Titel: Radbandagen ohne Schweiß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 1 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi02_1

Radbandagen ohne Schweiß.

Ein neuer und wichtiger Industriezweig – schreibt der Moniteur des Intérêts matériels, 1858 S. 409 – ist so eben in unserem Lande eingeführt, nämlich die Anfertigung ungeschweißter Bandagen zu Locomotiv- und Wagenrädern. Die Gesellschaft des Eisenwerks Ougrée zu Seraing bei Lüttich hat mit dem Hause Petin, |154| Gaudet, Jackson und Comp. zu Rive-de-Gier (Südfrankreich), wegen Anwendung des dortigen patentirten Verfahrens in Belgien unterhandelt und bereits ein großes Werk angelegt, welches mit dem besten Erfolge in Gang gekommen ist. Diese neue Fabrication besteht in einer Reihe rasch nacheinander folgender Operationen, durch welche man vollkommen fertige Bandagen erhält. Eine Schiene von Eisen oder Stahl wird erst gewalzt und kommt dann in einen sogenannten enrouleur (Ineinanderdreher oder Aufwickler); dieser bildet daraus einen Ring, welcher aus nebeneinander liegenden Spiralgewinden besteht gleich denen eines Pfropfenziehers, dessen Gewinde man vollkommen zusammengedrückt hätte. Jene Spirale wird weißglühend unter einem sehr schweren Hammer zusammengeschweißt, und dabei zugleich aus dem Gröbsten geformt; dann kommt das Stück in ein erstes Walzwerk, durch welches es weiter gestaltet, und in ein zweites Walzwerk, wo es vollendet und geglättet wird. Alles dieß geschieht mit einer solchen Genauigkeit, daß auf der Hütte zu Rive-de-Gier unter hundert Stücken kaum eines mißglückt und so rasch, daß man täglich 60000 Kilogr. (= 1200 Ctr. preuß) Radbandagen so anfertigen kann, daß sie einer Abdrehung nicht bedürfen. Die Bandage zeigt keine Spur eines Schweißes, denn sie besteht nur aus einem Ringe, welcher durch eigens eingerichtete Walzen geht, hierbei nur im Durchmesser zunimmt und zugleich die verlangte Form erhält. – Bisher bestand in Europa nur ein einziges solches Werk, und die in Frankreich damit erlangten Erfolge bestimmten die Gesellschaft von Ougrée, diesen Industriezweig in Belgien einzuführen, wo sich bei dem billigen Preise und der guten Beschaffenheit des Eisens ein großer Absatz an alle in- und ausländischen Eisenbahnen erwarten läßt.32) (Wochenschrift des schlesischen Vereins für Berg- und Hüttenwesen, 1858, Nr. 3.)

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Hr. Dr. H. Schwarz, der Redacteur der Wochenschrift des schlesischen Vereins, bemerkt: „Radbandagen von dem Werke Rive-de-Gier waren schon auf der Ausstellung zu Paris im J. 1854. Auf der Hütte wurden aber die Einrichtungen nicht gezeigt; wie wir vernommen, geschieht das Auswalzen des Ringes, was die Hauptsache zu seyn scheint, zwischen einem Walzenpaare, welches auf der einen Seite frei liegt, so daß von dieser Seite her der Ring zwischen die Walzen gelangt.“

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