Titel: Ueber die mit Wasserglas in der Wiener Waschanstalt erzielten Resultate; von Hrn. Rud. Rigler.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 12 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi01_12

Ueber die mit Wasserglas in der Wiener Waschanstalt erzielten Resultate; von Hrn. Rud. Rigler.

In der ersten österr. Dampfwaschanstalt (in Wien) wurde während des Jahres 1858 nicht nur wiederholt das Wasserglas als Waschmittel versucht, sondern auch durch mehr als 13 Monate fortgesetzt gebraucht.

Die Anwendung geschah in der Abtheilung „für Wäscherei in eigener Regie der Anstalt“ mit beiläufig 1500–3000 Stück Wäsche per Tag, und zwar versuchsweise zur Laugung und Dämpfung sowohl gröberer (grauer) als feinerer (weißer) Lein- und Baumwollwäschen, – in andauernder Weise aber nur bei den feineren.

Zur Erzeugung einer Lauge von 1 1/2° B. aus kieselsaurem Natron wurden – bei guter Qualität des Natrons – gewöhnlich 1 Wiener Maaß oder 3 1/4 Pfd. Wr. Gewicht zu je 40 Maaß kalten Wassers genommen. – Die Wirkung sowohl des Laugens als Dämpfens war stets vollkommen, und konnten die vom Dampfkübel oder in den Einweich-Geschirren abrinnenden Reste jederzeit für das Vorwaschen betheerter Abwischtücher u. dgl. mit Erfolg wieder verwendet werden.

Die Wäsche behielt im Gegensatze zu dem gelblichen Stiche, welchen weiße Percails u. dgl. unter der Behandlung mit Soda oder Aschenlauge gerne annehmen (zumal, wenn sie früher geblaut waren), in der Regel durchgehends ihre Weiße; auch nahm sie – wenn tüchtig ausgeschwenkt – nicht jene Steife an, die sonst den Wasserglaswäschen eigen ist, und womit der feine weiße Staub (die der Wäsche allerdings unschädliche Kieselerde), welcher sich aus den Fasern des Gewebes nach der Hand herausschlagen läßt, im Zusammenhange steht.

Seife wurde je nach der Feinheit der Wäsche entweder gar nicht, oder nur zur Nachhülfe bei einzelnen fleckig gebliebenen Stellen in verhältnißmäßig sehr geringer Menge verwendet.

Was nun die Gegenüberstellung des kieselsauren Natrons mit der krystallisirten Soda, dem sonst gebräuchlichen Laugungsmittel der hiesigen Dampfwaschanstalt, anbelangt, so ist es nach den Erfahrungen, die ich dießfalls festzustellen Gelegenheit hatte, einzig der Kostenpreis, welcher zu Gunsten der Soda spricht, und der die minder kostspielige Soda für die gröberen Waschzeuge in dem Maaße ökonomisch geeigneter macht, je mehr Lauge von den gröberen und wohlfeiler tarifirten Geweben aufgesogen wird.

100 Pfund in heißem Wasser aufgelöste krystallisirte Soda à 6 1/2–8 fl. gaben 32 Eimer Lauge à 1 1/2° B. Einschließlich des für Heizung des Wassers erforderlichen |80| Dampfaufwandes kostete demnach der Eimer Sodalauge 15–18 kr. C. M., während die Lauge aus Kieselseife (bereits flüssig bezogen à 12 1/2–14 fl.) keinen weiteren Aufwand an Lösungsmitteln erheischend – auf 24–27 kr. C. M. per Eimer zu stehen kam.

Die Kostendifferenz zwischen den beiden Laugen-Gattungen betrug hienach 2/4–3/4 des Preises, niemals aber – wie es in Preußen der Fall war (polytechn. Journal Bd. CXLIX S. 372) – das Fünffache desselben.16)

Schließlich glaubt Hr. Rigler bemerken zu sollen, daß in vorstehender Notiz unter kieselsaurem Natron guter Qualität jene Sorte Wasserglas verstanden ist, welche einen entsprechenden Alkaligehalt (etwa 30° des Alkalimeters gleichkommend) besitzt, deren aräometrische Dichte nicht künstlich durch undienstbare Beimischungen erzielt ist, und welche sich bis zur Neige des Gefäßes gleichmäßig klar und wirksam erweist, – nicht aber, wie es zum bedauerlichen Unterschiede von ausländischer Waare in einzelnen Partien inländischen (aus verschiedenen Fabriken bezogenen) Wasserglases vorgekommen ist, – gleich nach erfolgter Mischung mit Wasser einen erdigen Niederschlag bildet, oder die mit 35- bis 40grädigem klarem Abflusse beginnt, um als 15grädige grünschwarze Schmiere zu enden. (Mittheilungen des niederösterreichischen Gewerbevereins, 1858 S. 474.)

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Das in der Wiener Dampfwaschanstalt beobachtete Verfahren weicht auf Grundlage der gemachten localen praktisch-ökonomischen Erfahrungen einigermaßen von der in Preußen üblichen Dampfwaschmethode ab.

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