Titel: Das Raketengeschoß, von Henry W. Reveley.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 3 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi03_3

Das Raketengeschoß, von Henry W. Reveley.

Unter diesem Titel bringt das Journal of the Society of arts, 1859 Nr. 334, einen neuen Vorschlag zur Verbesserung der Schießwaffen, der so ganz eigenthümlicher Art ist, daß wir nicht anstehen, unsern Lesern das Wesentliche aus demselben in Folgendem mitzutheilen.

Während bisher die Geschosse stets aus Röhren geworfen wurden, die nach jedem Schuß aufs Neue geladen werden mußten, will der Erfinder der neuen Schießwaffe das umgekehrte Princip zur Anwendung gebracht wissen. Das was fortgeschleudert wird, soll geladen werden, das Geschütz selbst aber keine Ladung erhalten. Die Vortheile dieses neuen Schießapparats sollen darin bestehen, daß man jedes beliebig schwere Geschoß werfen könne, ohne, wie bisher, durch die nicht hinlänglich festen Geschützröhren beschränkt zu seyn, sowie daß die größte Raschheit des Feuerns mit der größten Sicherheit der Bedienungsmannschaft hiebei zu erzielen sey.

Ein 10zölliges Raketengeschoß besteht nach der Beschreibung des Erfinders in der Hauptsache aus einem cylinderförmigen gußeisernen Dorn, der mit zwei Zapfen auf der Lafette ruht. An seinem hinteren Ende ist ein schweres Stück Metall angebracht. Das was geworfen wird, das Projectil, gleicht von außen der eisernen Kapsel einer Congreve'schen Rakete; es ist mit einer Höhlung von 10 Zoll Durchmesser versehen, so daß es an dem Dorn leicht gleiten kann. In diese Höhlung und rund um dieselbe wird das nöthige Pulver gebracht. Der spitze Kopf des Geschosses kann beliebig schwer und fest oder auch noch mit einem weiteren hohlen Raum von conischer Form versehen seyn, um Sprengpulver, flüssiges Feuer oder irgend einen anderen, noch zerstörender wirkenden Zündstoff aufzunehmen. Wo genaue Richtung des Schusses gefordert wird, muß der Dorn abgedreht und der kurze hintere Theil des Geschosses so weit überarbeitet seyn, daß Dorn und Höhlung genau in |237| einander passen. Wenn man will, können auch Züge angebracht werden. Jedes Geschoß hat seine eigene Ladung und sein besonderes Zündloch, man hat dasselbe nur auf den Dorn zu stecken, Zündkraut aufzuschütten und zu feuern. All dieß geht, wie der Erfinder durch eine Reihe von Versuchen gefunden haben will, sehr rasch, und in ganz kurzer Zeit soll eine Menge der schwersten Geschosse geschleudert werden können. Das Aufstecken auf den Dorn geschieht mit der Hand, bei schweren Geschossen mit Hülfe von Krahnen. Das System soll auch auf Handwaffen anwendbar seyn.

Der Erfinder glaubt, daß so construirte Schießwaffen wohlfeiler, als die bisher üblichen zu stehen kommen, neben dem, daß ihre Wirkung eine viel zerstörenden sey. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1859, Nr. 18.)

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