Titel: Comprimirte Braunkohlenziegeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 5 (S. 238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi03_5

Comprimirte Braunkohlenziegeln.

Allgemein bekannt dürfte es seyn, daß seit einigen Jahren in der Provinz Sachsen Fabriken entstanden sind, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, aus den reichen Braunkohlenlagern durch Bereitung von Oelen und Kerzen einen höhern Ertrag zu erzielen, als dieß durch Verkauf der Kohlen als Brennmaterial möglich ist. Diese Fabriken konnten lange Zeit zu keinem rechten Gedeihen kommen.

Die Wahl von ungeeigneten Kohlen, die technisch unvollkommenen Fabrikanlagen und die Unerfahrenheit der Betriebsbeamten waren wohl im Allgemeinen die Hindernisse, die erst durch gewonnene Erfahrungen beseitigt werden konnten. Seitdem dieß mehr oder weniger gelungen ist, machen schon einige dieser Fabriken recht gute Geschäfte, und ihre Fabrikate – Photogen, Solaröl und Paraffinkerzen – haben sich bereits einen nicht unbedeutenden Markt erobert und treten nicht selten als Concurrenten mit anderen Beleuchtungsstoffen auf. Gelingt es, die Braunkohlenöle von dem ihnen anhaftenden üblen Geruche zu befreien, auch die dazu erforderlichen Lampen noch mehr zu vervollkommnen, dann wird ihnen, wenn auch nicht all-, doch vielseitig der Vorzug vor dem Rüböle eingeräumt werden. Ihre größere Wohlfeilheit und stärkere Leuchtkraft dürften ihnen den Sieg verschaffen.

Eine zweite Manipulation, durch welche man der Braunkohle einen höheren Werth zu geben bemüht ist, besteht in einem eigenthümlichen Zusammenpressen derselben. Die damit früher gemachten Versuche, wo man die Kohlen mit Wasser anknetete, oder sie in ihrer Grubenfeuchtigkeit zu pressen versuchte, sind alle mehr oder weniger gescheitert. Das neuerdings versuchte Verfahren, wobei man die Kohlen bis zur Theerentwickelung erhitzt und dann erst preßt, scheint zum gehofften Ziele zu führen. Es entstehen dadurch in der That Kohlensteine, die wesentlich verschieden sind von jenen losen, in Ziegelformen gebildeten Brocken, die man seither ganz unverdientermaßen Kohlensteine zu nennen pflegte. (Wochenschrift des schlesischen Vereins für Berg- und Hüttenwesen, 1859, Nr. 16.)

Die Redaction unserer Quelle bemerkt, daß die eingesandten Proben eine ausgezeichnete Dichtigkeit und Härte zeigen, glänzend braunschwarz und außer auf dem Bruche kaum von Steinkohlen zu unterscheiden sind. Das angewendete Verfahren ist mit dem vom Oberpostrath Exter in München erfundenen und zuerst auf Torf angewendeten (polytechn. Journal Bd. CXLVIII S. 148) identisch.

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