Titel: Khittel, über Darstellung von Kupferbronze auf nassem Wege.
Autor: Khittel, Jos.
Fundstelle: 1859, Band 152, Nr. LXXII. (S. 298–299)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/ar152072

LXXII. Darstellung von Kupferbronze auf nassem Wege; von Dr. Jos. Khittel.

Die Darstellung von Argentin oder äußerst fein vertheiltem metallischem Zinn auf nassem Wege, welches in der neuesten Zeit in den Kattundruckereien behufs der Erzeugung eines Silberdruckes auf Möbelstoffe etc. seine Anwendung gefunden hat, führte mich auf den Gedanken, durch ein ähnliches Verfahren Kupferbronze zu erzeugen, und ich habe meine Versuche durch ganz glückliche Resultate belohnt gesehen. Das Verfahren hierbei ist sehr einfach und bedarf keiner weiteren Vorrichtungen, als eines ganz feinen Metallsiebes, welches die getrocknete Bronze in Form eines ganz feinen Staubes oder Mehles hindurchläßt. Ich habe viele Pfunde dieser Kupferbronze mit großer Leichtigkeit dargestellt, ohne allen Apparat oder Vorrichtungen, als eben nur das erwähnte Sieb und mit Hülfe eines Laboranten, welcher in einer Stunde einige Pfunde Bronze durch das Sieb treiben kann.

Mein Verfahren beruht auf der allgemein bekannten Eigenschaft eines blanken Eisenstückes, aus einer Kupferlösung das Kupfer metallisch auszuscheiden, sich zu verkupfern. Läßt man ein blankes Stück Eisen, z.B. eine Messerklinge, hinreichend lange Zeit in einer Kupferlösung von geeigneter Concentraction liegen, so wird sich auf dem Eisen bald eine so dicke Kupferschichte abgesetzt haben, daß diese leicht von dem Eisen losgelöst werden kann. Wie das ausgeschiedene Zinn bei Behandlung von Zinnsalz mit metallischem Zink, so zeigt auch hier das ausgeschiedene Kupfer ein krystallinisches Gefüge, und es ist unmöglich mit diesem Präparate eine solche Zerkleinerung vorzunehmen als oft erfordert wird, viel weniger noch ist es möglich dieses Präparat bloß durch ein Sieb in den feinen Zustand zu versehen als man ihn benöthigt. Man erhält aber ein Präparat welches allen Anforderungen möglichst entspricht, wenn man nach folgender Vorschrift arbeitet, welche ich in größerem Maaßstabe schon ausgeführt und für ganz vortheilhaft erkannt habe. Ich bemerke jedoch ausdrücklich, daß dieses Verfahren nur für die Darstellung einer Kupferbronze gilt, zur Darstellung von Argentin oder metallischem fein vertheiltem Zinn aber nicht anwendbar ist, weil das Zinn die Eigenschaft zu krystallisiren in noch höherem Grade besitzt als das Kupfer.

Um die Kupferbronze darzustellen, wird

1/4 Pfd. Kupfervitriol in

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2 Pfund Flußwasser gelöst und der Lösung

1 Loth Salzsäure zugesetzt.

In einem irdenen Gefäße werden

2 Pfd. metallisches Eisen mit

2 „ Flußwasser übergossen,

und diesem der Kupfer-Ansatz zugesetzt.

Die Oberfläche des Eisens muß möglichst rostfrei seyn, indeß verhindert die oxydirte Oberfläche des Eisens keinesfalls den Proceß, dieser wird bloß etwas verlangsamt, indem die freie Salzsäure das Oxyd erst wegätzen muß. Der Zusatz der Salzsäure ist nothwendig, weil sich das Kupfer sonst zu fest an das Eisen anlegt, als daß es leicht davon abgenommen werden könnte. Der Zersetzungsproceß dauert gewöhnlich 24 bis 30 Stunden bei Anwendung obiger Verhältnisse, nach dieser Zeit ist die blaue Flüssigkeit über dem Eisen entfärbt und hat eine gelbliche Färbung angenommen; das Kupfer hat sich metallisch in Form von losen Flocken oder von Pulver an das Eisen angelegt und kann mittelst eines Holzspatels leicht von dem Eisen entfernt werden.

Das zurückgebliebene Eisen wird abermals mit 2 Pfd. Flußwasser Übergossen und ein gleicher Kupfervitriol-Ansatz wie oben diesem zugesetzt, worauf der Proceß wieder wie vorher von Statten geht; dieß wird bis zum vollständigen Verschwinden des Eisens fortgesetzt.

Ist nach 24 Stunden ein Ansatz in der erwähnten Art reif, so wird das Kupfer, wie gesagt, von dem Eisen getrennt, und das Eisen zu einem neuen Ansatze benützt. Das erhaltene Kupfer wird auf einem Seihtuche, von der eisenhaltigen Flüssigkeit getrennt, gesammelt, welches eisenhaltige Filtrat nur zu einem andern Zweck noch eine Benützung finden kann. Das gesammelte Kupfer muß sehr gut gewaschen werden, theils um die Eisenlösung zu entfernen, theils um jede Spur von Säure zu beseitigen, welche sonst schädlich auf die Bronze wirken und das Kupfer oxydiren würde. Will man jedoch der Bronze geflissentlich einen grünlichen Stich beibringen, so braucht es mit dem Auswaschen je nach der gewünschten Nüance nicht so genau gehalten zu werden. Das gewaschene Kupfer wird bei gelinder Wärme gut getrocknet und dann durch ein feines Metallsieb getrieben, wo es keinen oder nur einen äußerst geringen Rückstand hinterlassen darf. Ein Ansatz liefert circa 1/3 von der Menge des verbrauchten Kupfervitriols an trockener Bronze, welche je nach dem Wärmegrade, wobei sie getrocknet wurde, je nach dem Auswaschen etc. eine verschiedene Farbe zeigt; mit Gummiwasser verdickt auf Gewebe aufgetragen und nach dem Trocknen geglättet, nimmt sie einen kupferartigen metallischen Glanz an, welchem, wie erwähnt, ein grünlicher Stich leicht beigebracht werden kann.

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