Titel: Renner, über grüne Färbung der Zuckersäfte.
Autor: Renner, J.
Fundstelle: 1859, Band 152, Nr. XXXIII. (S. 145–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/ar152033

XXXIII. Ueber grüne Färbung der Zuckersäfte, erhalten bei der Filtration von Zuckerlösungen durch Knochenkohle, und über die graufärbende Substanz, durch welche die aus grün gefärbtem Klärsel dargestellten Zuckerbrode öfters verunreinigt werden; von Dr. J. Renner.

Seit einer Reihe von Jahren waren mir öfters aus den verschiedensten Raffinerien und Rübenzuckerfabriken Zucker und Zuckerlösungen zur Untersuchung übergeben worden, die an den in der Ueberschrift bezeichneten Fehlern krankten. Es gelangten zur möglichen Aufhellung der schon vielfach behandelten Frage gewöhnlich die betreffenden Knochenkohlen ebenfalls zur Untersuchung, aber – fand ich auch nicht selten durch die vorgenommenen Analysen die jämmerlichste Behandlung der Knochenkohlen bei der Wiederbelebung constatirt (es enthielt z.B. eine Kohle aus einer Fabrik der preuß. Provinz Sachsen nur 3,1 Proc. Kohlenstoff, aber 13,375 Proc. kohlensauren Kalk!) – keine Kohle war so zusammengesetzt,

„daß sie nothwendig bei normalen Zuckerlösungen grüne Säfte und grau gefärbte Brode hätte ergeben müssen; dagegen waren in allen von mir untersuchten Kohlen die Elemente vorhanden, welche unter geeigneten Umständen solche Producte liefern konnten.“

Eine Knochenkohle z.B., längere Zeit zur Filtration der Rübensäfte gebraucht, wurde wegen ungenügender Dienste mit einem Viertel Volum neuer, normaler Kohle vermischt und darauf kurze Zeit wieder in Gebrauch gezogen; sie hatte grüne Zuckersäfte und mir übersandte Proben recht grauen Zuckers ergeben.

Die Ursache der Färbung auch hier, wie in anderen Kohlen, zu ermitteln, untersuchte ich jene sowohl wie den Zucker aufs Genaueste und fand durch die qualitative Analyse in der ersteren:

Eisen,
Schwefel,
Thonerde,
Kohlenstoff,
basisch phosphorsaure Kalkerde,
kohlensaure Kalkerde,
schwefelsaure Kalkerde,
essigsaure Kalkerde,
Chlorcalcium,
Fluorcalcium,
|146| phosphorsaure Magnesia,
Kali,
Natron,
Ammoniak,
Kohlensäure,
auftretend als Zersetzungsproduct von
kohlensaurem Ammoniumoxyd;
Wasser,
Silicate;
im grauen Zucker (Saftmelis) aber:
Schwefeleisen;

dieses jedoch in so geringer Menge, daß sie durch die Waage nicht mehr bestimmt werden konnte.

Es wurde zur quantitativen Untersuchung der Kohle geschritten, dabei aber nur auf die den Zucker möglicherweise grün färbenden und auf andere für die Constitution der Kohle wichtige Bestandtheile Rücksicht genommen, während diejenigen, welche offenbar ohne jeden dahin zielenden, schädlichen Einfluß sind, außer Acht gelassen wurden.

Die Kohle ergab in 100 Theilen:

Kohlenstoff 4,600
basisch phosphorsauren Kalk 85,005
kohlensauren Kalk 4,171
schwefelsauren Kalk 257
Chlorcalcium 046
Eisenoxyd 295
Schwefel 172
Schwefelcalcium
Ammoniak 103
Wasser 1,800
Sand etc. 1,640
Verlust und nicht bestimmte Stoffe 1,911
–––––––
100,000.

Bei der Betrachtung vorstehender Zahlenverhältnisse fällt zunächst der geringe Kohlenstoffgehalt auf. Die Kohle ist offenbar bei der Wiederbelebung viel zu stark geglüht worden, denn nur dadurch konnte der normale Gehalt bis auf 4,6 Proc. vermindert werden. Wer nicht zu seinem besonderen Vergnügen Brennmaterial verschwenden und kostbare Knochenkohle nach vielen Richtungen hin verderben will, wird bei rationeller Benutzung der Darre und verständigem Abziehen der Kohle aus den Glühröhren, seinen Zweck: „organische Reste im Beinschwarz zu zerstören“, vollständig erreichen, wenn er Dunkelrothglühhitze anwendet. Wozu also eine höhere Temperatur, als die vielfach angerathene?

