Titel: Ueber die Wiederherstellung zerknickter Schmuckfedern; von Prof. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 8 (S. 398–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi05_8

Ueber die Wiederherstellung zerknickter Schmuckfedern; von Prof. Böttger.

In der am 20. September vorigen Jahres auf der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in (Karlsruhe abgehaltenen vereinigten Sitzung der Section für Chemie und Physik, wurde das Verhalten der Hornsubstanz zu Wasser und Wasserdampf in folgender Weise von mir zur Sprache gebracht:

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Die Horndreher bedienen sich bekanntlich zur Biegung und Andersgestaltung von Pfeifenspitzen und sonstigen aus Horn gefertigten Gegenständen eines sehr einfachen Verfahrens, welches darin besteht, daß sie diese Gegenstände, um deren Biegsamkeit zu erhöhen, entweder direct über einer Kerzenflamme vorsichtig hin- und herbewegen oder in einem Oelbade bis auf einen gewissen Temperaturgrad erhitzen, hierauf durch Druck oder Biegung dem Gegenstande die gewünschte Form geben und ihn dann möglichst schnell erkalten lassen.

Diese höchst einfache und überaus rasch zum Ziele führende Manipulation bewog mich zu versuchen, ob, unter Nutzanwendung einer anderen geeigneten Wärmequelle, es vielleicht gelingen werde werthvolle, aber durch Verbiegung und Zerknickung unbrauchbar gewordene Schmuckfedern in einen wiederum brauchbaren Zustand zu versetzen. Dieß ist mir nun in der That auf das Allervollständigste auf die Weise gelungen, daß man die zu reparirenden Schmuckfedern auf wenige Augenblicke den heißen Wasserdämpfen aussetzt oder sie eine Minute lang in siedendes Wasser direct eintaucht, sodann schnell wieder daraus entfernt, und bis zum gänzlichen Erkalten unter Wasser von mittlerer Temperatur einige Zeit liegen läßt.

Um sich von der außerordentlichen Wirksamkeit dieses höchst einfachen Verfahrens zu überzeugen, braucht man nur eine gewöhnliche Schreibfeder (einen Gänsekiel) der Länge nach an mehreren Stellen recht wacker zu zerknicken, und sie hierauf wie erwähnt zu behandeln, dann wird man finden, daß sie aus dem Wasserbade in einem Zustande hervortritt, der nicht im entferntesten ahnen läßt, daß sie jemals zerknickt gewesen war. (Böttger's polytechn. Notizblatt, 1859, Nr. 5.)

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