Titel: Ueber Blitzableiter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 5 (S. 157–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi02_5

Ueber Blitzableiter.

Die Redaction der Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereins wurde vor einiger Zeit aufgefordert über Blitzableiter zu berichten und freut sich jetzt Diesem durch die in der Note29) aufgeführte Literatur, sowie besonders durch Mittheilung einer Verhandlung über diesen Gegenstand der Leipziger polytechn. Gesellschaft (Deutsche Gewerbezeitung, Heft 7, 1858, S. 382) entsprechen zu können. „Herr (Architekt?) Mothes theilte daselbst mit, daß man früher Blitzableiter auf den höchsten Stellen der Häuser, eine oder mehrere hohe Stangen, sogenannte Fangstangen, angebracht, und diese durch metallische Verbindung an der Außenseite des Hauses bis in den Erdboden verlängert habe. Jetzt sey man von den Fangstangen ganz abgekommen, da dieselben manchmal die Entladung eines Blitzes nach der Erde bin veranlaßt haben, die sonst nicht vorgekommen wäre. Nur da, wo man eine Fangstange nicht auf dem Hause zu errichten brauche, sondern im Freien aufrichten kann, bediene man sich derselben noch, doch sey dieß nur bei niedrigen und nicht zu umfangreichen Gebäuden möglich, denn eine Fangstange schütze nur auf 60 Fuß im Radius. Wenn man von den Dächern der Gebäude, mögen nun auf diesen Fangstangen errichtet seyn oder nicht, die Elektricität nach dem Boden leiten wolle, so geschehe dieß mit Hülfe von eisernen Stangen, diese müssen jedoch an der |158| Mauer des Gebäudes befestigt werden, was vermittelst eiserner Stücke geschehe, und somit könne man die Verbindung des Blitzableiters mit dem Hause nicht ganz vermeiden und es komme hin und wieder der Fall vor, daß der Blitz zwar im Blitzableiter nach dem Erdboden zufließe, den Blitzableiter aber plötzlich verlasse, und durch ein zur Befestigung desselben dienendes in die Mauer des Gebäudes hineingeschlagenes Stück in das Haus eindringe und da oft Verwüstungen anrichte. Ein solcher Fall sey vor 8 Jahren z.B. vorgekommen, als der Blitz in die Frauenkirche zu Dresden eingeschlagen habe. Um solchen Fällen vorzubeugen, habe man viele Vorschlage gemacht, welche darauf hinausgehen, die Stücke zu isoliren und dadurch ein Eindringen des Blitzes in das Haus unmöglich zu machen. In der neuesten Zeit seyen besonders zwei Vorrichtungen der Art erfunden worden. Die eine von Hrn. Schlossermeister Heinecke in Meißen erfundene beruhe darauf, daß man die Eisenstäbe an den Stellen, wo sie gestützt werden, durch eine Umhüllung von Gutta-percha isolire, die andere von Hrn. Schieferdecker Carl in Leipzig erfundene beruhe darauf, daß man an jenen Stellen die Leitung durch ein Kupferdrahtseil bewerkstellige, welches durch isolirende Glasplatten hindurchgehe. Hr. Mothes legt beide Vorrichtungen zur Ansicht vor, nebst der Bemerkung, daß die Verfertiger derselben der Modellsammlung der Gesellschaft ein Geschenk damit machten. Zugleich bemerkt Hr. Mothes jedoch, daß auch diese Vorrichtungen noch einige Uebelstände zeigten, indem bei starkem Blitzstrahl oder Regen, welcher die Isolirung benetze, die Leitung einestheils zu unvollkommen sey, die Isolirung anderntheils aufhöre. Er glaubt es würde besser seyn, wenn man die Isolirung nicht ringförmig, sondern zangenförmig, mit dem offenen Ende von dem Gebäude abgewendet, anbringen würde. Hr. Stöhrer 30) setzt hierauf sehr klar und ausführlich die Verhältnisse auseinander, welche beim Anbringen eines Blitzableiters zu berücksichtigen sind, und welche sich auf die Wirkung des Blitzableiters beziehen. Er hebt besonders hervor, daß die Fangstangen, die man auf den Häusern anbringe, nicht nur dazu dienen, um die Elektricität aus einer über dem Gebäude schwebenden Gewitterwolke anzuziehen und in die Erde zu leiten, sondern daß diese