Titel: Vorschrift zur Bereitung eines hellen Leinölfirnisses.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 9 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi01_9

Vorschrift zur Bereitung eines hellen Leinölfirnisses.

Die Wahl des Leinöls ist für den Firnißfabrikanten eine wichtige Sache, denn die Schönheit und Dauerhaftigkeit der Firnisse hängt in hohem Grade davon ab. Das Leinöl muß aus völlig reifen Samen gepreßt, klar, blaß von Farbe, mild und süß von Geschmack, ohne starken Geruch und alt seyn.

Um daraus hellen Leinölfirniß zu fabriciren, nimmt man 4 Pfund Leinöl. 4 Loth Späne von englischem Zinn und 4 Loth Späne von Blei.13) Die beiden Metalle bringt man mit dem Oel in einen kupfernen – nicht eisernen – Kessel, der doppelt so hoch wie breit sehn muß. Wenn das Oel etwa 7 Minuten gekocht hat, so untersuche man mit einem kupfernen Spatel14), ob sie zu schmelzen angefangen; hat man solches beobachtet und die Metalle sind stark zur Hälfte geschmolzen, dann bringt man 1 1/2 Stück Blockfischbein (Ossa sepiae) in Brocken hinein; ist letzteres auch einige Minuten im kochenden Oel und die Metalle sind vollständig geschmolzen, welches man beim Umrühren spürt, indem das Ganze eine Flüssigkeit zu seyn scheint, man also mit dem Spatel auf dem Boden des Gefäßes nichts mehr Hartes fühlt, so entfernt man den Kessel vom Feuer und setzt ihn in ein neben dem Herde befindliches Einsatzloch und wirft unter fleißigem Umrühren, aber nur nach und nach, 1/4 Pfund gebrannten, fein gepulverten Zinkvitriol (schwefelsaures Zinkoxyd15) hinein; ist nun aller Vitriol in das Oel eingebracht und dasselbe |78| steigt nicht mehr, so läßt man es noch eine halbe Stunde oder vielmehr noch so lange kochen, bis sich keine Wasserblasen mehr zeigen, dann läßt man den Firniß erkalten und filtrirt ihn nach etwa 12 Stunden durch dünne Leinwand in große Flaschen, welche mit Bleispänen 1 Zoll hoch auf dem Boden bedeckt sind. In 4 bis 6 Wochen wird man einen Firniß haben, der, wenn man ihn an der Sonne noch etwas bleicht, wasserhell ist.

Je nach der Art und Weise, wie das Geschäft betrieben wird, kann der Kessel groß oder klein seyn, jedoch muß derselbe immer so stark angefüllt werden, daß die Flüssigkeit höher in dem Kessel steht, als die Flamme des Feuers daran empor steigt. Nur im Anfang und um das Kochen zu befördern, darf der Kessel mit einem Deckel zugedeckt, nachher muß er aber stets offen seyn.

Je gleichmäßiger die Feuerung ist – d.h. in fortwährend egaler, nicht zu starker Temperatur – desto schöner wird der Firniß ausfallen. (Aus Dr. Emil Winckler's: „die Lack- und Firniß-Fabrication“, 1859, S. 90.)

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Die Späne oder granulirten Stücke gewinnt man, indem man die Metalle schmelzt und dann in ein Gefäß mit Wasser, unter Umrühren des letzteren, langsam eingießt.

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Der Spatel darf nicht von Eisen, wohl aber von Porzellan seyn.

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Um den gebrannten Zinkvitriol zu bereiten, läßt man krystallisirtes schwefelsaures Zinkoxyd in einer porzellanenen Abrauchschale auf dem Sandbade verwittern; ist dieß geschehen, so bringt man das zu Pulver zerriebene Salz in einem hessischen Schmelztiegel in Fluß, bis es wie Oel fließt. Verdampfen keine Wassertheile mehr, dann gießt man die glühend flüssige Masse auf eine Marmorplatte aus, läßt erkalten, pulverisirt und bewahrt das Präparat in wohl verstopften Flaschen zum Gebrauche auf.

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