Titel: Die Verwendung des ausgewachsenen Roggens zum Brodbacken betreffend.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 11 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi01_11

Die Verwendung des ausgewachsenen Roggens zum Brodbacken betreffend.

Ausgewachsenes Getreide läßt sich bekanntlich nicht verbacken. Der Teig geht nicht, er fließt vielmehr auseinander und das Brod stellt eine dichte, schmierige, klebrige, ungenießbare Masse dar.

Dr. Lehmann (Chemiker der Oberlausitzer landwirthsch. Versuchsstation) hat, wie er in der Section für Naturwissenschaften und Technik (auf der Versammlung der deutschen Land- und Forstwirthe zu Braunschweig) mittheilte, nach vielfachen in dieser Beziehung mit ausgewachsenem Roggen angestellten Versuchen gefunden, daß wenn man auf 2 Pfund Brod 1 Loth Salz gibt und dieses im Einteigwasser dem Brode zusetzt, die Verflüssigung des Klebers vollständig vermieden und in Folge dessen ein wohlaufgegangenes, gesundes und wohlschmeckendes Brod gewonnen werde.

Dr. Lehmann wies Brod vor, welches von ihm aus ausgewachsenem Getreide und nach seiner Methode gebacken war. Es ließ nichts zu wünschen übrig, weder in Beziehung auf den Geschmack, noch in Beziehung auf sein Aussehen; es war |79| hoch aufgegangen, die Krume war schön hell und locker. Das Brod unterschied sich in nichts von aus dem besten Roggenmehl dargestelltem.

Zu gleicher Zeit zeigte er Brod, welches aus demselben ausgewachsenen Roggen gebacken, aber nicht in der mitgetheilten Weise behandelt war. Es stellte eine auseinandergeflossene, schlüpfrige, schwarze, seifige, gänzlich ungenießbare Masse dar.

Diese Erfindung ist von unberechenbarem Werth. Während wir dieses schreiben, wird mitgetheilt, daß der naturforschenden Gesellschaft Isis zu Dresden über Versuche Bericht erstattet sey, welche von der betreffenden Militärbehörde zu Dresden mit dem Lehmann'schen Backverfahren angestellt wurden. Zu je 3 Pfund in der Dresdener Garnisonsmühle aus ausgewachsenem Roggen gewonnenem Mehl wurden bei der Teigbereitung 2 Loth in Wasser gelösten Salzes gemischt. Es wurde in Folge dessen ein wohlausgebackenes, gesundes, wohlschmeckendes Brod gewonnen, während dasselbe Mehl, wenn es in der angegebenen Weise nicht behandelt wurde, ein schwarzes, schliffiges, ungenießbares Brod lieferte. Auch die Versuche, welche mit der Aufbewahrung des nach Lehmann's Verfahren dargestellten Brodes gemacht wurden, fielen sehr günstig aus; denn dieses Brod, welches 3 Wochen hindurch in einem dumpfigen Raume gelegen hatte, war frei von Schimmel und völlig genießbar. (Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereins, 1858 S. 309.)

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