Ich unterlasse es gänzlich, vom phosphorsauren Kalke und vom kohlensauren Kalke der Kohle vorläufig zu sprechen, ziehe vielmehr den schwefelsauren Kalk sofort in den Bereich unserer Betrachtung. Denn von ungemeiner |147| Wichtigkeit ist für die meisten Zuckerfabrikanten der Gypsgehalt der Kohle, weil sie in ihm direct die Ursache zu jenem grünfärbenden, schädlichen Einflusse zu erkennen glauben, an welchem er in der That nur sehr indirecten Antheil nimmt. Das analysirte Beinschwarz, welches sehr grüne Säfte und mit Schwefeleisen grau gefärbte Brode geliefert hatte, enthält 0,257 Proc. Gyps; eine andere Knochenkohle aber, die einer zweiten Fabrik, mit einem weit größeren Gypsgehalte, liefert, wie mir bekannt ist, bei geeigneter Behandlung stets tadellose Säfte und eben solche Brode; kann also in der ersteren Kohle der schwefelsaure Kalk so schädlich wirken, ohne es nicht in der letzteren ebenfalls zu thun? Ich behaupte, nicht; denn, sofort übergehend auf das aus ihm bei zu heftigem Glühen der Kohle etwa gebildete Schwefelcalcium, bin ich nach meinen Untersuchungen geneigt, es als so unbedingt schädlich nicht anzusehen; ich habe die Ueberzeugung, daß der schwefelsaure Kalk eine unschuldigere Rolle bei der Zuckerfabrication spielt, als ihm stets zugeschrieben wurde.

In der verdächtigen Kohle fand sich auch das gefürchtete Schwefelcalcium nicht vor. Drei mit aller Sorgfalt angestellte Untersuchungen ergaben dieses Resultat mit Gewißheit; aber eben so gewiß war die Gegenwart einer in Wasser unlöslichen Schwefelverbindung; es blieb nur übrig, auf das Vorhandenseyn von Schwefeleisen in ihr zu schließen.

Die Analyse hatte 0,2959 Proc. Eisenoxyd ergeben; diese entsprechen metallischem Eisen 0,2072 Proc., welche letztere, um Anderthalb-Schwefeleisen zu bilden, 0,1757 Schwefel beanspruchen. Die Analyse beweist die Anwesenheit von 0,1721 Proc. Schwefel. Dieß ist fast genau die Menge, welche die Bildung des erwähnten Schwefeleisens beansprucht; wir sind daher befugt, dieses in der Kohle und zwar im Verhältniß von 0,382 Proc. anwesend anzunehmen.

Die Untersuchung des kranken Saftmelis bewies, daß Schwefeleisen der ihn grau färbende Körper war; zurückschließend liegt es somit nahe, das in der Kohle enthaltene Schwefeleisen als Quelle der grünen Färbung des Zuckerfiltrats und als die der Verunreinigung des fertigen Zuckers anzusehen.

Und in der That, wie die vorliegenden Untersuchungen, so haben im Allgemeinen eine lange Reihe von anderen Versuchen und jahrelange Erfahrungen es mir zur Gewißheit erhoben, daß Eisenoxyduloxyd und Schwefeleisen, welche leider stets die Kohle begleiten, die beinahe ausschließliche Ursache der Grünfärbung des Klärsels und die häufigste Veranlassung grauer Brode sind.

Aber unter allen Umständen bedingen sie in der Kohle nicht die eben erwähnten Uebelstände, sondern nur in gewissen, abnormen Fällen, in |148| welchen eine Auflösung von Eisenoxyduloxyd und eine Zersetzung des Schwefeleisens durch Säuren (unter Bildung von Eisenoxyduloxydsalzen, welche sich auflösen und das Filtrat grün färben) stattfindet, während, durch die Zersetzung des Schwefeleisens oder von Schwefelcalcium gebildetes und frei auftretendes Schwefelwasserstoffgas später wieder Veranlassung wird zur neuen Bildung einer geringen Menge von Schwefeleisen, das sich zwischen die Krystalle des Brodes lagert und dessen Weiße beeinträchtigt. Man kann willkürlich, wie ich es aus Versuchen im Großen und Kleinen weiß, durch eine Kohle mit einem zweifach größeren Eisengehalte als die in Rede stehende, tadellose Brode in hochfeiner Waare erzielen, oder, will man den Versuch machen, auch grüne Lösungen und graue Zucker darstellen; es ist im erstem Falle nur nöthig, vorzüglich bei sogenannter Ueberfiltration des Klärsels, mit alkalischen Zuckerlösungen, hingegen für den zweiten Fall mit recht neutralen oder gar mit sauren Lösungen (wie sie z.B. die Colonialzucker fast immer liefern) zu experimentiren.

