Titel: Waldsägen aus Gußstahl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 4 (S. 237–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi03_4
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Waldsägen aus Gußstahl.

Der Vortheil der Holzhauer beim Gebrauch der neueren halbmondförmigen (Tyroler) Waldsägen darf den gewöhnlichen geraden (Zimmermanns-) Sägen gegenüber wohl auf 1/3, unter Umständen auf noch mehr Arbeitsgewinn angeschlagen werden. Daher haben sich die halbmondförmigen Sägen in eigentlichen Waldgegenden schnell verbreitet und die gewöhnlichen Sägen verdrängt. In vielen und besonders minder holzreichen Revieren des Landes aber bedienen sich die Holzhauer theilweis noch ihrer allen unbequemen und zeitraubenden Sägen. Es steht aber zu hoffen, da sie, wie anderwärts, sobald sie nur einmal sich im Besitz einer einzigen halbmondförmigen Säge befinden, der alten Art werden untreu werden.

In neuerer Zeit liefert das k. Eisenwerk Friedrichsthal bei Freudenstadt neben den gewöhnlichen halbmondförmigen Waldsägen aus gemeinem Stahl auch solche aus Gußstahl. Erstere kosten einzeln 4 fl., bei Abnahme von mindestens 10 Stück 3 fl. 36 kr., die letztern 4 fl. 24 kr., beim Bezug von wenigstens 10 Stück 4 fl.

Ich ließ deren zwei von jeder Sorte kommen, um mir über ihre vergleichungsweise Leistung Aufschluß zu verschaffen. Zugleich aber wollte ich auch über den Werth der sogenannten Raumzähne Versuche anstellen.

Meine ersten Proben fielen sehr unbefriedigend aus, weil die dabei verwendeten Arbeiter in der Behandlung der Waldsägen nicht geübt waren. Ich rathe daher zu Versuchen dieser Art in Gegenden, wo kein eigentlicher Holzhauerstand besteht, wie im hiesigen Revier, intelligente Zimmerleute zu gebrauchen, die mit Anwendung großer Sägen vertraut sind.

Die Schwierigkeiten, auf welche man außerdem stößt, sind zahlreich. Einmal sind nur durch Zufall zwei im Zeug ganz gleiche Sägen zu erhalten, wodurch man öfters in Versuchung geräth, auf Rechnung der Zahnstellung zu schreiben, was Verdienst besserer Qualität ist. Stehen einige Zähne über die geschwungene Bahn hervor, welche die Spitzen der übrigen bilden, so hoppelt die Säge. Ist die Schränkung um etwas weiter, als bei einer andern, so arbeitet die Säge schwerer. Sie läuft aber unregelmäßig und daher schlecht, wenn die Schränkung an verschiedenen Stellen des Blatts verschieden stark ist. Doch schwächt sich die Schränkung durch den Gebrauch und wird regelmäßiger, wodurch kleinere Unterschiede beseitigt werden können.

Die Versuche am Weichholz, für welche die Zähne weiter gesetzt seyn müssen, sind vor den Hartholzversuchen vorzunehmen. Bei nicht sehr hartem Zeug einer Säge, die für Weichholz gerichtet ist, nimmt der Schrank so bald ab, daß die Säge nach einigen Stunden des Gebrauchs für Hartholz taugt.

Die Raumzähne, deren beiläufig einer auf 7 gewöhnliche angenommen werden, müssen schon bei der ersten Zurichtung der Säge von der Mitte aus bestimmt werden. An einer bereits gerichteten Säge können sie nachträglich nur mittelst gänzlicher Umarbeitung der Zähne angebracht werden. Denn, will man sie dadurch herstellen, daß man von den abwechselnd nach rechts und links geschränkten Zähnen je den 7ten aufrichtet und abkürzt, so folgen sich vor und hinter dem Raumzahn 2 nach derselben Seite gekehrte Zähne, die in Verbindung mit dem kaum von ihrer Richtung abweichenden Raumzahn eine Gruppe größtentheils wirkungsloser Zähne bilden.

