Titel: Bei welchen Getreidepreisen rentirt die Guanodüngung nicht mehr?
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 14 (S. 400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi05_14

Bei welchen Getreidepreisen rentirt die Guanodüngung nicht mehr?

Die Beantwortung dieser Frage hat sich der Chemiker Dr. Grouven in Bickendorf angelegen seyn lassen; die Ansicht desselben wird von sächsischen Landwirthen, welche bekanntlich sehr viel Guano anwenden, hinsichtlich der Verwendung beim Getreidebau bestätigt.

Als Durchschnitt ergibt die Zusammenstellung und Berechnung der von ihm angestellten Versuche, daß 100 Pfund Peru-Guano sich im ersten Jahre verwerthen mit 280 Pfund Körnern und 600 Pfund Stroh.

Die Nachwirkung schätzt man ziemlich einstimmig zu 20 Proc. oder zu 1/5 der erstjährigen Wirkung. Zu letzterer wären also noch 56 Pfund Körner und 120 Pfd. Stroh zu addiren. Das hebt die Verwerthung summarisch auf 336 Pfd. Körner und 720 Pfund Stroh. Was sind nun die 720 Pfund Stroh dem Landwirthe werth. wenn er sie nicht zu Markte führt, sondern auf seinem Gute zu Streu und Fütterung verwendet? Der Verfasser schätzt sie nicht höher als zu 2 Thaler. Kosten ihn die 100 Pfund Guano, bis aufs Feldstück gebracht, 5 Thaler, so bleiben noch 3 Thaler übrig, die durch die 336 Pfund Körner gedeckt werden müssen. Sinkt der Kornpreis per Kölner Malter à 220 Pfund (6,5 Simri) auf 58 4/5 Sgr., so wird der Landwirth für jene 336 Pfund Körner genau 3 Thaler bekommen; er wird also bei diesem Fruchtpreise seine Ausgabe für Guano-Düngung eben zurückerstattet bekommen, ohne jeglichen Gewinnst. Aber noch früher, bei höherem Fruchtpreise, wird er die Guanodüngung als unrentabel erachten, wenn er von dem Grundsatze ausgeht, daß ihm wenigstens das Stroh als reiner Verdienst zufallen müsse. Dann müssen jene 336 Pfund Körner die ganzen Kosten des Guano's tragen, d.h. sie müssen zu 5 Thlr. zu verkaufen seyn. Das ist aber nur dann möglich, wenn der Preis des Malters Korn nicht unter 98 Sgr. sinkt. Bei dem heutigen Kornpreise von 4 Thlrn. 8 Sgr. ist außer dem Stroh noch 1 Thaler an jedem Centner Guano verdient.

Eine andere Frage ist es, wie der Guano sich auf Futtergewächse (Rüben, Hafer) und Oelfrüchte verwerthet. Bei den jetzigen Conjuncturen dürfte er dort jedenfalls höher rentiren. (Vierteljahresschrift für technische Chemie, 1859, Heft 1.)

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