Titel: Anwendungen des Glycerins.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 7 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi06_7

Anwendungen des Glycerins.78)

Die ölartige Beschaffenheit, sowie der Umstand, daß das Glycerin bei gewöhnlicher Temperatur nicht flüchtig ist, und nicht in der Kälte erstarrt, da es beim Gefrieren des Quecksilbers noch nicht fest wird, die Beständigkeit des Präparates, der angenehme Geschmack bei vollkommener Reinheit und die Unschädlichkeit für die Organe des thierischen Körpers, sowie auch das bedeutende Lösungsvermögen und die großen Mengen, die man sich zu billigen Preisen verschaffen kann, scheinen dem Glycerin eine wichtige Rolle in der Pharmacie, den Gewerben und den Künsten anzuweisen. Es mögen nun hier einige Anwendungen des Glycerins hervorgehoben werden, auf welche Wurtz im Decemberheft des Technologiste hinweist.

Das Glycerin wird von Barreswil benützt, um den Thon für das Modelliren im gehörig feuchten Zustande zu erhalten. Versuche, die hierüber in Wien angestellt wurden, gaben günstige Resultate. Das Glycerin dürfte zur Aufbewahrung der Nahrungsmittel insbesondere solcher benützt werden, welche im feuchten Zustande erhalten werden sollen, so z.B. des Senfmehles. Dieselben würden, mit Glycerin befeuchtet, nicht austrocknen. Eine noch wichtigere Anwendung wäre als Zusatz zu Zuckerwerk, Früchten, Chocoladen, welche in Zinn eingewickelt werden, damit sie nicht zu sehr austrocknen. Besonders wäre die Anwendung des Glycerins für den |466| Schnupftabak zu empfehlen. In manchen Ländern werden die Tabaksorten mit Süßstoffen versetzt, wie z.B. Melasse, Rohzucker, welche jedoch nicht hinreichend ihren Zweck erfüllen, indem sie der Gährung unterworfen sind. Man wendet statt derselben auch Extracte von Wurzeln und Süßholz an, die jedoch den Tabak nicht in hinreichend feuchtem Zustande erhalten, so zwar, daß man sich genöthigt sieht, denselben fest zusammenzupressen und in Zinnfolien zu verpacken. Das Glycerin könnte sowohl den Tabak versüßen, als auch ihn selbst in freier Luft gehörig feucht erhalten.

Die Gasmesser (Gasuhren) versagen im Winter oft den Dienst, indem das Wasser in denselben gefriert. Ebenso verdunstet dasselbe sehr rasch in der wärmeren Jahreszeit. Um dem Uebelstand des Gefrierens vorzubeugen, wird Alkohol dem Wasser zugesetzt, wodurch jedoch ein relativ größeres Flüssigkeitsquantum verdunstet. Eine Lösung von Glycerin im Wasser hat beide Uebelstände nicht. Daher wäre eine solche für die Gasuhren zu verwenden.

Glycerin dürfte auch zum Schmieren von Maschinenbestandtheilen, besonders bei Uhren und Chronometern eine Anwendung finden. Es erleidet keine Veränderung durch die Luft, bleibt bei jeder Temperatur flüssig, selbst bei solcher, bei welcher bereits Oele erstarren. Man hat für Chronometer reines Olein und Oelsäure benützt; ersteres verdickt sich jedoch unter Einwirkung der Luft, letztere erstarrt einige Grade unter Null.

Das Glycerin dürfte ferner zur Fabrikation der Copirtinte, zur Aufbewahrung von Pflanzen und zu ähnlichen Zwecken vielfach benützt werden. (Mittheilungen des nieder österreichischen Gewerbevereins, 1859 S. 36.)

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Man vergl. polytechn. Journal Bd. CXLIX S. 320.

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