Aus den gemachten Erfahrungen folgt, um tadellos zu arbeiten, der Fundamentalsatz: „daß die Zuckerlösungen schwach alkalisch die Filter verlassen müssen, um zur Verkochung zu gelangen.“

Hiernach leuchtet es, abgesehen von noch anderen Gründen, von selbst ein, daß eine nicht zu geringe Menge von Aetzkalk oder kohlensaurer Kalkerde, die ich zu wenigstens 6 Proc. festsetzen möchte, in den zur Zuckerfabrication bestimmten Knochenkohlen anwesend seyn muß. Um diese Quantität jedoch sicher bestimmen zu können, ist es durchaus nöthig, wie ich früher ausführlich gezeigt habe27), die noch fast allgemein angewandte Schatten'sche Spindel, welche unsichere Resultate gibt, endlich zu beseitigen und eine wirkliche chemische Analyse vorzunehmen. Es ist dieß wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint; denn werden z.B. neutrale oder nur schwach alkalische Zuckerlösungen der zersetzenden Einwirkung solcher Kohlen28), welche einen zu geringen Gehalt an freier Kalkerde haben, zum Zweck der Filtration ausgesetzt, dann werden der Zuckerkalk und insbesondere die mit den Säuren des Zuckers gebildeten Kalksalze zerlegt: Aetzkalk schlägt sich vollständig auf die Kohle nieder und Zucker wie frei vorhandene Säuren haben nun überreiche Gelegenheit, aus stets gegenwärtiges Eisenoxyduloxyd (das so geneigt ist in säuerlichen Flüssigkeiten sich aufzulösen) und auf Schwefeleisen einzuwirken, sich mit ihnen zu sogenannten Saccharaten und zu Eisenoxyduloxydsalzen zu verbinden, und, |149| da diese in Lösung gehen, das Zuckerfiltrat grün zu färben. – Das durch die Zersetzung etwa vorhandenen Schwefelcalciums und des Schwefeleisens frei auftretende Schwefelwasserstoffgas wird durch den Geruch wahrnehmbar, auch laufen kupferne Geräthschaften, welche mit der Zuckerlösung in Berührung kommen, schwarz an.

Zur Bestätigung des Gesagten wurde eine Reihe von Versuchen angestellt, von welchen ich hier einige mittheile.

1) Eine (durch ihren Gehalt an Zuckerkalk) stark alkalische Zuckerlösung wurde in Berührung mit Kohle gebracht, welche 6 Proc. kohlensauren Kalk enthielt und welcher 0,1 bis 0,5 Proc. eisenfreies Schwefelcalcium und eben so viel Eisenoxyduloxyd zugesetzt worden war; sie lieferte normale Zuckerfiltrate mit nur Spuren von Eisenverbindungen, die nach erfolgtem raschen Einkochen der Flüssigkeiten und Wiederverdünnen mit Wasser sich nicht niederschlugen.

2) 100 Th. guter Knochenkohle, welcher je 1, 2, 4, 8 bis 10 Th. eisenfreies Schwefelcalcium, nebst 1, 2, 4, 8 bis 10 Th. Eisenoxyduloxyd beigemengt waren, wurden, während drei Stunden mit einer sauren Colonialzuckerlösung, welche 100 Th. Zucker enthielt, in Wechselwirkung gebracht; die Temperatur betrug 75° C. Es resultirte nach anfänglicher Entwickelung von Schwefelwasserstoffgas ein zwar gesund aussehendes, weingelbes, nun alkalisches Filtrat, aber dasselbe war bei allen fünf Einzelversuchen mehr oder minder mit Eisenverbindungen verunreinigt, welche, als nach weiteren zwölf Stunden ein Theil der Zuckerlösung eingekocht wurde, mit etwas kohlensaurem Kalk gemengt theilweise gefällt wurden.

2 Volume Kalkwasser, je einem Volum der Zuckerlösung zugesetzt und erhitzt, fällten Eisenoxyduloxydhydrat aus; Schwefelwasserstoffwasser hingegen, je einer zweiten Portion Lösung beigemischt, bewirkte eine grünliche Färbung derselben und spätere Fällung von Schwefeleisen.

