Titel: Der neue Oeffner für Schafwolle; von Prof. C. H. Schmidt in Stuttgart.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 4 (S. 237–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi03_4

Der neue Oeffner für Schafwolle; von Prof. C. H. Schmidt in Stuttgart.

Im Spinnereifach ist eine möglichst hohe Vollkommenheit der Vorbereitungsmaschinen ein Gegenstand, dem man nicht genug Aufmerksamkeit widmen kann, da gerade diese Maschinen von so wesentlichem Einfluß auf die Operationen und die Erhaltung der Maschinen und in Folge dessen auch auf die Güte des Produktes sind. In der Baumwoll- und Kammwollspinnerei hat man dieß längst erkannt und eine große Anzahl neuer Maschinen zum Auflockern und Reinigen der Wolle eingeführt, wogegen die Streichwollspinnerei verhältnißmäßig sehr langsam fortschreitet. Die meisten Spinnereien arbeiten heute noch, wie vor einem halben Jahrhundert, mit dem alten einfachen Wolf, und alle neueren Maschinen, z.B. der englische Klettenwolf, der Wiede'sche Ventilatorwolf u.s.w. haben im Ganzen sehr wenig Verbreitung gefunden.

In der neuesten Zeit wird von Theod. und Ernst Wiede in Chemnitz eine den Wolf ersetzende Maschine, ein sogenannter Deffner gebaut, welcher die Aufmerksamkeit der Schafwollspinner in hohem Grade verdient. Diese Maschine bewirkt nicht nur eine durchgreifende Auflockerung und Oeffnung der Wolle, sondern zugleich auch eine vollständige Reinigung derselben von Kletten und anderen Unreinigkeiten, wobei letztere sorgfältig von allen brauchbaren Fasern befreit werden, so daß der Abgang auf den möglichst kleinsten Betrag reducirt wird. Dieser Oeffner hat bereits Eingang in mehreren Spinnereien gefunden, und seit einiger Zeit ist auch ein Exemplar desselben in der Spinnerei der HHrn. Gebr. Hartmann in Eßlingen in Thätigkeit.

Die Anordnung und Arbeitsweise der Maschine ist in der Hauptsache folgende.

Die auf ein fortschreitendes Lattentuch aufgelegte Wolle wird durch Speisewalzen einem Schläger zugeführt. Dieser besteht aus sechs mit Stahlspitzen besetzten Stäben, welche haspelartig mit einer per Minute 1200 bis 1500mal umlaufenden Welle verbunden sind. Unter diesem Schläger ist ein aus Eisenstäben gebildeter Rost angebracht, welcher dem Staube und anderen beim Schlagen ausfallenden Unreinigkeiten den Durchgang gestattet. Die geschlagene Wolle wird auf ein zweites, ebenfalls in fortschreitender Bewegung befindliches Lattentuch geworfen, auf welchem eine rottende Siebtrommel sich befindet, deren innerer Raum mit einem Ventilator communicirt, so daß eine weitere Partie Staubtheilchen durch den Beschlag der Trommel hindurch angesaugt und aus der Wolle entfernt werden. Durch beschlagene Walzen wird die auf dem Umfange der Siebtrommel haftende Wolle abgestreift und einer größeren Walze, der sogenannten Klettenwalze, zugeführt; diese soll eine Trennung der aufgelösten Wollfasern von den noch unaufgelösten, zu Knoten vereinigten, bewirken, und zugleich auch noch alle größeren Unreinigkeiten entfernen. Zur Erreichung dieses doppelten Zweckes ist dieselbe auf eigenthümliche Weise vorgerichtet. Auf dem Umfange der Trommel ist parallel zur Achse derselben eine größere Anzahl feingezahnter Stahlschienen befestigt, deren Zähne so wenig über den Trommelumfang hervorragen, daß nur die feineren aufgelösten Wollfasern zwischen dieselben einzudringen vermögen, alle größeren Theile hingegen, als Knoten, Kletten u.s.w., am Eindringen verhindert und auf der Oberfläche zurückgehalten werden. Diese außerhalb der Zähne befindlichen Theile werden durch eine rotirende Bürstenwalze |238| abgenommen und auf ein drittes Lattentuch geworfen, welches in angemessener Höhe über sämmtlichen bisher erwähnten Maschinentheilen fortläuft und so bewegt wird, daß es die aufgenommenen Wollstocken u. dgl. wiederum dem ersten Lattentuche zuführt, so daß diese Theile nochmals die ganze Maschine passiren müssen. Die von den Zähnchen der Schienen aufgenommenen Fasern werden durch einen zweiten Bürstapparat ausgekämmt und verlassen hierauf die Maschine. Der Preis der Maschine beträgt 1200 Thlr. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1859, Nr. 16.)

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