der beste Erfolg zu erwarten sey. Er selbst färbte ganz ähnlich, wie von Helot über die chinesische Färberei berichtet worden, durch häufiges Passiren durch das Bad und Auslegen während der Nacht und des Frühmorgens, Calicostücke, die zwar sämmtlich einen graubräunlichen Stich hatten, an welchem aber deutlich eine rechte Seite und eine Kehrseite zu erkennen war. Die Rhamnusarten, deren er sich bediente, sind Rhamnus alaternus, Rhamnus frangula. (Faulbaum oder Pulverholz) und Rhamnus catharticus. Der graubraune Schimmer ließ sich von seinen sämmtlichen Mustern durch eine Nachbehandlung, namentlich mit heißer Alaunlösung, wegziehen. Diese entzieht den gelben und falben Farbenton, aber auch etwas vom Grün, letzteres schlägt sich aber wieder auf die Faser nieder, wenn man diese bis zum Erkalten in dem Bade läßt.

|288|

Man s. polytechn. Journal Bd. CXLVI S. 396.

|291|

Im techn. Laboratorium des Polytechnikums in Zürich wurde gefunden:

49,0organische Substanz,
42,1Asche,
7,8Wasser.
––––––––
98,9

Die blaßlederfarbene Asche enthielt 47 Proc. in Salzsäure unlösliche Bestandtheile, Sand und Thon etc. Bolley.

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