Auffangstangen eben so gut auch Ausströmungsstangen seyen. Wenn nämlich eine mit bestimmter Elektricität beladene Gewitterwolke über der Erde schwebe, so bewirke die in der Wolke vorhandene Elektricität eine sogenannte elektrische Vertheilung, wobei sich die entgegengesetzte Elektricität an dieser Stelle anhäufe, so daß nun dasselbe Verhältniß zu der gegenüberstehenden Erdoberfläche stattfindet, wie zwischen zwei mit entgegengesetzten Elektricitäten beladenen Wolken, welche sich gegenseitig anziehen. Es träte daher nicht allein ein Ausströmen von Elektricität von der Wolke nach der Erde, sondern umgekehrt ein Ausströmen von Elektricität von der Erde nach der Wolke ein. Wenn nun eine Wolke gerade über einem Gebäude stehe, so träte die Elektricität aus dem Erdboden in das Gebäude ein und sammle sich an dessen höchsten Punkten an und aus diesem Grunde schlage der Blitz besonders leicht in vereinzelt stehende hohe Bäume oder Gebäude. Sey nun das Gebäude mit einer Fangstange versehen, die in eine feine Spitze von Platin oder Gold endigt, so ströme die auf dem Dache sich ansammelnde, aus der Erde aufsteigende Elektricität viel leichter nach der Wolke aus, bewirke eine Ausgleichung und verhüte das Einschlagen des Blitzes, als wenn solche Fangstangen auf dem Dache des Hauses fehlen; denn auf dem flachen Dache könne sich weit mehr Elektricität anhäufen, ohne auszuströmen, wodurch die Gefahr eines heftigen Einschlagens des Blitzes sehr vergrößert werde. Uebrigens sehen wir nicht immer die Spuren vom einschlagenden Blitzstrahl, da sich dieser häufig sehr verästelt und vertheilt. Hr. Stöhrer spricht sich nun für die Ansicht aus, daß die Fangstangen weniger zum Auffangen der aus der Wolke herausströmenden Elektricität, sondern mehr zum leichtern Ausströmenlassen der in der Erde frei werdenden Elektricität dienen, und hält es nun aus diesem Grunde durchaus nicht für gerechtfertigt, diese Stangen bei Anbringung von Blitzableitern auf den Häusern wegzulassen. Im Gegentheil räth er an, das obere, den Wolken entgegenragende Ende der Stangen anstatt mit einer, lieber, wenn man es verästelt, mit möglichst vielen Spitzen zu versehen, |159| um das Ausströmen dadurch zu erleichtern. Der wichtigste Punkt, der jedoch gerade am häufigsten vernachlässigt werde, sey ferner ein guter vollständiger metallischer Verband der am Hause befindlichen Stangen unter einander und vorzüglich mit dem Erdboden. Man kann mit Hülfe eines Elementes einer galvanischen Batterie leicht prüfen, ob die Verbindung vom Dache bis zum Erdboden gut sey, indem man nur zu beobachten habe, ob der elektrische Strom des Elementes sich im Blitzableiter ungestört fortpflanze. Es ist fehlerhaft, wenn man die eiserne Stange selbst in den Erdboden leitet, da das Eisen gerade da wo es in das Erdreich mündet, sehr leicht rostet, und dadurch der Blitzableiter unbrauchbar wird. Man führe daher die eiserne Stange nur bis über den Erdboden, umgebe sie hier mit einem Kupferstreifen, verlängere diesen bis in die Erde und führe ihn so tief ein, bis er stets feuchtes Erdreich hat. Am besten ist es dann, um den im Erdboden ausmündenden Kupferstreifen Kohlen herumzulegen. (Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereins, 1858 S. 369.)

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1)Anweisung zur Errichtung der Blitzableiter (Bericht an die Pariser Akademie.) Poggend. Annalen der Physik Bd. I (1824) S. 403. Polytechnisches Journal Bd. XVI S. 145.

2) Bigot: Anweisung zur Anlegung der Blitzableiter. Glogau 1834.

3) Eisenlohr (Professor der Physik): Anweisung zur Ausführung der Blitzableiter. Carlsruhe 1848.

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Der um elektromagnetische Apparate und Rotationsmaschinen viel verdiente Leipziger Mechaniker.

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