Titel: Ueber P. Emich's patentirtes Verfahren zur vollkommenen Wiederherstellung gebrochener Kaliber-Walzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 2 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi02_2

Ueber P. Emich's patentirtes Verfahren zur vollkommenen Wiederherstellung gebrochener Kaliber-Walzen.

Hr. J. L. Canaval, Secretär der Handelskammer in Klagenfurt, machte über dieses Verfahren in der allgemeinen Jahresversammlung des Industrie- und Gewerbevereins für Kärnten am 24. October v. J. folgende interessante Mittheilung:

„Es war bisher ein bei allen Eisenwalzwerken schwer empfundener Uebelstand, daß gebrochene Kaliberwalzen nur durch den Umguß wieder hergestellt werden konnten. Je weniger bisher die Versuche, diese Aufgabe auf andere Weise zu lösen, allen in dieser Richtung gestellten Anforderungen genügten, desto mehr Anerkennung muß einer Erfindung eingeräumt werden, welche das so lange Angestrebte eben so einfach als wohlfeil und zugleich aufs Beste in Erfüllung bringt.

Es gilt dieß von der Erfindung des Oberwerkführers der Maschinen-Werkstätte zu Prevali, Hrn. Peter Emich, welcher vor einigen Monaten ein k. k. österreichisches Privilegium auf das Verfahren zur vollkommenen Herstellung gebrochener Kaliber-Walzen erhalten hat.

Diese Erfindung empfiehlt sich der besondern Beachtung vorzüglich deßhalb, weil sie von unserer größten Eisenfabrik ausging, wo sich die zahlreichsten Fälle zur Prüfung ihres praktischen Werthes darboten, und weil sie dort seit länger als einem Jahre mit dem besten Erfolge angewendet wird, wie die nachstehenden Thatsachen |155| beweisen, welche die dortige Werks-Inspektion an die Direction des Kärntner Industrie- und Gewerbevereins berichtet.

Es sind vom Hrn. Emich binnen der letzten 3/4 Jahre beim Eisenhüttenwerk Prevali folgende Walzen nach seinem patentirten Verfahren zur weiteren Verwendung eben so brauchbar wie neue hergestellt worden:

  • 1) eine drei- und vierzöllige Flammelwalze, an welcher eine Rippe gebrochen war, die im Mai 1857 neu eingesetzt wurde, Nachdem solche ein ganzes Jahr im Gebrauche gewesen, brach
  • 2) an derselben Walze eine andere Rippe, die auch neu eingesetzt wurde, so daß diese Walze fortwährend im Betriebe steht;
  • 3) eine Abschnitt-Walze, an der eine Rippe im Juli 1857 wieder hergestellt wurde, und welche seitdem in Verwendung blieb;
  • 4) eine siebenzöllige Flammelwalze, deren Zapfen abgebrochen war, bekam im Juli 1857 einen neuen und arbeitete seitdem,
  • 5) eine gleiche Flammelwalze welche im Bunde abbrach, ist seit Oktober 1857 wieder hergestellt worden, und ist fortan im Gebrauche geblieben;
  • 6) eine Staatsbahn-Schienenwalze erhielt im Juli 1857 eine neue Rippe und hat seitdem mit Ausnahme der Nachdrehungsintervalle, unausgesetzt bis zur letzten Schiene gearbeitet,
  • 7) eine gleiche Schienenwalze verlor im August d. J. eine Rippe, welche kürzlich wieder eingesetzt wurde,
  • 8) eine Schienen-Vorstreckwalze erhielt im August 1857 eine neue Rippe, womit sie durch eilf Monate arbeitete; da brach
  • 9) bei der Walze eine zweite Rippe, welche kürzlich wieder hergestellt wurde;
  • 10) eine Abschnitt-Walze erhielt kürzlich einen neuen Zapfen, ist aber noch nicht in Verwendung gekommen.

Aus diesen Reparaturen geht hervor, daß alle möglichen Walzenbrüche nach Hrn. Emich's Verfahren wieder unschädlich gemacht werden können, und daß die Restaurationen vollkommen und dauerhaft sind.

Aber auch die damit verbundenen pecuniären Vortheile sind von sehr bedeutendem Belang; denn würden die obigen Walzen, wie bisher der Fall gewesen, nicht restaurirt werden können, so müßten eben so viele neue Walzen angeschafft werden. Eine kalibrirt abgedrehte Unterwalze obiger Art wiegt aber bloß bei 48 Zoll Bundlänge im Durchschnitte 30 Centner. Wird der Centner mit dem durchschnittlichen

Preis von. 27 1/4 fl. angerechnet, so hätten obige 300 Ctr. Walzen8,175 fl.
gekostet. Nach Abschlag der als Brucheisen noch verwertheten 300 Ctr.
à 4 fl. mit

1,200 „
––––––––
verbliebe dem Werke ein durch diese Brüche verursachter Schaden von6,975 fl.
Die Selbstkosten der Wiederherstellung dieser zehn Walzen betrugen bloß
etwa 35 fl. per Stück, also im Ganzen

350 fl.
––––––––
Das Werk ist demnach durch diese einfache Herstellung der beschädigten
Walzen einem Schaden von

6,625 fl.
entgangen, welche Summe für jeden Bruch den bedeutenden Vortheil von
600 fl. herausstellt.

Wenn auch bei jeder Reparatur der Patentbesitzer einen mäßigen Gewinnstantheil für sich anspricht, so bleibt dennoch dabei eine so hohe Ersparniß für den Walzenbesitzer, daß hinreichender Grund vorhanden ist, insbesondere solche Werkseigenthümer welche mit schweren Walzen arbeiten, hiermit aufzumuntern, sich um eine Erfindung zu bewerben, die den Besitzer bei jedem Walzenbruche vor einem Verluste von mehreren Hundert Gulden schützt abgesehen von dem Zeitverluste und Nutzentgange, welcher durch Anfertigung neuer Walzen herbeigeführt wird.“

Bei dem allgemeinen Interesse, welches dieser Gegenstand für die Eisenindustrie verdient, beschloß der Verein diesen Vortrag durch die Vereinszeitschrift und die Landeszeitung bekannt zu geben. (Mittheilungen über Gegenstände der Landwirthschaft und der Industrie Kärntens, November 1858, Nr. 11.)

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