Titel: Vortheilhafte Bereitung einer dauerhaften schwarzen Tinte aus den Beeren des Sambucus Ebulus.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 8 (S. 466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi06_8

Vortheilhafte Bereitung einer dauerhaften schwarzen Tinte aus den Beeren des Sambucus Ebulus.

In Gegenden, wo der Sambucus Ebulus häufig vorkommt, können die Beeren desselben sehr vortheilhaft zur Bereitung einer dauerhaften schwarzen Tinte benützt werden, welche unserer gewöhnlichen Galläpfeltinte nicht nachsteht, ja manche Vorzüge vor derselben hat. z.B. daß sie nicht so schnell eintrocknet, ohne Gummizusatz leicht aus der Feder fließt, und daß die damit gemachten Schriftzüge auf dem Papier nicht auseinander fließen.

Zu ihrer Darstellung stellt man die zerquetschten Beeren in einem steinzeugenen Gefäße 3 Tage lang in gelinde Wärme, preßt die Masse aus und filtrirt. Der filtrirte Saft ist so intensiv gefärbt, daß zu einem Theile desselben zweihundert Theile Wasser erforderlich sind, um dem Wasser die bekannte weinrothe Farbe zu geben, und bei einer zwölfhundertfachen Verdünnung hat die Mischung noch einen violettrothen Schein. Der Farbstoff dieses Saftes ist nicht in Aether löslich, er löst sich nur in Weingeist und Wasser. Der Saft hinterläßt 10,2 Proc. festen pulverigen Rückstand. Eisenoxydulsalze ertheilen dem Safte eine veilchenblaue Farbe, keine Trübung. Gerbsäure dagegen trübt ihn.

Fügt man zu 12 1/2 Unzen filtrirten Safts, der besseren Conservirung wegen, 60 Gran Eisenvitriol und eben so viel Holzessig, so hat man eine Tinte, welche frisch auf Papier aufgetragen, gesättigt violettroth erscheint und in Folge der darin enthaltenen eisengrünenden Gerbsäure beim Trocknen dauerhaft indigoblauschwarz wird. – Es bedarf keiner Erwähnung, daß der Saft ebenso vortheilhaft zum Schwarzfärben der Zeuge etc. dienen kann.79) (Vierteljahresschrift für prakt. Pharm.)

|466|

Obige Mittheilung hatte Hr. Enz mit seiner neuen Tinte geschrieben an Prof. Wittstein eingesandt, und dieser hätte, ohne darauf aufmerksam gemacht worden zu seyn, die Schriftzüge als von Galläpfeltinte herrührend angesehen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: