Titel: Wallace's Dampf-Waschtrommel behufs des Bleichens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152, Nr. VI. (S. 12–14)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/ar152006

VI. Die Dampf-Waschtrommel behufs des Bleichens, von John Wallace jun. in Glasgow.

Aus der deutschen Gewerbezeitung, 1858 S. 324.

Mit Abbildungen aus Tab. I.

In der hier beschriebenen Waschtrommel sollen Zeuge nicht bloß gewaschen, sondern auch gebleicht werden.3)

Die Dampfbleichtrommel ist in Fig. 8 und 9 dargestellt. Fig. 8 zeigt den halben Aufriß und halben Längendurchschnitt, Fig. 9 ist ein seitlicher Durchschnitt.

Die Bleichtrommel A, welche in der äußern Gestalt ziemlich so ist, wie die bisher angewendeten Waschtrommeln, ist auf einer hohlen Welle B befestigt, wodurch sie mit einem Dampfrohr C in Verbindung steht. Der Dampf tritt aus der hohlen Welle durch Oeffnungen in die verschiedenen Abtheilungen des Rades. Die Einführung des Dampfes allein in die Bleichtrommel ist hinreichend, um die Wirkung des gewöhnlichen Bleichens, Waschens u.s.w. bedeutend zu erhöhen, jedoch durch die fernere Einführung von Säuren, Alkalien, Seife und anderen Bleich- oder Zubereitungsmitteln in die Waschtrommel ist sie als ein ausgezeichneter Bleichapparat vorzüglich nützlich geworden. Die verschiedenen Bleichmittel sind in Gefäßen enthalten, welche oberhalb der Trommel sich befinden, und von diesen Gefäßen gehen Rohre D nach dem gemeinschaftlichen Rohre E, welches vermittelst einer Stopfbüchse auf der hohlen Welle B befestigt ist und mit dieser in fortwährender Verbindung steht. |13| Jedes der Rohre D ist mit einer Drosselklappe versehen, damit die Menge jedes Stoffes und die Zeit, in welcher er in die Trommel treten soll, leicht regulirt werden können. Die kleine Menge Wasser, welche der Proceß verlangt, wird durch dasselbe Rohr E eingeführt, vermöge eines gleichen Rohres D. Die Flüssigkeiten treten durch Oeffnungen F von ungefähr der Größe, wie sie Fig. 9 darstellt, aus der Trommel heraus. Diese Oeffnungen sind mit Klappen oder Deckeln versehen, die nach Belieben geöffnet oder geschlossen werden können. Die Waaren, welche gebleicht werden sollen, sind auf gewöhnliche Weise durch Thüren G, auf dem Umfang oder an der Seite befindlich, hineinzubringen.

Diese Waschtrommel, die in ihren Einzelheiten gezeichnet ist, soll durch eine eigene Dampfmaschine getrieben werden. Die Bewegung wird zuerst durch ein Getriebe, in Verbindung mit einem inwendig gezahnten Rad oder Scheibe H, auf der innern Seite der Trommel sitzend, übermittelt. Die kleineren Waschtrommeln werden durch eine Welle und Winkelräder getrieben, die Umdrehungen durch die Größe bestimmt. Eine Trommel von 6 Fuß Durchmesser muß ungefähr 34 Umdrehungen machen, während eine von 9 Fuß Durchmesser nur 16 zu machen braucht, mit anderen Worten, der Umfang muß sich mit einer Geschwindigkeit von 430' per Minute bewegen. Der in die Trommel eingeführte Dampf übt einen Druck von 3 bis 5 Pfund über die Atmosphäre auf den Quadratzoll aus und eine 5pferdige Maschine wird eine Trommel von 9 Fuß Durchmesser treiben.

Das Bleichverfahren, wie solches bisher in Anwendung ist, weicht sehr von dem hier betrachteten ab. Das frühere Verfahren ist auf – so zu sagen – ruhige langsame Wirkung begründet. Die zu bearbeitenden Waaren kommen nur dann in Bewegung, wenn sie von einem Proceß zum andern gelangen, den des Kochens vielleicht ausgenommen, wo sie möglicherweise in einige Bewegung gerathen. Bei dem neuen Bleichverfahren ist Alles in der sich drehenden Trommel vereinigt, die chemischen Bleichmittel werden hineingeleitet und der Dampf hat ebenfalls Zutritt. Während der Bewegung der Trommel werden die Waaren einer Bewegung unterworfen, welche einen beständigen Wechsel der Lage derselben zur Folge hat, wodurch der Reinigungsproceß sehr beschleunigt wird.

Auf diese Weise können verschiedene Arten von Waaren behandelt werden, von Geweben der schwersten Art bis zu den leichtesten Artikeln, ohne daß das Fabricat im geringsten darunter litte. Vielleicht möchten die genähten Musseline und gestickten Waaren eine Ausnahme machen, da dieselben ohnedieß schon schwierig zu bleichen sind, wegen der fast unvertilgbaren Beschaffenheit der Druckfarbe, des Fettes und anderer fremden |14| Bestandtheile, womit sie beim Webeproceß getränkt worden sind, wozu nun noch die zarte Natur des Stoffes selbst kommt. Schreiber dieses hat als Fabrikant und Bleicher dieser Waaren viel Gelegenheit gehabt, die Erfindung zu prüfen, welche er in den letzten 18 Monaten unausgesetzt angewendet. Eine der großartigsten Bleichfirmen dieser Art Waaren in Schottland, die HHrn. Cochrane und Armour in Neilston, haben ebenfalls statt ihres früheren dieses neue Verfahren in Anwendung gebracht. Bei der frühern Art genähte Musseline zu bleichen, vergingen durchschnittlich 30 Tage ehe sie vom Bleichen zurückkamen, während sie bei dem neuen Verfahren regelmäßig in drei Tagen fertig seyn können, und außer dieser großen Zeitersparniß liegt auch ein großer Vortheil darin, daß mehr als 50 Proc. an Chemikalien, Seife, Brennmaterial und Arbeit durch die neue Dampfbleichtrommel erspart werden. Für Leinen ist diese Erfindung von hohem Werthe. Da es ohne Zweifel bewiesen ist, daß die schwersten Leinenzeuge und Damaste im Norden von Schottland und Irland in 1/12 der Zeit und mit einem beträchtlich geringen Kostenaufwand durch die Bleichtrommel gebleicht werden können, so werden alle großen Bodenstrecken, die gegenwärtig durch Grasbleicherei eingenommen sind, in Zukunft dem Ackerbau zurückgegeben werden. Calicos sind auf diese Weise von den HHrn. Armerod und Comp. in sechs Stunden gebleicht worden, während sie früher eben so viele Tage dazu brauchten. Es kann in der That gesagt werden, daß die Dampfbleichtrommel ein ganzes Bleichwerk in sich schließt.

Die Trommel ist auch von großem Vortheil für Papierfabrikanten, um die Lumpen von Schmutz und Farbe zu reinigen. Als Waschapparat für Wäsche gewährt sie viele Vortheile, da eine einfache Trommel 200 Waschfrauen ersetzt.

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Wir theilen diesen Aufsatz zur Ergänzung der im polytechn. Journal. Jahrgang 1857, Bd. CXLIII S. 90 gelieferten Beschreibung von Wallace's Apparat mit. A. d. Red.

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