Titel: Ueber die Nachweisung von Phosphor in Speisen etc.; von Dr. Carl Lintner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 7 (S. 158–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi02_7
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Ueber die Nachweisung von Phosphor in Speisen etc.; von Dr. Carl Lintner.

Um den Phosphor in Speisen u. dgl aufzufinden, hat Mitscherlich ein Verfahren angegeben, welches nichts zu wünschen übrig läßt.33) Ich habe über dasselbe mehrere Versuche angestellt und immer mit dem besten Erfolge. Das Leuchten in dem abgekühlten Theile des Kühlrohrs ist bei den geringsten Mengen von Phosphor noch so deutlich und so anhaltend, daß dieses allein hinreichend wäre, die Gegenwart von Phosphor unzweifelhaft darzuthun. Mir ist es aber überdieß noch gelungen, selbst bei einem Versuche, in welchem das Innere einer Leberwurst mit einem Phosphorteig gemengt wurde, der nur 1/4 Gran Phosphor enthielt, wahrnehmbare und prüfungsfähige Spuren von Phosphor im Destillate zu erhalten.

Obgleich es nun gewiß nicht schwierig ist, den Phosphor, sobald er in Substanz erhalten wird, die Menge mag auch noch so gering seyn, sicher als solchen zu erkennen, so habe ich doch noch einige Versuche gemacht, seine Gegenwart auch noch auf eine neuere Weise als die gewöhnliche – durch sein Leuchten, seine Entzündbarkeit, seine Umwandlung in Phosphorsäure u.s.w. – zu bekräftigen.

Ich benutzte hiezu die Entdeckung Böttger's, daß Phosphor mit einer concentrirten Kupfervitriollösung gekocht, Phosphorkupfer bildet und dieses im feuchten Zustande mit fein gepulvertem Cyankalium gemengt, leicht entzündliches Phosphorwasserstoffgas entwickelt.34)

Es war nun zuerst zu untersuchen, ob auch eine verdünnte Kupfervitriollösung dieselben Resultate hervorbringt und wie groß die Empfindlichkeit dieser Resultate ist. Zu diesem Zwecke wurden folgende Versuche angestellt:

1) Wurde 1/8 Gran Phosphor in 2 Unzen Wasser gebracht, dieses zum Kochen erhitzt, hierauf so viel einer Lösung von Kupfervitriol zugesetzt, bis die Flüssigkeit gut blau gefärbt war und nun mit dem Kochen derselben einige Zeit lang fortgefahren. Schon in kurzer Zeit hatten sich schwarze Punkte in der Flüssigkeit gebildet, die endlich auf einem Filter gesammelt wurden Nachdem durch das Auswaschen mittelst der Spritzflasche die schwarzen Theilchen so viel als möglich auf einen Punkt vereinigt waren, wurde das Filter durch Pressen zwischen Fließpapier oberflächlich abgetrocknet, hierauf noch feucht in ein kleines Reagensglas gebracht und die schwarzen Flecke mit feingepulvertem Cyancalium bestreut. Augenblicklich entwickelte sich Phosphorwasserstoffgas, welches sich zwar nicht von selbst entzündete, aber untrüglich an seinem charakterischen Geruche zu erkennen war, auch wurde ein über das Glas gelegtes, mit Höllensteinlösung getränktes weißes Druckpapier gleich gebräunt.

2) Die Zündmasse von 2 Zündhölzchen (die Zündmasse von 20 Zündhölzchen dieser Sorte enthielt an 1/2 Gran Phosphor) wurde auf dieselbe Weise, nachdem sie in 2 Unzen Wasser gebracht war, wie oben behandelt Obgleich nun die Menge der schwarzen Punkte auf dem Filter nur mit einem Anfluge zu vergleichen war, so gelang die Reaction mit Cyankalium. d.h. die Wahrnehmung durch den Geruch und mit Höllensteinlösung wie im vorigen Versuche noch vollkommen.

3) Zwei Drachmen einer gewöhnlichen Phosphorpaste, welche 1/2 Gran Phosphor enthielt, wurden mit Wasser innig gemengt, zum Kochen erhitzt und dann mit einer |160| Kupfervitriollösung dieses noch länger fortgesetzt. Auch hier bildeten sich die schwarzen Punkte schnell und setzten sich in der Ruhe vollkommen zu Boden. Durch sorgfaltiges Schlammen erhielt ich sie fast ganz rein und konnte sie auf einem Filter in einer solchen Menge sammeln, daß die Reaction auf Phosphorwasserstoff mit dem zerschnittenen Filter öfters wiederholt werden konnte.

Endlich konnte ich nicht mehr an der Sicherheit dieser Reaction zweifeln und wendete sie bei dem oben erwähnten Versuche mit der Leberwurst an, um den Phosphor im Destillat, das nach Mitscherlich's Verfahren erhalten wurde, nachzuweisen, und wie erwartet, war das Resultat ein vollkommen befriedigendes. Es ist nur noch zu bemerken, daß das Filter nicht zu trocken, aber auch nicht zu naß sey, da sonst die Reaction nicht andauernd ist. (Buchner's neues Repertorium der Pharmacie, Bd. VII S. 410.)

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Dieses, im polytechn. Journal Bd. CXXXIX S. 286 mitgetheilte Verfahren besteht darin, daß man die auf Phosphor zu prüfende Substanz mit Schwefelsäure und der nöthigen Menge Wasser aus einem Glaskolben destillirt und die Dämpfe durch ein gläsernes Gasleitungsrohr in ein vertical gestelltes gläsernes Kühlrohr führt. Ist nun Phosphor in der Substanz im Kolben enthalten, so geht mit dem Wasserdampf auch Phosphordampf in das gläserne Kühlrohr über, und man sieht da, wo die Dämpfe in den abgekühlten Theil dieses Rohres eintreten, im Dunkeln fortwährend das deutlichste Leuchten, das sehr lange anhält.

D. Red.

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Polytechn. Journal Bd. CXLIV S. 203.

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