Titel: Ueber Verbesserungen in der Construction und im Gebrauche des Woltmann'schen hydrometrischen Flügels.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 1 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi02_1

Ueber Verbesserungen in der Construction und im Gebrauche des Woltmann'schen hydrometrischen Flügels.

Der Mechaniker und ehemalige Dirigent der fürstlich Salm'schen Maschinen-Fabrik zu Blansko bei Brünn in Mähren, Hr. L. Georg Treviranus, dermalen Privatier in Brunn, hat uns ersucht bekannt zu machen, daß er schon im Jahre 1820 (damals in Bremen) die Platten des hydrometrischen Flügels so construirte und bei seinem jetzt noch vorhandenen Instrumente mit gutem Erfolg in Anwendung brachte, daß jeder der Radien des Flügels ein gleiches Vermögen hat sich gleichzeitig um das Centrum drehen zu können; daß nebstdem, weil bei dieser Construction die Platten sich bis zum Centrumstück erstrecken und daran unmittelbar (d.h. ohne die sonst gewöhnlichen dünnen Arme) befestigt sind, hiedurch der Flügel nicht nur fähig wird dem stärksten Strom ohne Nachtheil widerstehen zu können, sondern auch, theils wegen der vergrößerten Flügelfläche und theils wegen deren Form, die Geschwindigkeit schwacher Strömungen mit mehr Genauigkeit als sonst zu messen.

Zu diesen die Flügelplatten betreffenden Verbesserungen hat sich, wiewohl erst in neuerer Zeit, eine anderweitige noch wichtigere Erfindung gesellt, welche gestattet, während der Flügel seine Rotationen im Wasser macht, ihn gleichzeitig seitwärts quer über den Strom zu führen (sey dieses nun mit Hülfe einer Nothbrücke oder eines Schiffes und einer Fährleine), demnach die mittlere Zahl der Flügelumläufe, welche zu einer Horizontalen des Querprofils unter der Oberfläche des Wassers (oder auch bei einer Verticalbewegung zu einer Perpendiculären) correspondirt, in der beobachteten Zeit auf einmal, und weil dabei alle Strompunkte der Linie eingeschlossen sind wohl ohne Zweifel richtiger als durch die einzelnen Messungen auf der Perpendiculären zu bekommen, indem man sich bei diesen doch nur durch ihre Vervielfältigung der Wahrheit mehr nähern kann.

Bei dem neuen Meßverfahren ist überdies der Zeitgewinn und die Wahrscheinlichkeit daß man mit der Messung vor einer Veränderung des Wasserstandes und Zuflusses zum Ende kommt, so groß, daß man z.B. bei einem 30 Fuß breiten Mühlgraben und etwas lebhaften Strom die Seitenbewegung des Flügels ganz wohl in einer Minute machen kann, wogegen es, um auf etwa 7 einzelne Punkte zu messen, eben so viele Minuten braucht; die Zeit aber von einer Messung bis zur folgenden, im Ganzen nur mit 13 Minuten in Rechnung gebracht, ergeben sich für die Messung auf den 7 Punkten der Querlinie nicht weniger als 20 Minuten, da doch, wie gesagt, die ununterbrochene oder stete Messung nur eine Minute verlangte und hiebei der Zeitgewinn unbeschadet der Genauigkeit jetzt einleuchtend seyn wird, wenn er sich auch bei einem schwachen Strom von nur etwa 6'' Geschwindigkeit per Secunde nicht ganz so günstig herausstellt, und natürlich, wie bei dem gewöhnlichen Flügel, solche Messungen nicht mehr als verläßlich können betrachtet werden, wo es dem Strom an Kraft gebricht den Flügel in gleichförmiger Bewegung zu erhalten.

Noch wird bemerkt, daß bei mehreren Vergleichungen der beiden Messungsmethoden, wenn sonst die Seitengeschwindigkeit bei der ununterbrochenen Messung eine gleichförmige, deßgleichen, in dem andern Falle die Zahl der Punkte auf der Querlinie nicht zu klein angenommen war, die beiden Resultate, besonders beim lebhaften Strom, immer ohne Weiteres schon mehr übereinstimmten; näher aber noch, wenn die auf den Strompunkten beobachteten Umlaufszahlen, nach einer anscheinend wohlbegründeten Annahme und graphischen Darstellung der Geschwindigkeitscurve, je nach deren Form, entweder etwas erhöht oder erniedrigt wurden. Dasselbe gilt auch vom schwachen Strom, obgleich da in den Umlaufszahlen, wenn man sonst die Beobachtungszeit nicht verlängert, wegen der Einrichtung des Zählwerkes vom Flügel mehr gefehlt werden kann, weil dieses nur ganze Umläufe in der Art angibt, daß für weniger als 1/2 Umlauf mehr die vorhergehende ganze Zahl und für 1/2 + die nächstfolgende Zahl erscheint.

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Wie aber auch die Stromgeschwindigkeit (versteht sich übrigens nicht unter der noch zulässigen) auf einer Quer- oder Verticallinie des Profils im Mittel genommen seyn mag, so erscheint doch kein Hinderniß, darüber nach beiden Messungsarten (freilich mit sehr verschiedenem Zeitaufwand) stets zu nahe übereinstimmenden Schlüssen zu gelangen, weßhalb diese dann, wenn man Zweifel in deren Richtigkeit setzt, zur gegenseitigen Controle dienen können.

Sachverständige werden aus dem bis soweit Gesagten wohl schon entnommen haben, daß es sich hier nicht etwa um geringfügige, in ihren Nutzen oft sehr zweifelhafte Veränderungen, sondern um für die Wissenschaft und Praxis der Hydrometrie wirklich wichtige Verbesserungen in der Construction und im Gebrauch des hydrometrischen Flügels handelt.

Der Genannte ist indessen jetzt in den Jahren bereits zu weit vorgerückt, um etwa durch Anfertigung und den Verkauf solcher Wasserinstrumente nebst Zubehör die Ausbeutung seiner Erfindungen und Verbesserungen selbst in die Hand nehmen zu können, wünscht auch nicht mit Einzelnen deßhalb in Unterhandlung zu treten, sondern vorzugsweise entweder durch Vermittelung einer deutschen gelehrten Gesellschaft oder auch eines technischen Vereins gegen ein billiges, die Versuchskosten und den Zeitaufwand einigermaßen ausgleichendes Honorar die Sache zu einem Gemeingute zu machen.

Auf bedingte Anträge, welche unter der Adresse L. Georg Treviranus am großen Platz Nr. 91 zu Brünn in Mähren, an diesen gelangen mochten, wird bis Ende Juli d. J. eine Erwiederung erfolgen, ob aber auch noch weiterhin, ist vorläufig zweifelhaft. Die Redaction.

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