Titel: Untersuchung eines Alabasterglases; von Prof. W. Stein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 4 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi01_4

Untersuchung eines Alabasterglases; von Prof. W. Stein.

Alabasterglas nennt man bekanntlich eine trübe Glassorte, deren Trübung nicht milchig und opalisirend, sondern körnig ist, wodurch sie der eigenthümlichen des Alabasters ähnlich wird. Dieses Glas, an und für sich schon von einer sehr angenehmen Wirkung auf das Auge, wird besonders zur Herstellung des Türkis der Luxusgläser benutzt, ist jedoch schwierig von der richtigen Beschaffenheit herzustellen, da es sehr leicht „blank“ schmilzt.

Als Ursache der Trübung hört man angeben, das Glas sey ein unfertiges, in welchem noch ein Theil der Kohlensäure der Potasche zurückgehalten werde. Wie geringe Wahrscheinlichkeit dieß für sich hat, wenn man die Hitze berücksichtigt, welcher das Glas immerhin ausgesetzt worden seyn muß, braucht kaum hervorgehoben zu werden. Die Trübung müßte aber in diesem Falle von kleinen Kohlensäurebläschen herrühren, während man leicht erkennt, daß sie durch undurchsichtige Körper erzeugt ist.

Die Analyse, welche ich von einer Probe dieses Glases aus einer sehr renommirten Fabrik hier mittheile, gibt, wie mir scheint, über die wahre Ursache der Trübung genügenden Aufschluß. Es wurde nämlich in 100 Theilen dieses Glases gefunden an

im Mittel
Kieselerde a.
b.
79,478
79,534
79,506
Kali a.
b.
16,890
16,849
16,869
Kalk a.
b.
2,786
2,795
2,790
Phosphorsäure 1,063

Die gefundene Phosphorsäure entspricht 2,303 Theilen dreibasisch phosphorsaurem Kalk (Knochenasche) und 1,240 Theilen Kalk. Zieht man diese von der gefundenen Kalkmenge ab, so bleiben 1,550 Kalk, welche mit Kieselerde verbunden sind. Dieser Kalk ist offenbar nicht als solcher dem Glassatze beigegeben worden, sondern rührt her theils von dem kohlensauren Kalk der Knochenasche, theils vielleicht davon, daß ein Theil des phosphorsauren Kalkes durch die Kieselerde zerlegt worden ist.

Vergleicht man den Sauerstoff der Kieselerde mit dem der damit verbundenen Basen, so ergibt sich, daß die Menge des ersteren wenig mehr als das Zwölffache vom letzteren beträgt. Denn in der Kieselerde sind 41,3, im Kalk und Kali zusammen |76| 3,228 Sauerstoff enthalten. Das Glas enthält demnach einen großen Ueberschuß an Kieselerde und gehört, da der Sauerstoffgehalt des Kalkes nur 1/7 von dem des Kalis beträgt, eigentlich zur Gattung Wasserglas, von dem es sich hauptsächlich dadurch unterscheidet, daß es ungefähr doppelt so viel Kieselerde enthält. Daraus wird es erklärlich, daß ein Theil derselben, trotz der doppelten Schmelzzeit, welche bei diesem Glase in Anwendung kommt, nicht in chemische Verbindung mit den Basen eingehen kann, sondern nur mechanisch beigemischt die eigenthümliche Trübung veranlaßt. Diese Ansicht wird noch dadurch unterstützt, daß erfahrungsmäßig der phosphorsaure Kalk keineswegs unerläßlich zur Erzeugung von Alabasterglas ist. (Polytechnisches Centralblatt, 1858 S. 150.)

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