Titel: Die Steinbohrmaschine des Hrn. Schwarzkopff.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 2 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi01_2

Die Steinbohrmaschine des Hrn. Schwarzkopff.

Bei der Versammlung der Mitglieder des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, im Monat October v. J. war im Vereins-Saale (zu Berlin) eine von dem Maschinenfabrikanten Hrn. Schwarzkopff construirte Steinbohrmaschine aufgestellt und wurde von demselben erklärt. Nachdem der Hr. Vorsitzende vorausgeschickt hatte, daß man in neuerer Zeit die Stromregulirungsarbeiten im Rheine eifriger betreibe und im Binger Loche, sowie an anderen Stromstellen, durch Sprengung und Hinwegräumung der Felsen unter Wasser die Schiffbarmachung zu verbessern suche, theilte Hr. Schwarzkopff mit, daß ihm die Aufgabe geworden sey, eine Maschine zu ersinnen, welche die mühselige, zeitraubende und kostspielige |74| Handarbeit beim Treiben der Bohr- und Sprenglöcher ersetze und Löcher im Durchmesser von 3 Zoll bis zu einer Tiefe von 3 Fuß bis 3 Fuß 8 Zoll bohren könne. In einem längeren Vortrage gab hierauf Hr. Schwarzkopff ausführliche Erläuterungen über die Einrichtung dieser Maschine, die mit derselben auszuführenden Arbeiten und über die bereits angestellten Versuche. Die Maschine führt die Arbeit des Bohrlochtreibens genau in derselben Weise aus, wie die Arbeiter das Stemmen mit dem Handmeißel verrichten, und zwar: ein Aufsetzen des Bohrmeißels, ein Ausführen eines kräftigen Hammerschlages auf den Kopf desselben, ein leichtes Heben des Bohrers und ein kurzes Wenden um seine Längenachse in schnellen Wiederholungen in derselben Reihenfolge.

Eine starke schmiedeeiserne, in zwei Lagern ruhende Achse durchkreuzt einen besonders kräftigen gußeisernen Balken von 5 Fuß Länge rechtwinkelig zur Längenrichtung desselben in der Mitte dergestalt, daß eine als Führungscoulisse eingerichtete Fläche unter verschiedenen Neigungen zum Horizonte eingestellt werden kann. Die Lager ruhen auf einem Gerüste, welches auf einem Floß, Ponton, oder zwischen zwei dergleichen befestigt ist, so daß der Balken so dicht wie möglich über Wasser liegt. Die Führungscoulisse nimmt eine Schieberplatte auf, welche nach der Rückseite mit einer Zahnstange versehen ist und durch am Balken angebrachte Zahnrädergetriebe, Vorgelege und Handrad eine Verschiebung von 3 bis 4 Fuß erleiden kann. Auf der Vorderseite trägt diese Platte oben eine kleine Dampfmaschine mit Differentialkolben von 7 Zoll Durchmesser und etwa 4 Zoll starker Kolbenstange. Diese kleine Maschine hat Aehnlichkeit mit einem Dampfhammer und führt auch dieselben Functionen aus. Der Kolben ist mit Metallbekleidung versehen und macht einen Hub von etwa 4 1/2 Zoll. Die am Cylinder angeordnete Dampfsteuerung besteht aus dem sogenannten entlasteten Wilson'schen Drehschieber. Der Kopf der Kolbenstange steht nicht in Verbindung mit dem Bohrstangenkopfe, sondern trifft auf denselben am Ende des Kolbenlaufes und übt den Schlag aus. Der erstere Kopf ist mit einer Nase versehen, welche die Umsteuerung des Schiebers durch Hebelmechanismus bewerkstelligt und auch nach vollendetem Schlage das Drehen des Bohrers um 1/22 des Kreisumfanges durch einen zweiten Hebelmechanismus und Stoßklinke ausführt. Da diese Wendung des Bohrers nicht ausgeführt werden kann, wenn dieser mit dem Steine in Berührung ist, so wird nach erfolgtem Schlage derselbe durch eine besondere Feder um etwa 3/8 Zoll gehoben. Das Tiefereindringen des Bohrers wird durch das Moment des Schlages selbst verrichtet, indem der Schieber sich langsam in seiner Coulisse senkt. Die Einstellung des Balkens zur Horizontalen bestimmt die Richtung des Loches, welche man immer rechtwinkelig zu den Lagerungsflächen des Gesteins wählt.

Am besten bewähren sich Bohrer mit einfacher Schneide, weil sie größere Brocken losstoßen und diese das Loch weniger verstopfen. Hr. Schwarzkopff hat Versuche mit Bohrern von 6 Zoll Durchmesser angestellt, und bei ziemlich hartem Gesteine in der Minute 1 1/4 bis 1 1/2 Zoll tiefe Löcher gebohrt. Auch sind diese Versuche zum Theil mit comprimirter Luft ausgeführt worden, um die Zweckmäßigkeit der Anwendung solcher Maschinen in tiefen Grubenschächten festzustellen. Um die Arbeit zu fördern, sollen sechs dergleichen Maschinen neben einander aufgestellt werden. Die gebohrten Löcher werden dann gleichzeitig mit Sprengpatronen versehen, um ein größeres Stück des Felsens auf einmal absprengen zu können. Demnach stellt sich diese zum erstenmale nach solchen Principien – denn die beim Tunnelbau auf der sardinisch-französischen Eisenbahn am Mont-Cenis angewendeten Steinbohrer beruhen auf andern Constructionen – erbaute Steinbohrmaschine auch als sehr interessant für Zwecke des Berg – und Eisenbahnbaues dar. (Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1858 S. 143.)

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