3) Dieselbe saure Zuckerlösung wie unter Nr. 2, wurde mit 100 Th. Kohle, welcher 10 Th. Schwefeleisen beigemischt waren, unter gleichen Verhältnissen wie oben behandelt. Es erfolgte keine Schwefelwasserstoff-Entwickelung.

Die filtrirte Zuckerlösung war klar, neutral, von braungelber ins Grünliche zielender, sehr verdächtiger Färbung.

Beim Einkochen wurde das Filtrat dunkler, zuletzt tintenartig; es schied sich bei fortschreitender Concentration ein sehr fein vertheiltes, schwarzes Pulver ab, das sich in der Ruhe schnell absetzte. Dasselbe wurde aus der mit Wasser wieder verdünnten Lösung abgeschieden und untersucht; es erwies sich gegen die Reagentien als Schwefeleisen.

|150|

Die vom Niederschlage getrennte Flüssigkeit wurde von Neuem in einem Glaskolben eingekocht, wobei sich kein Schwefeleisen mehr absetzte; die angewandten Reagentien setzten jedoch in der Flüssigkeit die Anwesenheit von Eisensalzen außer Zweifel.

Eine Probe der Flüssigkeit wurde mit Schwefelwasserstoffwasser vermischt; es erfolgte sofort intensiv schwarze Färbung und Fällung von Schwefeleisen.

Eine andere Probe der Flüssigkeit wurde mit ihrem dreifachen Volum Kalkwasser versetzt und zum Sieden erhitzt; es schieb sich sogleich in reichlicher Menge gelbrothes Eisenoxyduloxyd-Hydrat ab, wornach die vorher braungelbe, ins Grüne schimmernde Flüssigkeit, vom Niederschlage abfiltrirt, sich nunmehr weingelb, spiegelnd, klar zeigte; Schwefelwasserstoffwasser trübte sie nun nicht mehr; sie war, mit einem Worte, normal geworden.

4) Der Versuch 2) wurde, ohne Schwefelcalcium anzuwenden, wiederholt, jedoch mit schwach (durch Zuckerkalk) alkalischer Zuckerlösung und mit Kohle, welche 3,1 Proc. kohlensaure Kalkerde enthielt.

Das Resultat war ein entschieden günstigeres als der Versuch 2) geliefert hatte. Das Filtrat wurde kaum alkalisch erhalten, von anscheinend normaler Beschaffenheit; beim Einkochen blieb es vollkommen klar, Kalkwasser fällte aber aus ihm geringe Mengen von Eisenoxyduloxydhydrat und ein Zusatz von Schwefelwasserstoffwasser färbte die Lösung grünlich; nach 48 Stunden war ein durch die Loupe wahrnehmbarer, äußerst geringer Niederschlag von Schwefeleisen entstanden.

Der Versuch wurde wiederholt, die Zuckerlösung jedoch durch Kalkmilch deutlich alkalisch gemacht und eine Knochenkohle zur Digestion angewendet, welche 6 Proc. kohlensauren Kalk enthielt. Es resultirte ein schwach alkalisches Filtrat von normaler Beschaffenheit.

5) Der Versuch 3) wurde mit (durch Zuckerkalk) alkalischer Zuckerlösung wiederholt; Bleipapier blieb ungefärbt. Das nach 24 Stunden erhaltene Filtrat war normal, weingelb, blank, spiegelnd, schwach alkalisch; es wurde rasch eingekocht, wobei es unverändert klar blieb und auch nach dem Erkalten keinen Niederschlag absetzte.

6) Dieselbe saure Zuckerlösung, wie zu Versuch 2) angewandt, wurde mit 100 Th. der analysirten Kohle behandelt, welche grünes Filtrat und graue Brode ergeben hatte.

Es resultirte ein kaum alkalisches, jedoch durchaus klares Filtrat von der Farbe des Madeira-Weines, welches nach dem Einkochen grünlich schimmerte, aber während 24 Stunden keinen Niederschlag absetzte. Schwefelwasserstoffwasser fällte geringe Mengen von Schwefeleisen, und |151| das 3fache Volum Kalkwasser zugemischt, schied nach dem Erhitzen zum Sieden Eisenoxyduloxydhydrat in reichlichen, gelben Flocken ab; die von letzteren abfiltrirte Zuckerlösung verhielt sich normal.

