Titel: Palladiumchlorür, ein ausgezeichnetes Reagens für verschiedene Gase; von Prof. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 6 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi01_6

Palladiumchlorür, ein ausgezeichnetes Reagens für verschiedene Gase; von Prof. Böttger.

Kommt man einmal in den Fall, die Anwesenheit geringer Mengen von Leuchtgas, oder von Kohlenoxydgas, deßgleichen von Grubengas, Elaylgas oder Wasserstoffgas in einem Raume zu constatiren, in welchem man das eine oder das andere der genannten Gase voraussetzen kann, so erweist sich, meinen Beobachtungen zufolge eine möglichst säurefreie Palladiumchlorürlösung in diesem Falle als ein ganz vortreffliches Erkennungsmittel. In einer Atmosphäre von Leuchtgas, bekanntlich einem Complex der verschiedenartigsten Gase, wie Kohlenoxydgas, Wasserstoffgas, Grubengas, Elaylgas und noch vielen anderen Kohlenhydrüren, sieht man einen mit mäßig concentrirter Palladiumchlorürlösung getränkten, halbfeuchten, d.h. zwischen Fließpapier oberflächlich abgetrockneten Streifen von Leinen- oder Baumwollzeug in sehr kurzer Zeit (innerhalb weniger Minuten) sich intensiv schwarz färben. Ganz dasselbe findet statt, und zwar in einer verhältnißmäßig noch kürzeren Zeit, beim Einsenken eines solchen Streifens in eine Atmosphäre von Kohlenoxydgas; auch Grubengas, Elaylgas und Wasserstoffgas wirken in ähnlicher Weise.

Als Beitrag zu einem sehr instructiven Collegienversuche dürfte in dieser Beziehung das folgende Verfahren als besonders geeignet erscheinen. Man klemme in den Tubulus einer Glasglocke von beliebigem Rauminhalte, mittelst eines geschlitzten Korkes, einen in der vorhin bezeichneten Weise mit Palladiumchlorür benetzten Leinwandstreifen fest ein, stelle die Glasglocke sodann auf einen Teller, auf dessen Bodenfläche |77| man ein Stück irgend eines schlechten Wärmeleiters, etwa eine kleine Holzplatte oder dergleichen gelegt; bringt man nun behende ein Stück glimmender Holzkohle unter die Glasglocke auf jene Platte, so sieht man im Verlauf weniger Augenblicke den Leinwandstreifen in dieser Kohlenoxydgas-Atmosphäre sich intensiv schwarz färben.

Hält man einen im Innern ganz schwach mit Chlorpalladiumlösung benetzten kleinen Glascylinder über einen geöffneten Gasbrenner, so sieht man auch hier die Innenwände des Cylinders sich schnell mit einem dünnen schwarzen Häutchen metallischen Palladiums überziehen. Leitet man einen Strom chemisch reinen Wasserstoffgases durch einen mit verdünnter Chlorpalladiumlösung gefüllten Glascylinder, so vergeht zwar eine ziemlich lange Zeit (etwa 10 Minuten), ehe eine sichtbare Reaction, d.h. eine Trübung, respective Schwärzung der Flüssigkeit einzutreten pflegt, sie tritt aber stets unfehlbar ein, ja nach länger andauernder Einwirkung sieht man sogar einen sammetschwarzen stockigen Körper in Menge sich abscheiden, der aus höchst fein zertheiltem Palladium besteht, und der getrocknet und dann geglüht, ohne Gewichtsverlust in die graue schwammige Modifikation übergeht, während die Innenwände des Glascylinders sich gleichzeitig mit einem spiegelglänzenden Metallhäutchen überziehen. Auf ähnliche Weise, jedoch in einem weit stärkeren Grade als von reinem Wasserstoffgas, wird die Palladiumchlorürlösung von Elaylgas und Grubengas afficirt, dagegen bei noch so lange andauernder Behandlung, von Kohlensäure, Sauerstoffgas, Stickgas und schwefligsaurem Gas, – nicht im mindesten verändert.

Hinsichtlich der Leichtigkeit, womit die Zersetzung des Palladiumchlorürs durch die genannten Gase erfolgt, dürfte diese Salzsolution in der That als einzig dastehen. Daß die Reduction derselben durch das eine oder das andere dieser Gast innerhalb eines kürzeren oder längeren Zeitabschnittes vor sich geht, scheint zum Theil mit auf den ungleichen Löslichkeitsverhältnissen dieser Gase zum Wasser zu beruhen. (Jahresbericht des physikalischen Vereins in Frankfurt a. M. für 1857–1858)

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