Titel: Verfahren zur Vorbereitung des Mais für den Mahlproceß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 151/Miszelle 9 (S. 466–468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj151/mi151mi06_9
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Verfahren zur Vorbereitung des Mais für den Mahlproceß.

Der Erfinder dieses Verfahrens, welches für W. E. Newton als Mittheilung in England patentirt wurde, weist nach, daß der Mais Bestandtheile enthält, welche dem daraus gewonnenen Mehl entweder schädlich oder nützlich sind. Die dem Mehle schädlichen Bestandtheile sind: ein schwarzes Häutchen, welches an einer Stelle unmittelbar unter der obersten Haut sich befindet, ferner der Keim, welcher in einer weichen Substanz unmittelbar unter dem erwähnten schwarzen Häutchen liegt.

Bei der gewöhnlichen Behandlung des Mais wird das Korn entweder an der Sonne oder in einem Ofen getrocknet. Wie immer die Austrocknung bewerkstelligt werden mag, liegt der Zweck stets darin, daß die weichen Bestandtheile erhärtet werden, damit sie zwischen Steinen vermahlen werden können. Das Mehl, welches auf diese Weise gewonnen wird, ist durch die früher erwähnten Bestandtheile verunreinigt und weniger gesund, als wenn dieselben entfernt worden wären.

Das Brod, welches aus diesem Mehl bereitet wird, ist fett, fest und unverdaulich, wird leicht ranzig und sauer, so daß es nicht einmal zur Nahrung der untern Volksclasse verwendet werden kann, wiewohl es eigentlich auf den Tischen der Reichen erscheinen sollte.

Nachdem der Erfinder des folgenden Verfahrens das indische Korn oder den Mais chemisch untersucht hat, fand er die folgenden Bestandtheile:

1) eine Hülle, welche aus grober Kleie besteht;

2) eine schwarze Hülse, welche den Samenkeim bedeckt,

3) den Keim oder Samen, welcher weich ist, und dicht unter der schwarzen Hülse liegt;

4) eine mehlige Substanz, welche der Weißeste und leichteste Bestandtheil des Mais ist;

5) eine krystallinische Masse, welche der nahrhafteste Theil der Pflanze ist.

Der zweite und dritte Bestandtheil sind diejenigen, welche beim Mahlen, durch ihr Vermischen mit dem eigentlichen Mehle, diesem nachtheilig werden.

Diese Analyse überzeugte den Erfinder, daß der Austrocknungsproceß durch Sinnen- oder Ofenhitze die schädlichen Theile verhärtet, welche sich mit den krystallinischen und nahrhaften Theilen in der Art vermischen, daß das Mehl sehr compact und schwer, dann zu ungesundem Teig verarbeitet wird. Wenn das Korn bald nach der Ernte bei Ofen- oder Sonnenhitze getrocknet wird, so mischen sich die schädlichen mit den nützlichen Theilen in ganz gleichem Verhältniß und zwar zum großen Nachtheil der letztern.

Nach vielen Jahren des Nachdenkens und Forschens hat N. ein ganz einfaches Verfahren gesunden, welches dem bisherigen entgegengesetzt, dem oben erwähnten Uebelstande gänzlich abhilft Bevor er den Mais auf die Mühle bringt, wird er während einiger Stunden in Wasser geweicht, nachdem er getrocknet und gereinigt worden, bringt N. letzteren unter horizontale Steine, die nach seiner Erfindung so eingerichtet, daß sie bloß schmale Vertiefungen oder Linien enthalten, welche vom Mittelpunkt nach dem äußern Rand ausgehen, und keine Radien haben. Nachdem das Zermalmen so geschehen, wird das Product in eine rotirende Sieb- oder Putzmaschine gebracht, welche die verschiedenen Gattungen des Produktes sondert, nämlich das Mehl, die fetten Theile, den Samen oder Keim, die schwarze Hülse und die Kleie. Das Mehl wird noch für sich getrocknet, damit alle Feuchtigkeit davon entfernt wird, wonach es zum Verkauf gebracht werden kann.

Das Reinigen des Korns wird durch siebartige Ventilatoren ausgeführt, und letzteres kommt dann wieder in die Mühle. Dieses Verfahren mittelst des Mahlens, Putzens und Sonderns muß in einer gewissen Ordnung vor sich gehen, Newton's Erfindung umfaßt also die folgenden Punkte:

1) Die Sonderung und stufenweise Trennung der verschiedenen Bestandtheile des Mais, um das Mehl, den Samen und die gröbern Bestandtheile einzeln zu gewinnen.

2) Das System des Erfinders, welches darin besteht, die Maiskolben in Wasser zu weichen, das Korn zu putzen, es zu mahlen, zu reinigen, zu trocknen. – Dieses Verfahren schließt die natürliche Austrocknung, nicht die durch Ofenhitze bewerkstelligte in sich; dadurch wird es nöthig, den feuchten Mais zu mahlen, nämlich nach seiner Befeuchtung mit Wasser und nach einem leichten Ueberbürsten.

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3) Die Art der Einschnitte in die Mühlsteine vom Mittelpunkt nach dem Außenrande.

4) Die Gewinnung eines neuen Productes, indem das Mehl und der Same von besserer Qualität ist, alle fetten, ranzigen, sauren und groben Theile daraus entfernt werden, und man statt des frühern ungesunden, ein gesundes Nahrungsmittel erhält.

5) Indem man mehr Nahrungsstoff gewinnt; die Kleie und die andern Rückstände sind gut für Federvieh und Rindvieh. Das Brod, aus diesem Mehl nach Entfernung der schwarzen Hülse, der Kleie, der Fettheile, gewonnen, besitzt dieselben nährenden Eigenschaften und den guten Geschmack des Weizenbrodes, ohne die bisherigen Nachtheile. (Aus dem Repertory of Patent-Inventions 1858, durch die Mittheilungen des nieder-österreichischen Gewerbevereins, 1858 S. 449.)

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