7) Dieselbe Zuckerlösung wie zu Versuch 6), aber mit Kalkwasser bereitet, daher schwach alkalisch, wurde mit gleicher Kohle, wie zu 6) angewendet worden, behandelt. Das erhaltene Filtrat war klar, mehr alkalisch als das vorhergehende, jedoch mit diesem von gleicher Farbe.

Beim Einkochen schied sich nicht das Geringste aus, die Flüssigkeit blieb vollkommen klar.

Eine Probe, mit Schwefelwasserstoffwasser versetzt und erhitzt, setzte auch nach zwölf Stunden keine Spur von Schwefeleisen ab; eine andere Probe, mit ihrem 3fachen Volum Kalkwasser vermischt und erhitzt, schied nur einige Flocken von Eisenoxydhydrat ab, die von diesem abfiltrirte Flüssigkeit war gelb, klar, spiegelnd, normal.

8) Zwei Partien englische Bastern, recht sauer, wurden, jede für sich, in gleichem Gewichte Wasser gelöst, darauf die eine Lösung mit Kalkmilch stark alkalisch gemacht, und nun, die saure wie die alkalische Zuckerlösung, jede mit einer dem Gewicht des Zuckers gleichen Quantität Knochenkohle, welche grünes Filtrat und graue Zucker ergeben hatte, vier Stunden lang bei 60° C. in einer gut verkorkten Kochflasche unter öfterem Umschütteln in Berührung gelassen und nachher abfiltrirt.

Die ursprünglich saure Zuckerlösung zeigte sich nun durchaus neutral, bei durchfallendem Lichte rothbraun, bei reflectirtem grünlich; rasch eingekocht, reagirte sie wieder schwach sauer. Als man sie mit destillirtem Wasser vermischte, entstand keine klare Auflösung, in Folge eines in ihr mikroskopisch fein vertheilten Pulvers, das sich nach mehreren Tagen absetzte und als Schwefeleisen erwies.

Die ursprünglich alkalische Zuckerlösung zeigte sich auch noch nach der Digestion mit der Kohle schwach alkalisch, rothbraun, vollkommen klar, normal, ohne grünliche Färbung; eingekocht und mit Wasser verdünnt, blieb sie klar; es setzte sich kein Niederschlag ab.

9) Es wurde ein Filtrations-Versuch in größerem Maaßstab angestellt.

Ueber gute, von Schwefelcalcium freie, aber Eisenoxyduloxyd und Schwefeleisen enthaltende Knochenkohle wurden

α) eine klare, neutrale Rohzuckerlösung, und

β) über eine andere Menge derselben Kohle eine klare, alkalisch gehaltene Lösung desselben Zuckers

unter Verhältnissen filtrirt, welche sonst stets vorzügliche Raffinaden lieferten.

|152|

Die alkalisch gehaltene Zuckerlösung verließ die Kohle noch schwach alkalisch, aber durchaus klar, spiegelnd – normal. Die aus dem Filtrate dargestellten Zucker waren fehlerfrei.

Die neutral gehaltene Zuckerlösung verließ die Kohle zwar heller an Farbe, als die vorhergehende, aber nicht klar; ein mikroskopisch fein in ihr vertheiltes Pulver ertheilte ihr ein wolkiges, opalisirendes Aussehen. Zusatz von einigen Tropfen Chlorwasserstoffsäure hellte die Flüssigkeit vollkommen auf, so zwar, daß sie anscheinend normal aussah.

Die von der opalisirenden Zuckerlösung erhaltenen Zucker waren durchgehends, besonders aber in ihrer Basis, grau gefärbt. Aus einer wässerigen Auflösung eines Theiles dieses Zuckers wurden feine Partikelchen eines schwarzen Pulvers abgeschieden, die sich als Schwefeleisen erwiesen.

10) Eine mir zur Untersuchung übergebene, schwarzgrüne, kaum sauer reagirende Zuckerlösung von 1,0878 spec. Gewicht, beim Abtreiben der Filter als Nachlauf über Kohlen erhalten, die so eben vorzüglich raffinirt hatten, bräunte sehr stark in ihre Atmosphäre gehaltenes, angefeuchtetes Bleipapier durch Schwefelwasserstoffgas, welches auch durch den Geruch wahrnehmbar war.

Die chemische Analyse der Zuckerlösung zeigte in ihr, außer anderen hier nicht in Betracht kommenden Beimischungen, eine große Menge die Flüssigkeit grün färbender Eisenoxyduloxyd-Verbindungen nebst Schwefeleisen an, welches letztere dem Ganzen den tintenartigen Farbenton verlieh.