Nach Berücksichtigung aller vorerwähnten Umstände hatte ich eine Gußstahlsäge A ohne Raumzähne, eine Gußstahlsäge B mit Raumzähnen, eine gewöhnliche Stahlsäge a ohne Raumzähne und eine solche b mit Raumzähnen.

Der Durchschnitt aus der letzten Reihe maaßgebender Versuche bei den Gußstahlsägen ergab

mit A ohne Raumzähne

bei Föhrenholz 40, bei Eiche 30,5, bei Buche 46 Doppelzüge,

mit B mit Raumzähnen

bei Föhrenholz 37, bei Eiche 27,5, bei Buche 39 Doppelzüge,

somit Mehrleistung der

Raumzahns. bei Föhrenholz 7%, bei Eiche 10%, bei Buche 15% Doppelzüge,

im Mittel 11%.

Nun hatte sich aber bei der Herrichtung der Zähne gezeigt, daß das Blatt mit Raumzähnen aus etwas besserem, härterm Zeug besteht, als das ohne Raumzähne. |239| Es steht also dahin, wie viel an den 11% Mehrleistung der Wirksamkeit der Raumzähne verbleibt. Bei den gewöhnlichen Stahlsägen ergaben sich

a ohne Raumzähne

bei Föhrenholz 34,5, bei Eiche 29,7, bei Buche 43 Doppelzüge,

b mit Raumzähnen

bei Föhrenholz 35 bei Eiche 29, bei Buche 45 Doppelzüge,

im Mittel 107,2 und 109

also Minderleistung der Raumzahnsäge durchschnittlich 1 1/2%.

Das Feilen der Zahne zeigte hier, daß die Säge ohne Raumzähne von besserem Zeug war, als diejenige mit Raumzähnen.

Die Wirkung der beiden Gußstahlsägen zu derjenigen der gewöhnlichen Stahlsägen verhält sich wie 110 : 108,1.

Wir dürfen aus den letzten beiden Zahlen, deren Unterschied in den Bereich der unvermeidlichen Beobachtungsfehler fällt, folgern, daß die neuen Gußstahlsägen den gewöhnlichen Sägen in der Wirkung nicht überlegen sind. Man sollte freilich denken, ihr härterer Zeug sollte einen feineren Schnitt und somit stärkeres Eingreifen ins Holz zur Folge haben. Allein dieß wird bloß bei entsprechender Zähigkeit des Zeuges der Fall seyn, während der Augenschein beim Feilen unserer Gußstahlsägen auf mehr Sprödigkeit der Zahnspitzen hinweist, als bei den beiden anderen, gewöhnlichen Sägen.

Dessen ungeachtet dürften die Gußstahlsägen entschieden den Vorzug verdienen, weil sie vermöge ihres beim Feilen sehr merklichen härtern Stoffes die Schränkung und den Schnitt nothwendig viel länger halten und daher den Mehrpreis von 24 kr. das Stück durch vermehrte Dauerhaftigkeit weitaus bezahlen müssen.

Was die Wirksamkeit der Raumzähne gegenüber den entsprechenden Sägblättern ohne Raumzähne anbelangt, müssen wir, wie schon bemerkt, bei der Gußstahlsäge B mit Raumzähnen immerhin einen großen Theil der Mehrleistung von 11% auf Rechnung des bessern Zeugs der Säge schreiben.

Bei der gewöhnlichen Stahlsäge b mit Raumzähnen ergibt sich dagegen eine Minderwirkung von 1 1/2 %. Wir können sie jedoch kaum den Raumzähnen zur Last legen, da hier die Raumzahnsäge als von geringerem Zeug erkannt worden war.

Jedenfalls hat also die Wirkung der Raumzähne den Einfluß des etwas schlechtern Sägblattmaterials nicht überwogen und bewegt sich, wenn sie überhaupt bei Waldsägen von 15,3 Millimeter (= 5 1/3 Linie württemb.) Entfernung der Zahnspitzen vor deren Schränkung in Betracht kommt, innerhalb des Rahmens von höchstens 10 Procenten. Oberförster Nördlinger in Hohenheim. (Württembergisches Wochenblatt für Land- und Forstwirthschaft, 1859, Nr. 3.)

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