Titel: Die schwarze Malve; von J. F. Dochnahl in Zunders bei Nürnberg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 10 (S. 468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi06_10

Die schwarze Malve; von J. F. Dochnahl in Zunders bei Nürnberg.

Diese seit langer Zeit in der Gegend um Nürnberg erzogene Pflanze hat durch meine Broschüre: die Cultur der schwarzen Malve oder das Tagwerk Landfläche 200 Thaler Ertrag.“ und durch meine zahlreichen Versendungen von Same und Setzlingen, eine so schnelle Verbreitung über ganz Deutschland gefunden die kein anderes Handelsgewächs in früheren Zeiten; daher es auch kommt, daß der Preis ihrer dürren Blüthe sehr gesunken ist; nachdem der Centner vor mehreren Jahren mit 100 fl. und voriges Jahr mit 40 fl. bezahlt wurde, kostet solcher gegenwärtig 12–18 fl., – aber immer noch ein Preis, der den Ertrag höher als bei anderen ähnlichen Culturpflanzen stellt.

Abgesehen davon ist es merkwürdig, daß man die Verwendung dieser Blüthen in Deutschland noch nicht genau kennt. Es ist unmöglich, daß diese Unmasse, welche jetzt überall und besonders in Mittelfranken gewonnen wird, zu medizinischem Gebrauche und zur Verwandlung des weißen Weines in rothen allein verwendet werden kann, da man mit dem Erträgnisse eines Jahres alle Flüsse Bayerns roth färben könnte.

In mehreren Zeitschriften und auch in Nürnberg wird allgemein gesagt, daß die schwarze Malve im Auslande, namentlich in England, zum theilweisen Ersatz des Indigo in der Schönfärberei verwendet werde. Und es kann auch wohl nicht anders seyn, da, nach der Versicherung des Hrn. Pfeiffer in Nürnberg, voriges Jahr in die Türkei allein 1400 Centner gesendet worden sind.

Mehrere Chemiker und Techniker haben die angestellte Versuche ein günstiges Resultat nicht erlangen können; man brachte zwar eine prachtvolle blaue, eine brennend rothe und eine grüne Farbe heraus, aber nicht. daß sie sich der Wolle oder Baumwolle mittheilte. Es scheint demnach daß noch zu suchen ist, diesen in den dürren Blüthen so reichlich vorhandenen Farbstoff entweder trocken herzustellen oder ihn mit Hülfe einer Beize oder mit Zusätzen auf den Stoffen haltbar zu machen.

Sollte es gelingen, diese Erfindung zu machen, – wozu ich alle Sachverständigen aufmuntern möchte (und mich erbiete 1/4 oder 1/2 Pfund Malvenblüthe zu Versuchen gratis abzugeben), – oder die Benutzung selbst von den erwähnten Ausländern zu erfahren, die nach der ganzen Sachlage wahrscheinlich ein großes Geheimniß daraus machen, so würde diese Pflanze die größte Bereicherung der Landwirthschaft unseres Jahrhunderts seyn. (Allgem deutscher Telegraph, 1856, Nr. 46.)

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