Titel: Ueber ein Surrogat für die Goldschlägerhäutchen; von Reinsch.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 10 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi04_10

Ueber ein Surrogat für die Goldschlägerhäutchen; von Reinsch.

Bekanntlich sind die Goldschlägerhäutchen von Jahr zu Jahr im Preise gestiegen, und man war schon lange bemüht, einen anderen Stoff, jedoch ohne Erfolg, dafür in Anwendung zu bringen. Vor einiger Zeit wurde mir nun von Hrn. Dr. Heller ein papierartiger Stoff mitgetheilt, welcher mit Vortheil zum Goldschlagen benutzt wird und weit billiger als die Darmhäutchen zu stehen kommt; dieser Stoff gleicht einem mit Oel oder Wachs getränkten Papier und kommt auch im Format des Papiers vor; der Bogen kostet, je nach der Stärke 7 bis 9 kr. Auf den ersten Anblick hielt ich es auch für ein mit Leim oder Oel stark getränktes Papier, die mikroskopische und chemische Untersuchung dieses Stoffes belehrte mich jedoch eines anderen. Wenn man einen Streifen davon über eine Lichtflamme hält, so rollt er sich schnell zusammen, schmilzt gleichsam und bläht sich auf; er läßt sich entzünden und verbrennt unter Entwickelung des Geruches nach verbranntem Horn mit heller, nicht rußender Flamme, eine geschmolzene, schwer verbrennbare Kohle zurücklassend. Wenn man diese längere Zeit glüht, so bleibt eine grauliche Asche zurück, die zum großen Theil aus phosphorsaurem Kalk besteht. Beim Erhitzen in einer Glasröhre schmilzt der Stoff und bläht sich auf; es entwickeln sich zuerst Wasserdämpfe, dann kohlensaures Ammoniak und thierisches brenzliches Oel; daraus ergibt sich hinlänglich, daß dieses Papier aus thierischer Substanz bestehe, jedoch war es immerhin noch möglich, daß es auch Pflanzenfaser enthalte. Ich brachte deßhalb einige Streifen dieses Papiers in Wasser und erhitzte sie darauf zum Kochen; dabei entwickelte sich ein widriger fischthranartiger Geruch, die Streifen quollen auf, wurden aber dabei elastisch zähe, und in dem Wasser selbst waren nur Spuren von aufgelöstem thierischem Stoff zu bemerken. Als ich hierauf die aufgequollenen Streifen unter dem Mikroskop mit Beihülfe des Polarisationsapparates untersuchte, konnte ich weder Fasern von Baumwolle noch von Flachs erkennen, welches nach meiner Methode bekanntlich sehr leicht auf diese Weise beobachtet werden kann; ich verglich hierauf die Fasern mit der Faser von Gedärmen und fand, daß sie ganz damit übereinstimmten. Ich bin deßhalb überzeugt, daß diesem Papiere thierischer Faserstoff zu Grunde liegt, und daß es wahrscheinlich in der Art erhalten wird, daß man Gedärme, |320| Blasen, Sehnen, vielleicht auch Abfälle von Häuten der anfangenden Verwesung überläßt, hierauf in einem Papier-Apparat (Holländer) zu einem feinen Faserbrei zermalmt und ähnlich wie das gewöhnliche Papier behandelt. Da dieser Stoff bis jetzt nur in Paris angefertigt wird, und seine Fabrication noch ein Geheimniß seyn soll, so verlohnte es sich gewiß der Mühe, Versuche zu seiner Herstellung zu machen, da seine allgemeinere Anwendung für die Goldschlägerei von Bedeutung ist. (Fürther Gewerbezeitung.)

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