Titel: Ueber Darstellung wasserfreier Schwefelsäure: von Prof. Osann.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 6 (S. 158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi02_6

Ueber Darstellung wasserfreier Schwefelsäure: von Prof. Osann.

Bei seinen Versuchen über den Ozonwasserstoff sah der Verf. sich oft genöthigt, Nordhäuser Vitriolöl zu destilliren. Diese Flüssigkeit hat ein spec. Gewicht von 1,856 und siedet erst bei 288° C. Diese beiden Eigenschaften haben zur Folge, daß bei Wiederaufnahme des Raumes, den die Dämpfe der Säure am Boden der Retorte bilden, ein Stoßen stattfindet, welches leicht eine Zertrümmerung der Retorte nach sich zieht.

Um den Folgen eines derartigen Unfalles zu entgehen, hatte der Verf. sich eines bekannten Mittels bedient, welches darin besteht, einen zusammengewickelten Platindraht in die Säure zu bringen. Es ist hierbei nothwendig, daß das eine Ende desselben den Boden berührt, das andere über die Flüssigkeit hinausragt. Dieß Mittel hat sich bei dieser Destillation vollkommen bewahrt. Man kann mit einem solchen Platindrahte Vitriolöl über einer doppelzügigen Lampe ohne alle Gefahr destilliren.

Hierbei machte der Verf. nun die Bemerkung, daß das Destillat eine beträchtlich größere Menge wasserfreie Schwefelsäure enthält, als man bei einer Destillation ohne Platindraht erhält.

Die Vorlage befand sich in einem Wasserbade von + 10°. Man sah nun in dem Destillate weiße Flecken entstehen, die immer größer wurden, und man beobachtete, daß ungefähr die Hälfte der Säure zu einer weißen Masse wasserfreier Schwefelsäure erstarrte. Nimmt man die Vorlage aus dem Wasserbade und stellt sie frei hin, so verdampft ein Theil, während der andere zur wasserfreien Säure erstarrt. Zur Erklärung dieser Erscheinung stellt der Verfasser folgende Betrachtungen an:

Der Siedepunkt einer Flüssigkeit hängt theils ab von der Individualität derselben, theils von dem Drucke der Atmosphäre und endlich von dem Drucke, den die oben aufliegenden Flüssigkeitsschichten auf die unterste ausüben, vorausgesetzt, daß die Erhitzung von Unten geschieht. Wird die oberste Schicht der Flüssigkeit zum Sieden gebracht, so ist nur der Druck der Atmosphäre zu überwinden, wird hingegen die unterste bis zum Kochen erhitzt, so ist außer dem Drucke der Atmosphäre auch noch der Druck der aufliegenden Flüssigkeitsschichten zu bewältigen. Die Flüssigkeit muß daher in diesem Falle bei einer höheren Temperatur sieden, befindet sich nun ein zusammengewickelter Platindraht in derselben, der von Unten nach Oben geht, so wird die Wärme von dem Boden nach den oberen Schichten geführt, und die oberste Schicht der Flüssigkeit kommt früher ins Kochen, als die untere. Nun ist offenbar, daß, da das Vitriolöl eine Mischung von wasserfreier Säure und wasserhaltiger ist und erstere bei einer niederen, letztere bei einer hohen Temperatur siedet, erstere von letzterer mehr überführen wird, wenn das Sieden bei einer hohen, als wenn es bei einer niederen Temperatur vor sich geht. Siedet daher die oberste Flüssigkeitsschicht, so wird verhältnißmäßig nur wenig wasserhaltige Schwefelsäure mit übergeführt werden können. Der Verfasser hält es übrigens nicht für unwahrscheinlich, daß die katalytische Kraft des Platins dabei mit wirksam sey. (Verhandlungen der Würzburger physikalisch-medicinischen Gesellschaft vom 30. October 1858.)

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