Es wurde die Menge des Eisens ermittelt und 0,023 Proc. Eisenoxyd gefunden, also auf 1000 Pfd. Zuckerlösung ohngefähr 1/4 Pfd. Eisenoxyd in Lösung.

Eine Probe der ursprünglichen Zuckerlösung wurde mit ihrem doppeltem Volum Kalkwasser vermischt. Schon bei gewöhnlicher Temperatur, vollständiger aber beim Erhitzen bis zum Kochpunkte, schied sich ein schnell zu Boden fallender Niederschlag von Kalkerde und Eisenoxyduloxydhydrat ab, welcher, abfiltrirt, nun eine schwach alkalische, geruchlose, gelbbraune, vollkommen klare Zuckerflüssigkeit zurückließ, die eingekocht und mit Wasser wieder verdünnt, klar blieb, auch von Schwefelwasserstoffwasser nicht mehr verändert wurde.

Es war somit die ursprünglich tintenartige, faulig riechende Zuckerlösung durch Zusatz von Kalkwasser normal geworden und dadurch, wie durch die vorhergehenden Versuche, ist constatirt, daß Zuckerlösungen, wenn sie über Eisenoxyduloxyd und Schwefeleisen enthaltende Kohlen filtrirt werden (durch Zuckerkalk) alkalisch seyn müssen, um tadellose gesunde |153| Zucker zu liefern; es muß das zu verkochende Klärsel die Filter stets schwach alkalisch verlassen.

Man würde jedoch sehr irren, wollte man die zuweilen vorkommende graue Färbung der raffinirten Zucker ausschließend einer Verunreinigung mit Schwefeleisen zuschreiben, obschon sie die häufigste zu seyn scheint; es hat vielmehr die Erfahrung gelehrt, daß, abgesehen von Unsauberkeit in den Fabriken, jenes Uebel oft von höchst feinen Kohlentheilchen herrührt, welche nach unvollständiger Wäsche und schlechtem Sieben der angewandten Knochenkohle das Filtrat verunreinigen. Diese Knochenkohlepartikelchen unterscheiden sich aber leicht nach ihrer Trennung von dem verdächtigen Zucker, durch ihre theilweise Unlöslichkeit in Chlorwasserstoffsäure und unter der Loupe durch ihre Structur von dem Schwefeleisen.

Zuweilen finden sich die Spitzen der Brode mit Silicatpartikelchen (aus der beim Klären des Zuckers angewandten Kalkmilch herrührend) durchsäet, und Eisenoxyd, aus Verkochapparaten und Filtern, ertheilte von mir untersuchten Zuckern öfters eine röthliche Nüance. Kupferverbindungen dagegen war ich nicht im Stande je in raffinirten, verdächtigen Zuckern, aus dem Chemiker einleuchtenden Gründen, aufzufinden, obgleich in frischen Preßrückständen bis 0,035 Proc. und in der Asche brauner Rohr-Rohzucker bis 0,66 Proc. Kupferoxyd von mir nachgewiesen wurden.

Die Erwähnung der letzteren Ursachen der Verschlechterung raffinirter Zucker genügt, damit intelligente und unterrichtete Fabrikanten sogleich selbst die Mittel zur Verhinderung ihrer Wiederkehr zu ergreifen vermögen. Größere Schwierigkeiten werden dem Fabrikanten stets die ihm überall in seinen Materialien und Geräthschaften (im Rohzucker, im Blute, im Kalke, in den Knochenkohlen, durch die eisernen Klärpfannen, die Filter, die Darre, die Glühcylinder, Verdampfapparate u.s.w.) entgegentretenden Eisentheilchen oder Eisenverbindungen bereiten, deren schädliche Einwirkung er (rationelle Behandlung der Knochenkohle bei der Wiederbelebung vorausgesetzt) bloß durch Kalkalkalität der sonst fehlerfreien, filtrirenden Zuckerlösungen zu besiegen im Stande ist, wobei ich natürlich nicht vergessen will vor einem „Zuviel“ des Kalkes zu warnen, denn wie überall, so auch hier, folgt diesem, wie dem „Zuwenig“, die Strafe unmittelbar auf dem Fuße.

Hamburg, den 22. März 1859.

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Polytechn. Journal Bd. CXLIV S. 369.

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Die Thierkohle wirkt, wie Bussy zeigte, als Basis den Farbstoffen gegenüber, welche meistens den Charakter schwacher Säuren besitzen.

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