Titel: Munger's Schloß.
Autor: Hauff, W.
Fundstelle: 1859, Band 152, Nr. CX. (S. 424–426)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/ar152110

CX. S. F. Munger's Schloß; mitgetheilt von W. Hauff in New-York.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Seit dem Jahre 1851, wo der Amerikaner Hobbs das von der Londoner Firma Brahma u. Comp. auf der Weltausstellung ausgestellte Schloß öffnete und damit den Preis von 1000 Dollars gewann, haben die Amerikaner einen gewissen Vorsprung in der Fabrication solcher Schlösser gewonnen, welche für Diebe unzugänglich sind.

Die Construction dieser Schlösser beruht darauf, daß man eine Anzahl von Schiebern hinter dem Riegel anbringt, welcher mit einem Zapfen versehen ist, der gegen die Schieber anstößt und nur dann das Zurückschieben des Riegels gestattet, wenn die sämmtlichen Schieber so angeordnet sind, daß in ihnen angebrachte Schlitze genau aufeinander passen, so daß der am Riegel befindliche Zapfen ungehindert durch sämmtliche Schlitze passiren kann. Es ist einleuchtend, daß mit der Anzahl solcher Schieber die Schwierigkeit, das Schloß ohne den Schlüssel zu öffnen, |425| bedeutend wächst, und wenn ein Druck auf den Riegelkopf nicht unmittelbar auf die Schieber wirkt, so ist es nach dem Urtheil von Hobbs nicht möglich das Schloß anders als mit Gewalt oder mit dem dazu passenden Schlüssel zu öffnen.

Das hier zu beschreibende Schloß gehört zu diesen Schieberschlössern; die Erfindung besteht darin, daß die Schieber sowohl als der Riegel durch Barte oder Vorsprünge bewegt werden, welche an einem fest mit dem Schloß verbundenen drehbaren Knopfe angebracht sind, und daß der Schlüssel, welcher aus einem dünnen flachen Stückchen Metallblechs mit einer Anzahl von Kerben besteht, nur dazu dient, die Schieber, nachdem sie durch das Drehen des Knopfes gehoben sind, so anzuordnen, daß durch ein weiteres Drehen des Knopfes der Riegel vor- oder rückwärts bewegt werden kann.

Fig. 22 stellt die obere Ansicht eines solchen Schlosses dar, von welchem die Deckplatte abgenommen ist, um die innere Einrichtung dem Beschauer bloß zu legen, und Fig. 23 ist ein Durchschnitt desselben nach der Linie xx in Fig. 22.

Die gleichen Buchstaben bezeichnen in beiden Figuren dieselben Theile.

A. ist der Kasten des Schlosses, in welchem sich der Riegel B zwischen den Leitstiften a schiebt, und der Riegel ist von gewöhnlicher Construction mit dem dicken Kopf b, welcher mit dem Absatz c an den Schwanz sich anschließt.

In dem gleichen Kasten A ist eine Anzahl von Schiebern C, einer über dem andern, angebracht, so daß sie sich kreuzweise über dem Riegel schieben, wobei sie durch die gleichen Stifte a, welche dem Riegel zur Leitung dienen, geführt werden. Diese Schieber sind durchbrochen und jeder derselben ist an der dem Ansatz c des Riegels gegenüberliegenden Seite mit einem Schlitze d versehen. Die unteren Enden der Schieber sind halbrund und auf ihre oberen Seiten drücken die Federn e, welche fortwährend einen Druck nach Unten ausüben.

An der untern Seite ist der Riegel B mit einem Einschnitt f versehen und ein Zapfen D ist quer in den Kasten A eingepaßt. Dieser Zapfen trägt den Knopf E außerhalb des Schlosses, und innerhalb des Kastens sind zwei Bärte oder Vorsprünge g und h an demselben angebracht, welche auf entgegengesetzten Seiten des Zapfens und in verschiedenen Ebenen liegen, indem der Bart g näher bei der Deckplatte i, der andere Bart h näher bei dem Boden j des Kastens liegt.

Die unteren Enden der Schieber C sind auf jeder Seite mit Ansätzen k, k' (Fig. 22) versehen, auf welche der Bart g wirkt, und der Bart h wirkt auf den Einschnitt f im Riegel B.

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Nahe an dem Ansatz c ist ein viereckiger Zapfen l fest mit dem Riegel B verbunden, und die innere Seite dieses Zapfens sowohl als die äußeren Seiten der Schieber sind rauh gemacht.

An den oberen Enden und nach der Seite zu, wo der Kopf b des Riegels liegt, sind die Schieber mit Vorsprüngen m versehen, welche unter einen mit einem flachen Schlitze versehenen Cylinder F sich erstrecken. In die in dem Cylinder F befindlichen Schlitze paßt der Schlüssel G, welcher aus einem dünnen flachen Stückchen Metallbleches besteht, und mit Kerben a versehen ist, deren Tiefe sich nach der verschiedenen Lage der Schlitze d in den Schiebern richtet. Diese Schlitze sind in den verschiedenen Schiebern in ungleichen Entfernungen angebracht, so daß sie nicht aufeinander passen, wenn die Schieber der Einwirkung der Federn e überlassen bleiben oder wenn dieselben durch den Bart g gehoben sind.

Die Operation geschieht folgendermaßen.

Wenn das Schloß geöffnet ist, wie in Fig. 22 dargestellt, und wenn der Schlüssel in feinem Platze steckt, so passen die sämmtlichen Schlitze d aufeinander und der Zapfen l des Riegels kann frei durchpassiren. Ein Drehen des Knopfes E von rechts nach links hat daher ein Vorschieben des Riegels zur Folge. Ein weiteres Drehen des Knopfes E hat zur Folge, daß der Bart g auf die Ansähe k' wirkt, und die Schieber werden alle soweit gehoben, daß die Vorsprünge m aus den Kerben a des Schlüssels treten, daher es jetzt möglich ist, den Schlüssel herauszuziehen; sobald nun die Hand von dem Knopfe entfernt wird, werden die Schieber durch die Wirkung der Federn e herabgedrückt, und der Vorsprung l ist in dem Raum b eingeschlossen. Um den Riegel vorzuschieben, ist es zuerst nöthig die Schieber wieder vollständig zu heben, den Schlüssel einzustecken und die Schieber wieder herabzulassen, so daß sich die Schlitze in denselben vermöge der Kerben a im Schlüssel so anordnen, daß der Vorsprung l durchpassiren kann, und erst jetzt kann der Riegel durch die Wirkung des Bartes h vorgeschoben worden.

Dieses Schloß ist äußerst einfach und bietet doch alle die Vortheile dar, welche zusammengesetztere Schlösser dieser Art haben. Da die Schieber zuerst gehoben werden müssen, ehe der Schlüssel eingesteckt werden kann, so ist es unmöglich die Lage der Schlitze d auszusenden, in der Absicht, das Schloß ohne den Schlüssel zu öffnen oder einen Nachschlüssel zu verfertigen.

Der Erfinder dieses Schlosses, Hr. S. F. Munger aus Rochester im Staate New-York, hat sich dasselbe in den Vereinigten Staaten patentiren lassen.

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