Titel: Reinigen des Abfalles bei Wollspinnereien- und Webereien; von Hrn. G. F. Wiedenmann in Heidenheim.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 11 (S. 400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi05_11

Reinigen des Abfalles bei Wollspinnereien- und Webereien; von Hrn. G. F. Wiedenmann in Heidenheim.

Eine Methode zu wohlfeiler Reinigung des sogenannten Maschinenausputzes und der Trümmer, bei welcher die Wolle ganz rein und zugleich nicht verfilzt wird, verdient gewiß Veröffentlichung, da jährlich nicht nur viel Abfall ins Ausland, besonders nach Belgien, verführt wird, der mit Vortheil im Lande verarbeitet werden könnte, sondern sogar noch viele Centner davon auf den Dünger geworfen werden, bloß deßhalb, weil man den Ausputz und die Trümmer nicht zu reinigen versteht.

Nachstehendes, durch wiederholte Versuche erprobte Verfahren ist das Resultat mehrjähriger Bemühungen; es hat sich bewährt, selbst wenn der Abfall alt und zäh ist.

Der Maschinenausputz wird 1–6 Tage in kaltem faulem Urin eingeweicht, sodann in einen Korb gefaßt und darin belassen, bis der Urin ganz abgeträufelt ist; hierauf bringt man denselben in eine Kufe, die mit der besseren Waltbrühe, in welcher man die Tücher abgeläutert hat, gefüllt ist. In dieser Brühe wird vor dem Einbringen des Abfalls Soda aufgelöst, und zwar 2 Pfd. auf je 20 Pfd Abfall. Nachdem dieser in der kalten Brühe 4–6 Tage gelegen ist, wascht man ihn im kalten Wasser aus. läßt ihn trocknen und hat dann reine Wolle.

Sollte aber je die Reinigung aufs erstemal nicht ganz gelungen seyn, so wird das Einweichen in Walkbrühe mit Soda wiederholt.

Wo die Walkbrühe nicht bei Handen ist, kann dieselbe durch kalten Urin und Soda ersetzt werden: doch ist Walkbrühe weit besser, weil man damit eine weichere Wolle erhält. Dasselbe Resultat erzielt man, wenn man den Abfall, auf Grasboden ausgebreitet, den Winter über der Witterung aussetzt; die feuchten Niederschläge, Schnee und Regen etc. ziehen den Schweiß und das Fett aus der Wolle.

Auf ganz gleiche Art werden auch die Webtrümmer oder sogenannten Lödlen gereinigt, doch muß man diese vorher in 1 Zoll lange Stücke zerschneiden. Die gereinigten Trümmer geben bei Verarbeitung auf der Rückseite der Buckskin's einen weit besseren Stoff, als die sogenannte Kunstlumpen- oder ewige Wolle, die immer den großen Nachtheil hat, daß sie kein Leben, keine Elasticität mehr besitzt, indem durch das Decatiren der Stoffe die Elasticität verloren geht.

Die Brühe, worin man die Abfalle gereinigt hat. ist ganz dick und voll Fett; setzt man derselben Kalk zu, so bildet sich daraus eine Kalkseife, sogenannter Suinter, den man entweder selbst zur Gasfabrication verwendet oder an Gasfabriken verkauft64) Auch als Dungmittel läßt sich die Brühe aufs Trefflichste benutzen. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1859, Nr. 11.)

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Man vergl. polytechn. Journal Bd. CXLII S. 316.

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