Titel: Gasbeleuchtung auf Eisenbahnwagen und Dampfschiffen in Amerika.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1859, Band 152/Miszelle 5 (S. 394–395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj152/mi152mi05_5

Gasbeleuchtung auf Eisenbahnwagen und Dampfschiffen in Amerika.

In New-York hat sich, wie Hr. Ingenieur B. Hager in Dresden uns mittheilt, eine Aktiengesellschaft gebildet, um Eisenbahnzüge und Dampfschiffe mit Gas zu erleuchten, und ihre Einrichtungen auf den Zügen der New-Jersey Eisenbahn |395| sind von solchem Erfolg gewesen, daß sie jetzt auf verschiedenen anderen Bahnen dieselben anbringen. Das Gutachten des Direktors der New-Jersey Eisenbahn darüber lautet äußerst günstig und folgt hier im Auszug: „Das Licht ist angenehm, egal und hell, so daß alle Theile des Wagens vollständig erleuchtet sind, und ist bei Weitem dem düsteren Licht der Oellampen vorzuziehen. Die Behandlung desselben ist einfach, leicht und frei von den Uebelständen anderer Beleuchtungsmethoden; in Hinsicht der Kosten werden mehr als zwei Dritttheile gegen Oelbeleuchtung erspart.“

Die Art und Weise, wie das Gas angewendet und transportirt wird, ist folgende: Jeder Wagen ist mit einem starken schmiedeeisernen Cylinder von 4 1/2 Kubikfuß körperlichem Inhalt versehen, der auf 500 Pfund Druck auf den Quadratzoll probirt ist. Zur größeren Sicherheit sind die Deckel concav geformt. Das Gas wird mit einem Druck von 20 Atmosphären (300 Pfund auf den Quadratzoll) in diese Cylinder gepreßt, so daß ungefähr 90 Kubikfuß Gas in jeden derselben gepumpt werden. Der Cylinder liegt unter dem Fußboden, und außer dem Einströmungsrohr ist ein Ausströmungsrohr an demselben angebracht, welches zu den verschiedenen Brennern führt. Das Einströmungsrohr ist mit einem Ventil verschlossen, was sich nach Innen öffnet, sobald Gas eingelassen wird, während es nach der Füllung den Gasdruck schließt. Ein eigenthümlicher Apparat, welcher am Ausströmungsrohr befestigt ist, regulirt den Gaszufluß zu den einzelnen Brennern unter jedem beliebigen Druck, so daß das Gas immer ruhig brennt und bloß das nöthige Gasquantum verbraucht wird.

Die Einrichtung, um die Cylinder mit Gas zu füllen, ist einfach, und das Füllen selbst nimmt nur wenig Zeit in Anspruch. Nahe dem Maschinenhaus in Jersey-City sind eine Anzahl verticale Cylinder aufgestellt, in die je durch eine Dampfpumpe das Gas unter einem Drucke von 450 Pfund auf den Quadratzoll gebracht wird; diese Cylinder sind durch enge Röhrchen unter einander verbunden und bilden auf diese Weise ein starkes und nach Belieben umfangreiches Reservoir. Von diesem Reservoir führt eine Röhre zu der 1300 engt. Fuß entfernten Hudsonriver Personenhalle, wo alle Züge abgehen und ankommen. Diese Röhre läuft horizontal unter der Einsteige-Platform und hat in angemessenen Entfernungen Oeffnungen mit Hähnen, an welche dann, wenn die Wagencylinder gefüllt werden sollen, ein Arbeiter die verschiedenen Einströmungsrohre kuppelt und den betreffenden Hahn öffnet. Das Gas strömt augenblicklich ein und füllt unter dem Drucke des im Reservoir befindlichen Gases die Wagencylinder. Das Füllen der Cylinder eines ganzen Zuges dauert auf diese Weise nur wenige Minuten und wird durch einen einzigen Mann besorgt. Die Locomotivlaternen werden auf dieselbe Weise mit Gas versehen.

Nach angestellten Versuchen erhält sich das Gas eine lange Zeit brauchbar in den Cylindern und es wird auf diese Weise von den Gascompagnien größerer Städte jedenfalls ein bedeutender Absatz von Gas nach solchen kleinen Orten erzielt werden, welche keine Gasanstalt haben. Ein Cylinder von obigen Dimensionen versorgt eine kleine Familie auf dem Lande für eine ganze Woche mit Gaslicht, und das Gas läßt sich so, auf einen kleinen Raum beschränkt, sehr leicht transportiren. (Notizblatt des „Civilingenieur,“ 1859, Nr. 4.)

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