Titel: Ueber Gußstahlbleche zur Herstellung von Dampfkesseln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 1 (S. 392–393)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi05_1

Ueber Gußstahlbleche zur Herstellung von Dampfkesseln.

In der Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften am 14. April l. J. besprach Hr. Regierungsrath Ritter v. Burg das in neuester Zeit in England von Howell erfundene, sogenannte „homogene Patenteisen“ (homogeneous metal) und dessen – in Folge der von der englischen Admiralität in Woolwich damit vorgenommenen Versuche – vortheilhafte Anwendung in der Marine zum Baue der Dampfschiffe und besonders zur Erzeugung von Dampfkesseln. Hr v. Burg hält dieses Material für nichts anderes als eine Art von Gußstahl, wie solcher in Deutschland schon längst erzeugt wird.99) Wegen der doppelt so großen absoluten Festigkeit desselben können die daraus hergestellten Kesselbleche im Vergleich mit den Eisenblechen mit der halben Dicke verwendet werden. In Anbetracht dieser großen Vortheile, welche übrigens auch dem |393| Locomotivbaue zu Gute kommen, sey nun auch in Oesterreich das Augenmerk auf diesen Gegenstand gerichtet, und nicht nur die erste k. k. Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft habe die Sache mit Aufmerksamkeit zu Gunsten ihrer seichtgehenden Flußschiffe verfolgt und Versuche eingeleitet, sondern auch von mehreren inländischen Maschinenfabrikanten sey bei dem k. k. Handelsministerium die Erlaubniß nachgesucht worden, Dampfkessel aus Gußstahlblechen erzeugen zu dürfen. Gleichzeitig hätten sie um die Weisung gebeten, wie stark diese Stahlbleche im Vergleiche zu den gesetzlich vorgeschriebenen Eisenblechen seyn müßten. Da die Beantwortung dieser Frage ohne die gehörigen Versuche nicht möglich ist, so seyen solche Versuche angeordnet und unter der Leitung des Hrn. Regierungsraths v. Burg auch durchgeführt worden. Diese Versuche beziehen sich auf jene Gußstahlbleche, welche der betriebsame Gewerke in Leoben, Hr. Franz Mayr. schon seit einiger Zeit erzeugt und zur Verwendung für Dampfkessel am geeignetsten hält; es seyen dieß die Bleche vom Härtegrad Nr. 6, welche sich durch ihre Dehn- und Biegsamkeit im kalten Zustande zu diesem Zweck vollkommen eignen. Aus den mit solchen 2, 3 und 4 Linien dicken Stahlblechen vorgenommenen Versuchen, deren Zahl auf 24 ausgedehnt wurde, resultire für deren absolute Festigkeit, auf den Wiener Quadratzoll bezogen, die Mittelzahl von 85,748 Wiener Pfd. (Max. 91,000, Min. 80,000 Pfd.). während die im Zusammenhange und zur Vergleichung mit vorgenommenen Festigkeitsproben von Seßler- und Neuberger'schen Kesselblechen von (Steyer'schen) 4 und 6 Linien dickem gewalztem Eisen nur eine absolute Festigkeit im Mittel von 42,663 Pfd. (Max. 47,000, Min. 37,780 Pfd.) gegeben hätten, so daß sich im Durchschnitte die absolute Festigkeit des Eisen- zu jener des in Rede stehenden Stahlbleches wie 100 : 201 oder nahe genug wie 1 zu 2 verhalte. Mit den Ergebnissen der sehr zahlreichen Versuche, welche im Auslande mit englischen, französischen und rheinischen Eisenblechen vorgenommen wurden, verglichen, verhalte sich die Festigkeit dieser fremden Bleche, davon wieder die Mittelzahl genommen, zu jener des hier in Rede stehenden Stahlbleches wie 100: 208, also wieder, oder eigentlich um so mehr, wie 1 zu 2.

Hr. Regierungsrath v. Burg berichtete noch über eine zweite Reihe von Versuchen, welche er mit Mayr'schen Gußstahlblechen von nächst höherem Härtegrad (mit Nr. 5 bezeichnet) durchgeführt hat; er hält jedoch diese Bleche, ungeachtet ihrer um 23 Proc. größeren absoluten Festigkeit (Mittelzahl 104,840 Pfd.). in Uebereinstimmung mit der eigenen Ansicht des Hrn. Mayr, wegen ihrer zu großen Sprödigkeit, die sich schon beim Kaltbiegen und Lochen zu erkennen gibt, für Dampfkessel weniger geeignet und empfehlenswerth. Da sich hingegen die zuerst genannten Stahlbleche vom Härtegrad Nr. 6 auch durch ihre Weichheit und Geschmeidigkeit auszeichnen, so glaubt Hr v. Burg seine Ueberzeugung dahin aussprechen zu müssen, daß man nicht nur diese eben genannten Stahlbleche Nr. 6 für Dampfkessel mit aller Beruhigung verwenden, sondern zugleich auch um die Hälfte dünner machen könne, als dieß vorschriftsmäßig bisher für Kessel aus Eisenblech nothwendig ist; dadurch werden die Kessel von gleicher Leistungsfähigkeit nicht nur um die Hälfte leichter, sondern es wird auch zugleich, der dünneren Wände wegen, durch welche sich die Wärme leichter fortpflanzt, an Brennstoff erspart, ohne die Kessel so viel wie jetzt abzunutzen. Noch augenfälliger sind die Vortheile bei Locomotiv- oder überhaupt Tubularkesseln, wenn auch die Siederöhren aus diesem Material erzeugt werden. (Eisenbahnzeitung, 1859, Nr. 19.)

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Was auch von Hrn. J. Malmedie nachgewiesen worden ist; man sehe polytechn Journal Bd. CLI S. 199. A. d. Red.

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